Klopfers Blog

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Bei RTL lief vorhin Extra mit Birgit Schrowange. Ein Beitrag handelte von einem Aktkalender mit lauter Bauernmädchen aus Bayern, aber er könnte genauso gut eine Parodie gewesen sein. Ein Mädchen wurde von ihren Eltern dazu angestiftet, sich für das Fotoshooting zu bewerben - dummerweise haben die Eltern erst später mitbekommen, dass es ein Erotikkalender ist. Das Mädel selbst arbeitet im Schweinestall und lässt folgende Weisheit ans Licht: "Wenn die Schweine so lieb gucken und man sie aufwachsen sieht, dann ist es schon schwer, sie an den Schlachter zu geben. Aber ist ja bei uns Menschen genauso." Ist ihre Oma auch beim Schlachter gelandet? Hoffentlich hat sie geschmeckt.
Der Bauer, bei dem das Fotoshooting gemacht wurde, war auch so ein Spezialfall. Auf die halbnackten Mädchen angesprochen, die dort bei der bäuerlichen Arbeit fotografiert werden, meinte er nur: "Man zeigt ja nur den Alltag, wie es wirklich tagtäglich hier ist." Okay, Alm-Öhi, du hast wirklich täglich junge Damen auf dem Hof, die ihre Brüste auspacken?
Biggi Schrowange hat beim Anmoderieren ebenfalls ein kleines Eigentor geschossen. Eigentlich sollen die Fotos zeigen, dass die Mädchen vom Land gar nicht prüde und hinter dem Mond sind. Im Beitrag allerdings weigern sich die Mädels alle, vor der anwesenden Presse blankzuziehen, weil das moralisch nicht in Ordnung wäre. Ist ja enorm unprüde.
Generell war ich ja sehr beeindruckt von der Doppelzüngigkeit, die die Macher des Beitrags an den Tag legten. Bilder des letzten Kalenders wurden lange und in einer Größe gezeigt, in der die einzelnen Pixel zu sehen waren. Und während die blanken Brüste den Bildschirm füllen, fragt der Sprecher journalistisch-kritisch: "Soll das wirklich eine angemessene Werbekampagne für das ländliche Leben sein?" Kleiner Tipp: wenn ihr solche Tittenparaden wirklich kritisch hinterfragen wollt, sollte der Beitrag nicht optisch darlegen, wie rattig der Redakteur angesichts der Aktfotos war.

Letzterer Aspekt wurde übrigens auch vor ein paar Wochen ins Absurde übertrieben, als ein Privatsender (ich weiß nicht mehr, welcher) einen Beitrag über Schaulustige brachte, welche bei Verkehrsunfällen glotzen. Sehr ernst, geradezu empört kommentierte der Sprecher die Aufnahmen von Schaulustigen, die sich fünfzig Meter von einem Unfall entfernt auf dem Bürgersteig versammelten oder sich gar auf eigenen Gartenstühlen neben das Autowrack setzten. Diese widerlichen Glotzer, die einfach die Rettungsmaßnahmen behindern. Abschaum. Dreck. Der Bodensatz der Gesellschaft. Die Aufnahmen stammten aber alle von Kameramännern, die ihr Geld damit verdienen, den Polizeifunk abzuhören und zu Verkehrsunfällen zu fahren, um dort möglichst detaillierte Bilder der Sach- und Personenschäden zu machen. Und dabei meine ich: möglichst noch etwas blutiges Fleisch an der Fahrertür abzufilmen. Dass keinem Redakteur diese Ironie aufgefallen ist, über die Schaulustigen zu schimpfen, die von einem Kameramann gefilmt wurden, der noch viel viel dichter an die Leichen rangeht und dabei viel skrupelloser vorgeht als die allermeisten Passanten, hat mich wirklich verblüfft. Vor allem, wenn man wirklich die Aufnahmen zeigt, in denen der Kameramann zwischen dem Unfall und den Schaulustigen steht, die wegen ihrer Sensationsgeilheit gescholten werden. Ehrlich gesagt wusste ich nicht, ob ich lachen oder kotzen sollte.

Da lob ich mir doch richtigen Journalismus, der wirklich was bewegt, wie zum Beispiel bei Nachrichtensendungen, bei denen sich die Sprecherinnen Stück für Stück von ihrer Bekleidung trennen. Dummerweise wird diese mutige Art der Wissensvermittlung bei uns noch viel zu wenig gewürdigt. In Japan ist man schon einen Schritt weiter: Dort strahlt die freitägliche Nachrichtensendung Hadaka no News Station (Nackter Nachrichtensender) einen Teil seines Programms mit einer Übersetzerin für Zeichensprache aus (die sich natürlich auch entblättert), um staatliche Hilfen zu erhalten. Die Subvention selbst ist kaum der Rede wert (umgerechnet etwa 900 Euro monatlich), aber es ist ein wichtiger Anfang. Wir sollten uns an Japan ein Beispiel nehmen (wir können aber auch gern bei den Schuluniformen anfangen).

Es gibt viele Berufe, die ich nie im Leben ausführen könnte. Callcentersklave, 9live-Moderator, katholischer Bischof und Schildkrötenmasturbant. Ja, diesen Beruf gibt's. Der Einsame George ist der letzte Vertreter einer Galapagos-Riesenschildkrötenart. Und er hat deswegen keine Freundin. Man hatte ihm bereits andere hübsche Schildkrötendamen vorgestellt, mit denen er aber nichts anfangen konnte, selbst als männliche Schildkröten vormachten, was er mit den rassigen Exotinnen anstellen müsste. So könnte seine Art aussterben, wenn sich in den nächsten Jahrhunderten keine Partnerin findet. Eine (angeblich sehr hübsche) Schweizer Biologin namens Sveva Grigioni versuchte vor 14 Jahren sogar, ihm einen runterzuholen, um wenigstens den Samen zu kriegen. Obwohl sie eine meisterhafte Schildkrötenmasturbantin war (andere männliche Schildkröten konnte sie binnen 10 Minuten zur Explosion bringen) und ihre Hände mit weiblichem Schildkrötensekret einschmierte, hatte sie bei George keinen Erfolg. (Warum hat sie eigentlich nicht Durchblick.ch um Rat gefragt? Ich vermute mal, George hat sich gedacht, wenn er nicht durchhält, versucht sie's vielleicht mit dem Mund. Clevere Schildkröte.)

Nur ein wenig peinlicher als als Schildkrötenwichserin bekannt zu werden ist wohl, als Kind öffentlich bloßgestellt zu werden. Der fünfjährige Sohn von Liz Hurley kann davon vermutlich ein Lied singen. Damian wurde von seiner Mama nämlich in einen rosafarbenen Bikini gesteckt und (amateurhaft mit großer Sonnenbrille anonymisiert) auf Liz Hurleys Webseite der Welt vorgeführt. Die Mutti hat nach heftiger Kritik das Bild von ihrer Seite entfernt, mit dem sie für eine von ihr designte Bademodenlinie für kleine Mädchen werben wollte. Gut, dass diese Demütigung für Damian endlich vorbei ist. Also nachdem die News-Seiten, die über die Aufregung berichten, das Bild ebenfalls aus ihren Meldungen verbannen.

Ich geb zu, ich bin manchmal etwas schadenfroh. Über Apples iPhone habe ich mich bereits vor etwa einem halben Jahr mehrmals ausgelassen. Meine Meinung hat sich bis dahin nicht wesentlich geändert. Man kann mit dem Ding nicht mal MMS verschicken oder Speicherkarten benutzen. Man muss das Teil zum Akkuwechsel einschicken (bei einem MP3-Player geht das ja noch, aber bei einem Telefon, von dem man eventuell beruflich abhängt?) und kann (besonders peinlich für die iTunes-Firma) keine MP3s als Klingeltöne verwenden. Es ist größtenteils inkompatibel mit Online-Anwendungen und es gibt billigere und leistungsfähigere Alternativen. Und jetzt haben kurz nach dem Verkaufsstart in den USA viele auch noch Probleme, dieses 600 Dollar teure Spielzeug, welches nur in Verbindung mit einem Vertrag bei AT&T funktioniert, zu aktivieren. Kann mir noch mal einer sagen, warum jemand scharf auf das Teil sein soll?

Dann kann ich es eher verstehen, wenn man ein zünftiges Pimmeltelefon benutzt, wie es momentan in den USA für knapp 30 Dollar übers Internet verkauft wird. Das "Bona-Phone" genannte Fernsprechgerät ist geformt wie eine stramme Latte mit den Nüssen und bietet als Klingeltöne unter anderem erregtes Stöhnen und Lustschreie. Wann gibt's aber das Muschitelefon?

Kleiner sinnloser Fakt: In einer Art bizarrem Schwanzvergleich wetteifern Nordkorea und Südkorea an ihrer Grenze darum, wer den größten Flaggenmast hat. Das südkoreanische Dorf Daeseong-dong besitzt einen knapp 100 Meter großen Flaggenmast, im nordkoreanischen Propagandadorf Kijong-dong gegenüber zeigt der weltgrößte Flaggenmast mit 160 Metern den kapitalistischen Brüdern aber überdeutlich, dass der Kommunismus siegen wird. An diesem Mast hängt eine fast 140 Kilogramm schwere nordkoreanische Fahne. Es wird oft erzählt, bei Regen müsse die Fahne eingeholt werden, da der Mast das Gewicht dieser Fahne nicht mehr tragen könne, wenn sie mit Wasser vollgesogen wäre.

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Drei Dinge

Veröffentlicht am 14. August 2006 um 21:35 Uhr in der Kategorie "Meine Sicht der Welt"
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