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© 2012 Christian Schmidt

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Vor zwei Jahren bekam ich zu Weihnachten einen kleinen MP3-Player, der für damalige Zeiten gar nicht schlecht war: kompakte Bauform, MP3- und WMA-fähig, Diktierfunktion und auch gute Equalizer-Einstellmöglichkeiten. Damals waren sogar die 128 MByte Speicherplatz noch ausreichend.
Inzwischen sieht das natürlich etwas anders aus. Der beigelegte Kopfhörer gab schon vor über einem Jahr den Löffel ab, was allerdings nicht schlimm war - ebenbürtige Kopfhörer kriegt man ja heutzutage hinterhergeschmissen. Vielmehr störte mich der begrenzte Speicherplatz. Und ich gebe zu: Ich blickte neidisch auf die Ipods von Apple, von denen Boris Schneider-Johne mal schrieb, dass sie ab Werk mit einem Kontaktgift versehen wären, das einen "Habenwill"-Reflex auslöst. Da ist durchaus was dran. Was mir am Ipod allerdings nicht gefällt, sind der Preis, die sozialistisch anmutenden Lieferzeiten (zumindest für den Ipod nano) und der Zwang, unbedingt die Itunes-Software zu benutzen.

Deswegen habe ich vor wenigen Tagen einen Samsung YH-J 70 bestellt, der heute geliefert wurde. Das gute Stück ist schön handlich, hat jede Menge Funktionen und funktioniert bisher absolut problemlos bei simpler Bedienung. Und er war 70 Euro billiger als der Video-Ipod, der auch nicht mehr kann.
Dazu hab ich mir richtig edle Kopfhörer geleistet, die schweineteuer sind. Aber der Klang ist super. Und durch die modernen Silikonstöpsel muss ich mir die Außenwelt wenigstens nicht mehr akustisch antun. Und somit bin ich zumindest einem Trend wieder einmal entgangen.

Anders als bei Apple konnte ich mich Sony-Produkten aber nicht entziehen. Nachdem ich lange Jahre höchstens mal Videokassetten und CD/DVD-Rohlinge von Sony benutzte, beschaffte ich mir 2004 einen Flachbildschirm, einen neuen DVD-Brenner und schließlich eine Playstation 2 (Veteranen erinnern sich vielleicht, dass ich letztere im alten Weblog mal erwähnt habe). Vor kurzem gelang es dem japanischen Konzern, noch ein Produkt bei mir unterzustellen: einen DVD/Festplattenrekorder. Wunderbares Teil. Grund für die Beschaffung war wie beim MP3-Player Unzufriedenheit. Diesmal allerdings weniger aufgrund gestiegener Ansprüche im Wandel der Zeit, sondern weil der alte normale DVD-Rekorder von Yamakawa noch nie ganz problemlos funktionierte.
Meine Leidensgeschichte mit dem billigen Rekorder: Die Frontlade verhakte sich beim Schließen gern am Gehäuse und brauchte dann einen herzhaften Schubser, das Laufwerk machte gern Geräusche, der Rekorder stürzte gern ab, bei Aufnahmen passierte gern mal ein Fehler, der die gesamte DVD hinrichtete... Der Tropfen, der dem Fass die Krone ins Gesicht schlug, war schließlich das letzte Firmware-Update, welches ihn zwar DivX-fähig machte, aber dafür konnte man ihn nicht mehr per Fernbedienung einschalten.
Inzwischen steht er bei meinem Vater, möge er dort besser arbeiten als bei mir.

Was will ich denn nun eigentlich damit sagen? Man könnte mir natürlich vorwerfen, dass ich schamlos Werbung mache in der Hoffnung, dass sich jemand diese Geräte gleich über die eingebauten Links bestellt und mir somit ein bisschen Geld in den Rachen wirft. Das stimmt auch.
Allerdings möchte ich in erster Linie zugeben: Ich bin kein Typ, der prinzipiell gegen Konzerne ist. Meine Rechner laufen zumeist unter Windows von Microsoft, mein Videorekorder und der MP3-Player sind von Samsung, meine Rechner von HP, Fujitsu-Siemens und Acer, der Fernseher von Toshiba, der Scanner und mein Drucker von Canon, meine Digitalkamera ebenfalls von HP und und und... Und wieso? Sicherlich liegt es auch an der Marktmacht, die einem manchmal keine andere Wahl lässt. In vielen Fällen sind die billigeren Produkte aber auch nur ganz einfach von minderer Qualität, funktionieren also nicht richtig oder gehen schnell kaputt. Wer diese Lektion schmerzhaft gelernt hat, der gibt dann doch lieber ein wenig mehr aus, um seine Nerven zu schonen. Ich möchte damit nicht sagen, dass jeder kleine oder billige Hersteller von Unterhaltungselektronik scheiße ist, denn mit manchen Billigmarken bin ich ganz zufrieden. Es geht mir eher um den Preis: Man sollte nicht überrascht sein, wenn etwas billiges auch billig hergestellt ist. Ein Kopfhörer für 7 Euro ist nunmal scheiße, auch wenn Sennheiser draufsteht. Und deswegen hab ich mir auch keinen MP3-Player mit Videofunktion für 150 Euro gekauft.

Natürlich weiß ich, dass man in heutigen Zeiten sparen muss und lieber jeden Cent dreimal umdreht. Allerdings frage ich mich nach jeder schmerzhaften Erfahrung: Warum spart man nicht richtig, wenn man kein Geld hat? Warum ärgert man sich lieber mit einem billigen Gerät rum, anstatt ganz darauf zu verzichten? Warum besorgt man sich einen hastig zusammengeschraubten 450-Euro-Computer mit Zeta-OS, anstatt lieber etwas länger für einen anständig ausgestatteten PC zu sparen? Und die wichtigste Frage: Warum besorgt man sich nicht lieber nur alle zwei Wochen richtiges Fleisch, anstatt immer das billigste zu nehmen und sich dann über Gammelfleisch aufregen zu müssen? Die Antwort ist wohl: Durch die Werbung wurde uns antrainiert, nicht darauf zu achten, wie man richtig spart, sondern nur darauf, wie viel weniger man im Vergleich mit einem Konkurrenzprodukt investieren müsste. Wir sind manchmal halt doch nur blöde Affen wie unsere Vorfahren, die einen Stock anbeteten und Kackeschmieren für eine wahnsinnig gute Beschäftigung hielten.

Klopfers Web gibt's für Besucher immer noch kostenlos, und ich habe auch keine Pläne, das zu ändern. Aber einen Anspruch habe ich an mich: Die Qualität der Seite immer so beizubehalten, dass sie im Laden eine teure Edelmarke wäre.

(2005/2006)

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