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#803 von mischka

Ich habe folgende Mail bekommen:

Lieber Kollege *****,

mit größtem Bedauern habe ich von den SuS [Anmerkung: Schülerinnen und Schüler] eine Erklärung bzgl. Scheitelpunkte vernommen.

Diese Erklärung ist zwar theoretisch mathematisch korrekt, aber praktisch zu einfach, also falsch.
Das nimmt der Mathematik die Schwierigkeit und damit die filtrierende Wirkung.

Davon ab solltest du mal drüber nachdenken, wie ich und andere Kollegen im Vergleich aussehen, wenn dein Unterricht viel leichter ist.

So geht das nicht!!!

Werte diesen Lösungsweg in der Klassenarbeit bitte als falsch und sag den SuS dass der Weg falsch ist.
Das ist der einzige Weg unqualifizierte auf dem Weg zum Abitur rechtzeitig zu stoppen.

kollegiale Grüße
***
Kann mir mal jemand ":ehwas: Hat man dir ins Gehirn geschissen?" diplomatischer ausdrücken? Ich muss langsam antworten, die Mail kam jetzt schon zum zweiten Mal mit leicht anderem Text...

Link: [https://bfy.tw/PvYt]
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Klopfer (Profil) (Website)
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Der Kollege hat eine (gelinde gesagt) seltsame Auffassung von der Aufgabe seines Berufs.
(Wenn er einen bestimmten Lösungsweg sehen will, muss er die Frage entsprechend formulieren.)

2
Geschrieben am
mischka (Profil)
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Also er kann ja seinen eigenen Schülern Aufgaben stellen, wie er will. Ich akzeptiere grundsätzlich alle Lösungswege, die sachlich korrekt sind. Und da lass ich mir nicht rein reden.... Und ich empfinde es als Frechheit, dass er mir vorschreiben will, wie ich bewerten soll.

Der Schritt von "zu leicht" zu "praktisch falsch" erschließt sich mir auch nicht.

3
Geschrieben am
(Geändert am 15. Dezember 2020 um 10:06 Uhr)
Asgar (Profil)
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Wow.

Das es so was unter Lehrern tatsächlich gibt schockiert mich gerade irgendwie, lässt mich aber nun (über 16 Jahre nach meinem Abitur) verstehen, warum Mathe tatsächlich unterschiedlich schwer war, abhängig vom Lehrer.

Ich hatte da offensichtlich das Glückslos, denn meine Mathenoten waren niemals so gut, wie sie in den letzten 3 Semesetern gewesen sind, als wir eine junge, motivierte, frisch verbeamtete Lehrerin in unserem Grundkurs hatten. Ich glaube in allen anderen Grundkursen (ich meine es gab 4) waren Lehrer, bei denen ich sicher schlechter abgeschnitten hätte.

Nun weiß ich natürlich nicht, ob die Lehrer sich gegenseitig in ihren Unterrricht reingepfuscht haben, ich denke aber nicht, da unsere Lehrerin tatsächlich ihren eigenen, erfolgreichen Weg durchziehen konnte.

Ich finde es eine absolute Unverschämtheit, wie dein Kollege sich bei dir einmischen will.
Bleib da bitte stark und konsequent und mach es weiterhin so wie bisher, da du den Schülern offensichtlich entgegen kommst.
Es ist doch wohl erstrebenswert, wenn du den Schülern einen einfacheren Weg aufzeigst, der trotzdem korrekt ist.

Dein Kollege sollte sein ganzes Unterrichts-System mal hinterfragen.

0
Geschrieben am
(Geändert am 15. Dezember 2020 um 11:06 Uhr)
Rakshiir (Profil)
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Also ganz grundsätzlich:
Wenn es einen eleganten Lösungsweg gibt, der technisch korrekt ist, dann kann ich den nicht als falsch werten. Und dann sollte ich den auch beibringen, es sei denn ein anderer Lösungsweg hätte größere Anwendungsbereiche. Dann isses natürlich auch gut, den zu kennen. Sowas wäre für mich, wenn ich mal so direkt sagen kann, ein Grund das mit der Schulleitung zu klären. Das ist auch in meinen Augen im Sinne der Schüler - blöd würde es wenn der Typ nun ausgerechnet dort hoch im Kurs steht oder dazu gehört (an unserer Schule war der Oberstufenleiter ein Lehrer der Schüler regelrecht gemobbt hat. Den konnte keiner angehen, war aber für mich in seiner Stellung und Beruf eine komplette Verfehlung deshalb) - aber auch dann wäre es vielleicht Wert im Sinne der Schüler dafür einzutreten, dass man den optimalen Weg beibringt.

Hat ja nix damit zu tun ob ein Unterricht einfach oder schwer ist. Was komplizierteres zu verlangen was keinen Mehrwert hat ist schlicht nicht sinnvoll in meinen Augen. Gerade fürs Berufsleben später isses doch gut wenn man lernt, seine Zeit so gut wie möglich zu nutzen. Wenn ich länger brauche als andere, ist das nicht optimal.

Wenn ich mich an meine Schulzeit in Mathe und Physik Leistungskurs denke, haben wir teilweise auch erstmal Wege gelernt, und später dann gelernt wie es einfacher und schneller geht. Dabei ging es schon um a) das Grundverständnis und b) um zu sehen wie man Dinge dann vereinfachen/verbessern kann. ich fand das ist eine gute Idee. Erstmal gelernt wie mache ich das, warum, und dann zu lernen wie verbessere/optimiere ich.

0
Geschrieben am
(Geändert am 15. Dezember 2020 um 11:21 Uhr)
Sir of Toastland (Profil)
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Werter vollkommen dämlicher Kollege,

Wie Du völlig zurecht feststelltest, ist der Weg mathematisch richtig. In meinem Verständnis als Lehrer der Mathematik gebietet es sich, dieser eindeutigen Entscheidung der Logik zu folgen.

Darüber hinaus will ich hier auch mein Auffassung des Lehrens betonen; Jeder, der die Aufgabe korrekt lösen konnte, ist qualifiziert. Wer dies darüber hinaus, ganz treu einem Minimierungsproblem, mit geringstem Aufwand schafft, hat sich diese Punkte gar redlicher verdient. Entsprechende Einschränkungen des Lösungsweges wären in der Aufgabenstellung genannt. Ich sehe keinerlei Anlass, den SuS Fleiß seinetwillen einzutrichtern und sie überdies ganz konkret anzulügen.

Natürlich ist es wünschenswert, das Abitur einem hohen Anspruch zu unterstellen. Ich möchte allerdings widersprechen, dass ein Scheitelpunkt die angemessene Stellschraube darstellt. Gerne biete ich meine Unterstützung eine angemessene, entsprechende Anpassung des landesweiten Curriculums einzufordern. Bis dahin gestalte ich meinen Unterricht auch weiter nach den Gesichtspunkten der Logik, Fairness und Förderung jeden Potentials.

Mit größtem Dank für Dein Verständnis,
mischka

So in etwa?

3
Geschrieben am
(Geändert am 15. Dezember 2020 um 11:40 Uhr)
Sir of Toastland (Profil)
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Zwei Fragen noch: Darf ich annehmen, dass der Kollege eine Vorzeichenwechseltabelle sehen wollte, deine Schüler aber schon die zweite/dritte Ableitungsregel dazu kennen? Was anderes kann ich mir kaum vorstellen in Bezug auf Scheitelpunkte

Und lehrst du deine Schüler mehr als das Curriculum vorsieht? Mathe soll an dem Punkt (Kurvendiskussion?) ja weniger auf den Alltag, sondern das Studium vorbereiten. Und ich war sehr froh, dass mein Mathelehrer mehr gemacht hat, als vorgeschrieben ist (das war vor ca. 5 Jahren in NRW). Allein schon partielle Integration zu kennen war eine echte Hilfe.
Oberstufenmathe soll gerne ein Gefühl für ein mathematisches Studium geben, und das ist der einzige Punkt für den es dann "filtern" sollte. Der Lehrplan alleine ist aber nach meiner Erfahrung (in NRW) zu seicht dafür

0
Geschrieben am
(Geändert am 15. Dezember 2020 um 11:50 Uhr)
mischka (Profil)
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@Sir of Toastland: Nein, darfst du nicht annehmen. Es ist viel simpler.
Es geht um SuS der Klasse 10, d.h. die wissen nicht, wie man ableitet.
Der Standartweg den Scheitelpunkt zu berechnen ist in Klasse 10 quadratische Ergänzung.
Mache aus
f(x)=ax^2+bx+c
mit den binomischen Formeln
f(x)=a(x-S_x)^2+S_Y
wobei der Scheitelpunkt mit S(S_x | S_y) gegeben ist.

Zusätzlich müssen oft auch Nullstellen berechnet werden. Und nun kommt der Clou:

Wenn ich bereits den Scheitelpunkt berechnet habe, kann man von dort sehr leicht weiter machen, und die Nullstellen berechnen (3. binomische Formel, ein Schritt und fertig).

Andersrum geht es aber auch. Wenn ich schon die Nullstellen habe, kann ich leicht den Scheitelpunkt berechnen, weil dessen x-Koordinate genau zwischen den Nullstellen liegt (weil die Parabel ja symmetrisch zum Scheitelpunkt ist).

Wenn sie also mit der pq-Formel die Nullstellen berechnen wollen, ist -p/2 gleichzeitig auch immer die x-Koordinate des Scheitelpunktes.

Natürlich sollten sie quadratisch ergänzen können, aber wenn jemand mathematisch argumentieren kann, dass er es nicht braucht, weil der Scheitelpunkt in der Mitte zwischen den NS liegt, zeigt das, dass er darüber nachgedacht hat, und das ist mehr wert.

3
Geschrieben am
ZRUF (Profil)
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Die Antwort von Sir of Toastland klingt doch schonmal sehr gut!

Wollte mich gerade auch an einer Antwort versuchen, aber ich denke, das ist schon nicht ganz verkehrt.

Vielleicht kannst du noch eine kleine Spitze einbauen, dass wenn der von dir akzeptierte Lösungsweg doch falsch wäre, er dir den mathematischen Beweis erbringen möge. Sollte dies nicht möglich sein, würdest du weiterhin davon ausgehen, dass besagter Weg richtig ist und dementsprechend weiterhin als korrekt gewertet wird.

1
Geschrieben am
O.W. (Profil)
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@mischka

Dem Kollegen würde ich mit einem Disziplinarverfahren drohen. Der hat sie doch nicht alle. Sorry, wenn ich hier gegen einen Kollegen so ausfällig werde, aber das bringt micht auf die Palme.

Ich unterrichte die quadratische Ergänzung, ja, aber nur, um mal zu zeigen wie viele unterschiedliche Wege es gibt und danach die p-q-Formel als Vereinfachung zu demonstrieren. Der würde den Brief genau so auch an mich schreiben.
Und jetzt kommt das witzige: Ich habe bei mir an der Schule einen Bildungsgang immer zur Hälfte in Mathe, während ein anderer Kollege die andere Hälfte hat (staatlich geprüfte Techniker). Grundsätzlich ist es so, dass in der Fachabiprüfung (noch dezentral an Berfuskollegs in NRW) meine SuS sich über seine Aufgaben kaputtlachen würden, während seine an meinen grundsätzlich scheitern würden. Jetzt hat die Schulleitung uns gebeten, einen gemeinsamen Vorschlag für den Haupttermin und einen gemeinsamen Vorschlag für den Nachschreibetermin einzureichen. Ich kann nur hoffen, dass von seinen SuS alle zum normalen Termin kommen können, einerseits für die SuS, andererseits für den Kollegen, denn sonst wird es peinlich.

Soll Mathematik eine filternde Wirkung haben? Nein. Mathematik ist ein Werkzeug, dessen Gebrauch beherrscht werden soll. Ich lege insofern wenig Wert auf Rechentechnik und viel mehr Wert auf Modellierung. Am Ende kann ein prüfungslegaler Taschenrechner in NRW Scheitelpunkte ohnehin automatisch bestimmen. Da ist Rumgeeier mit quadratischer Ergänzung unnötig. p-q-Formel natürlich nicht, denn Tangenten anlegen über Diskriminante 0 ist so etwas, das dann mal nützlich werden kann.

Hat Mathematik bei mir einen Auslesecharakter? Naja, teilweise. Wer nichts tut, der fällt halt auchleicht durch. Andererseits hatte ich letzens bei einer Fachabiprüfung, die von den Dezernenten in der Bezirksregierung als von der Schwierigkeit her gerade noch zulässig beurteilt wurde (im Sinne von fast zu schwer) eine Quote mit 60% "sehr gut", keine Leistung "mangelhaft" oder "ungenügend" und insgesamt einen Schnitt von 82% der Punkte. Dabei machten Aufgaben aus dem ersten Anforderungsbereich rund 36% der zu vergebenden Punkte aus, die aus dem zweiten rund 44% und die aus dem dritten rund 21%. Und ja, der Rest ist Rundungsfehler. Meine Klausur hatte keine 101% Punkte. Ich mache jede Wette, dass Deine Schüler sowas bewältigen können, wenn Du sie entsprechend lange hast und die deines Kollegen entsprechend nicht.

Ansosnten bist Du doch auch in NRW, oder? Dann weiß doch freundlich auf §48 Schulgesetz in Verbindung mit §6 APO SI bzw. §13 APO GOSt hin. Insbesondere §13(2) APO GOSt ist da doch sehr explizit, dass sein Verhalten übergriffig ist, sowohl gegenüber Dir als auch gegenüber den SuS. Damit wäre für seine SuS Widerspruchsgrund gegeben, alleine aufgrund des Schreibens an Dich. Und Du bist doch auch Vertrauenslehrer, oder habe ich das falsch in Erinnerung?

Ich weiß, nicht besonders zusammenhängend, aber vielleicht ist was nützliches dabei.

2
Geschrieben am
the_verTigO (Profil)
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Würde mir mein Kind (was ich nicht habe) als Elternteil (was ich nicht bin - Überraschung) von sowas berichten, würde ich mit dem entsprechenden Lehrer wohl mal ein ernstes Gespräch unter vier Augen führen wollen...

So ein Verhalten geht ja mal überhaupt nicht.

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Geschrieben am
Kirika (Profil)
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Der Weg, den deine SuS da einschlagen, ist absolut zulässig. Ich würde lediglich erwarten, dass das Symmetrieargument bezüglich einer senkrechten Achse durch den Scheitelpunkt kommt, dann ist das arithmetische Mittel der Nullstellen zu 100% korrekt.

Der Weg nützt lediglich dann nichts, wenn die Parabel keine Nullstellen hat, aber das weißt du ja, und deine SuS sicherlich auch.

@O.W.: Sie müssen es aber auch händisch können, weil im Abitur ein hilfsmittelfreier Teil ist, in dem unter anderem solche Aufgaben gestellt werden können.

Lass dich nicht unterkriegen!

Ein Fachkollege aus NRW

0
Geschrieben am
(Geändert am 15. Dezember 2020 um 16:28 Uhr)
mischka (Profil)
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Der Weg nützt lediglich dann nichts, wenn die Parabel keine Nullstellen hat, aber das weißt du ja, und deine SuS sicherlich auch.
Doch, der Weg führt auch dann zum Ziel.

Sei f(x) eine Parabel ohne Nullstellen, so kann man den y-Achsenabschnitt einfach weg lassen, ohne, dass sich die x-Koordinate des Scheitelpunktes ändert (ist ja nur eine Verschiebung nach oben oder unten, nicht nach rechts oder links). q ist also gleich 0 (bei der pq-Formel). Die x-Koordinate des Scheitelpunktes ich nach wie vor -p/2. Wenn ich also die Nullstellen mit der pq-Formel berechne, komme ich irgenwann nicht umhin, -p/2 zu berechnen. An dieser Stelle kenne ich automatisch die x-Koordinate des Scheitelpunktes, und zwar unabhängig davon, ob die Parabel einen, zwei oder gar keine Nullstellen hat.

@the_verTigO: Die Eltern kriegen das gar nicht mit, das war ja eine Mail unter Lehrern...

0
Geschrieben am
(Geändert am 15. Dezember 2020 um 17:12 Uhr)
VargK (Profil)
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@mischka:

Sehr geehrter Kollege!

Da es sich hierbei keineswegs um echte Mathematik, sondern eher um das Verstehen und Erlernen grundsätzlicher Rechenmuster handelt, halte ich eine künstliche Verkomplizierung des Themas nicht nur für unangemessen, sondern gleichzeitig auch abwertend echter Mathematik gegenüber. Wie Sie sicher wissen, hat dieser Stoff mit dem, was Sie und ich im Studium erlernt haben so wenig zu tun, dass es eher als Grundlage denn als höhere Mathematik zu werten ist. Unsere Aufgabe als Lehrkräfte muss es sein, den SuS diese Grundlagen beizubringen, um unseren Bildungsauftrag zu erfüllen.
Bedenkt man zusätzlich, dass es sich hier um die Mittelstufe handelt, so ist es absolut nicht nötig den Stoff künstlich zu erschweren, um eine Filterfunktion zu erreichen, die eher in der Qualifikationsphase der Oberstufe stattfinden sollte.

MFG...

0
Geschrieben am
Hucki (Profil)
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Erinnert mich irgendwie an die Nils-Bohr-Saga:
https://de.wikipedia.org/wiki/Barometer-Frage

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Geschrieben am
Leo Hammer (Profil)
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Erinnert mich an meinen Mathelehrer an der VHS, der hatte einen Dr. in Mathe und war quasi in Mathe verliebt und ließ nur den kompliziertesten und schwersten Lösungsweg gelten. Der hat von einer Horde von Schülern, die ihren HS Abschluss Klasse 10 machen wollten, erwartet, dass sie Aufgaben erledigen, die eher für Leute gedacht waren, die Mathe studieren wollten

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Geschrieben am
O.W. (Profil)
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@ Kirika:

Ich sehe, wie man meinen Teil so verstehen kann, als würe ich sagen, dass sie es nicht händisch können müssen. Das wäre für Fachabitur am Berufskolleg zwar sogar wahr, weil es dort keinen Hilfsmittelfreien Teil gibt, aber das wäre mir zuwider. Deswegen erwähnte ich ja die Aufgaben mit dem Berechnen einer Tangente, zum Beispiel bei einer Geradenschar und einer Parabel, ohne Differentialrechnung.

@ Leo Hammer
Ich liebe Mathe auch und forder viel von meinen Schülern. Der Punkt ist nur, dass ich ihnen ermöglichen muss, das auch zu leisten. Beim Thema quadratische Gleichungen erwarte ich, dass die SuS die lösen können. Ob das elegant ist oder ob die das mit der p-q-Formel totschlagen ist mir dabei völlig egal. Ich ermutige sie meistens sogar dazu, sich erstmal den einen Weg zu merken, der halbwegs einfach ist und immer geht.
Ich werde nie vergessen, wie ich als Vertretungsleherer von November bis Juli in einer 8. Klasse war und meine Klasse in der Lernstandserhebung mit 55:45 die Parallelklasse (kleine Schule, deshalb nur eine) deklassierte. Im Schnitt hatte meine Klasse dabei genau die gleichen Zeugnisnoten (in der zweiten Nachkommastelle waren meine ein wenig schlechter). Ich war damals noch vor dem 2. Staatsexamen und habe das den Schülern so gesagt, geistig schon bereit, die Noten irgendwie anzuheben. Da sagte mir ein Schüler, der davor stand eine fünf aufs Zeugnis zu bekommen, dass ich mir keine Vorwürfe für seine Faulheit machen sollte. Die Klasse war mit den Noten unisono zufrieden, weil ich von Anfang an jede Unterstützung gegeben hatte, die nötig war und die Notenvergabe respektvoll und transparent war.
Wenn mir jemals ein SuS klarmachen kann, dass ich nicht respektvoll und zugewandt mit meinen SuS umgehe, dann wird es Zeit für den Ruhestand.
Übrigens kenne ich ein Beispiel aus meiner Studentenzeit, wo ein Schüler von mir Nachhilfe bekam (im Rahmen eines Instituts, bei dem ich beschäftigt war), weil er eine vier im Abi schaffen wollte. Er kam kurz vor der Oberstufe zum Institut, weil er sich als rettungslos ansah. Als ich mit ihm fertig war hatte er im Mathe Abi eine eins gemacht und sich für Mathe an der Uni eingeschrieben. Als ich ihn späer nochmal traf, war er gerade auf dem Weg ins Referendariat, mit Mathe als Fach. Und ich bin 100% sicher, dass das nicht meine tolle Leistung war, die ihm das ermöglicht hat, sondern Vollidioten wie der im Ausgangsbeispiel ihm das beinahe verstellt hätten und er nur eines anständigen Menschens als Lernhilfe bedurfte, damit es ging.

3
Geschrieben am
Gast (Profil)
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Mathematik ist dafür da, das Leben leichter und nicht komplizierter zu machen... sonst würden wir wohl noch immer mit den Römischen Zahlen rechnen und bräuchten dafür einen Abakus.

Alles was man lernt, zielt doch darauf ab, komplexe Sachverhalte in den Griff zu bekommen. Das fängt schon in der Grundschule an, hat man das Stellenwertsystem verstanden, kann das Einspluseins und das Einmaleins, dann kann man mit den schriftlichen Rechenverfahren beliebig große Zahlen fehlerfrei miteinander verrechnen. Das ist Mathematik, mit einfachen Mitteln und einem effektiven Algorithmus alle möglichen Fälle erschlagen. Um 412 mal 567 rechnen zu können, muss ich kein Genie sein, nicht mal begabt, es reicht die Vorschriften nacheinander auszuführen und ich komme zum richtigen Ergebnis, solange ich das Einmaleins kann und addieren.

Und so ist es auch mit der p-q Formel, das ist ein furchtbar mächtiger Algorithmus, einmal verstanden kann ich damit jede Quadratische Gleichung auflösen, egal wie ungünstig die Zahlen sind. Die Quadratische Ergänzung hat in meinen Augen den Nachteil, dass sie bei "unschönen" Zahlen selbst ziemlich unschön wird.
Gleichzeitig muss man als Lehrer immer aufpassen, dass das Erlernen des Algorithmus nicht zur Dressur des Unverstandenen wird. Insofern ist das Vorschalten der quadratischen Ergänzung schon legitim. Außerdem ist es auch nicht verkehrt, mehrere Lösungswege aufzuzeigen.

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Geschrieben am
Kirika (Profil)
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@mischka: Stimmt, so geht es. Das würde ich dann aber nicht mehr als denselben Weg bezeichnen, weil du dann ja eine Graphentrafo vornimmst. Wer das als SuS zumindest als Begründung nennen kann, ist meiner Meinung nach auch besser als jemand, der immer nur stumpf p/q benutzt. Schöner Weg!

@O.W.: Keine Sorge, das war nicht als Kritik gedacht. Dass einige einfach mal jemanden brauchen, der vernünftig mit ihnen umgeht, kann ich bestätigen. Solang man fair und transparent arbeitet und bewertet, sind die SuS auch immer damit einverstanden. Nur hapert es daran bei manchem Kollegen.

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Geschrieben am
ZRUF (Profil)
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Das was O.W. sagt kann ich bestätigen.
Nur leider eher umgekehrt. Ich hatte immer Spaß an Mathe, bis ich mal Lehrer hatte, bei denen nur ihr Weg der gültige war. Danach sind meine Noten in Mathe auf 3 bis 4 abgerutscht, weil ich nix mehr gemacht habe und keine Lust mehr drauf hatte.
Im Studium war das dann auch lustig (tatsächlich in beiden Studiengängen, die ich besucht habe).
1. Studium: Lineare Algebra: Prof super, sehr komplexe Aufgaben, alles lösbar.
Analysis: Prof eher unterdurchschnittlich. Hat das Thema in ein 320 A4-Seiten Skript gepackt, welches man nicht lesen konnte (immer eingeschlafen). Hab mir dann Lehrbücher Mathematik für Ingenieure gekauft und daraus gelernt. War wesentlich einfacher. Mehr Stoff, schneller und einfacher gelernt.

2. Studium: Auch wieder 2 Themenbereiche Mathe. Einmal Statistik und einmal Analysis wieder. Statistik Prof ok. Also alles machbar.
Analysis Prof eher nicht (erstes Jahr als Dozent), konnte nichts vermitteln, also wieder Stoff selbst erarbeitet - dieses Mal aber immerhin brauchbares Skript, weil von der Uni kommend.
Gemeinsame Prüfung, jeder Prüfungsteil eine Stunde. Statistik ca. 45-50 Minuten benötigt. Analysis den Rest der Zeit und noch nicht fertig gewesen.
Von allen Studenten (ca. 40 Prüflinge) hat diese Prüfung nur einer in der Zeit geschafft. Am Ende wurde sie neu bewertet, weil außer dem einen sonst fast alle durchgefallen wären. Ich hätte, wenn ich es richtig berechnet habe, es dann mit 4.0 noch geschafft, hatte aber auch die zweitbeste Arbeit. (Notenschlüssel war online, also wie oft es welche Note gab. Daher weiß ich das mit der zweitbesten Klausur.)

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Geschrieben am
O.W. (Profil)
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@ Kirika:
Ich sehe in berechtigter Kritik nichts negatives. im Gegenteil. Ich sage immer, alle Menschen machen Fehler. Diese selbst zu bemerken ist sehr schwer, weshalb man jedem dankbar sein muss, der auf die eigenen Fehler hinweist. Und wenn ich meinen SuS nicht beibringen würde, Dinge auch händisch zu lösen, dann wäre Kritik mehr als gerechtfertigt.

So gehe ich auch mit SuS um. Wenn die mir zeigen können, dass ich irgendwo etwas falsch gemacht habe (z.B. etwas übersehen und deshalb einen Punkt in einer Klassenarbeit nicht gegeben) dann rede ich nicht lange rum und versuche zu erklären, sondern sage dankeschön, berichtige was ich falsch gemacht habe und gut ist.

Und was die Zuwendung zu den Sus und die individuelle Betreuung angeht, das muss ich sagen, dass doch eigentlich das unser Beruf ist, nicht die Bereitstellung von Wissen. Letzeres können Bücher und erst Recht das Internet besser. Das Eingehen auf die Bedürfnisse der SuS ist doch am Ende, warum unser Beruf nicht aussterben sollte.
Klar weiß ich, dass das mehr Arbeit ist. Ich habe jetzt zum 5. Mal in Folge die Abschlussklasse unserer staatlich geprüften Techniker in Mathematik und stelle zum 5. Mal in Folge die Fachabiklausur (Abgabe 7. Januar zur Schulleitung, man was freue ich mich auf die Ferien). In keinem Jahr habe ich genau das gleiche gemacht, denn die KLassen waren immer etwas anders. Und wenn ich das noch 20 Mal mache, es wird immer wieder neu sein. Klar, einige Dinge übernimmt man, aber das ist bei mir so 60%-80%. Und während ich auf den Arbeitsaufwand bei dezentralen Prüfungen schimpfe freut es mich am Ende doch, weil man da dann auch wirlich überprüft, was man unterrichtet hat und nicht auf die Prüfung hin unterrichtet.

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Geschrieben am
the_verTigO (Profil)
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@mischka
Ja, ich meinte hypothetisch in einer Situation, in der mein hypothetisches Kind vom Lehrer gesagt bekommen hätte "Deine Lösung ist falsch." und mir dann davon berichtet hätte.

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Geschrieben am
Tokk (Profil) (Website)
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Sowas ist mir während meiner Schulzeit tatsächlich auch zweimal passiert. In der Grundschule hatte ich von meinem Vater einen kleinen Trick zur Division beigebracht bekommen, den er während des Ingenieursstudiums erlernt hatte, was meine Lehrerin zur Weißglut trieb, weil es nicht der von ihr unterrichtete Weg war.
Nach dem Versuch, meinen Vater darauf hinzuweisen, mir bitte nur den 'ordnungsgemäßen' Weg zu vermitteln durfte ich dann aber Rechnen wie ich wollte :D

Das nächste mal war tatsächlich in höherer Klasse beim Umrechnen zwischen verschiedenen Zahlenbasen als der Lehrer auch da meinen Weg nicht akzeptieren wollte, da habe ich ihm aber schon selber sagen können, dass es in der Mathematik nicht um sein Ego geht sondern um das korrekte Ergebnis. Hat erstaunlicherweise geholfen.

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Geschrieben am
Gast (Profil)
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Ich finde übrigens die Dichte an Mathematiklehrkräften hier ganz erstaunlich... abgesehen von den Menschen die im weiteren Sinne was mit MINT zu tun haben...

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Geschrieben am
Sajoma (Profil)
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@Gast: Magst recht haben, aber vielleicht kommen sie anlässlich solcher Themen nur alle von ihren Schreibtischen gekrochen...
Eine Volkszählung sollte es geben! Hat ja eigentlich auch weihnachtliche Tradition.

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Geschrieben am

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