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© 2014 Christian Schmidt

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Frohgemut setzte ich mich kürzlich vor das moderne Fenster zur Welt, den Fernsehapparat, um mein umfassendes Wissen vom Universum und allem darin durch eine gemütliche Sendung „Wer wird Millionär?“ zu bestätigen, auch wenn die Macher dieser Sendung es bisher sträflich vernachlässigt haben, meine Bewerbungen als Kandidat mit der gebührenden Demut zu akzeptieren. Was ich allerdings sah, brachte mein Blut zum Kochen und mich an den Rand eines Schlaganfalls. Auf dem Stuhl des Kandidaten saß ein junger Mann, der schon bei den ersten beiden Fragen an die Grenzen seiner intellektuellen Kapazität gelangte und auch im restlichen Verlauf der Sendung meistens so wirkte, als hätte er seinen Grundschulabschluss nur durch ein grobes Versehen erlangt, und das auch erst im dritten Anlauf.

Obwohl ich inzwischen keine übergroßen Erwartungen mehr an die Qualität des Fernsehens als solches stelle, war ich erschüttert, hatte ich doch angenommen, dass wenigstens bei dieser Sendung vorher mit einem Wissenstest diejenigen ausgesiebt werden, deren eventuelle Geldgewinne eigentlich den Zuschauern als Schmerzensgeld zustehen würden. Aber nein, offenbar werden auch hier keine schärferen Maßstäbe angesetzt als bei anderen Sendungen, die man eindeutig dem Prekariatsfernsehen zuordnet. Bei „Britt – Der Talk um Eins“ etwa erwartet man ja nichts anderes als Leute, die jeden Morgen länger überlegen müssen, ob sie ihre Schuhe anziehen oder essen sollen.

Traurig ist das in diesem Fall nicht: Immerhin kann man sich bei dieser Sendung in dem Gefühl sonnen, selbst im Koma noch näher am Nobelpreis dran zu sein als die meisten der Gäste, die arge Schwierigkeiten darin haben, diverse Zeugungsaktivitäten mit dem daraus resultierenden Nachwuchs zweifelsfrei in Einklang zu bringen, und überfordert sind von der Idee, dass es ziemlich bescheuert rüberkommt, wenn man seinem Partner Untreue vorwirft, aber selbst jede zweite Nacht mit anderen Primaten aus seinem Bekanntenkreis der Sittenlosigkeit frönt. Ebenfalls häufiger vertreten ist die Frau, die groß herumheult, weil ihr Kerl ihr mal eine gelangt hat, bis schließlich herauskommt, dass sie ihrerseits ihrem Herzblatt gerne mal eins überdonnert. „Aber nur, wenn er es verdient hat und frech geworden ist!“, schallte letztens einmal die Rechtfertigung aus dem Schlund der Xanthippe in die Ohren des gleichermaßen entsetzten wie amüsierten Publikums, welches der Tat selbst immer noch keine größere Sympathie entgegenbringen mochte. Das sind für mich Momente, in denen ich mir sage: Das genetische Material einer Banane gleicht dem eines Menschen zu 50 Prozent. Wie viel schöner wäre es, wenn wir statt jedem dieser Leute zwei Bananen hätten? (Merkt man, dass ich Ostdeutscher bin?)

Zumindest eine partielle Absolution gewähre ich allerdings denen, die in Reality-Dokus wie „Schwiegertochter gesucht“, „Frauentausch“ oder „Schwer verliebt“ mitmachen und dort bei allerlei Aktivitäten gefilmt werden, die an der Menschwerdung des Affen zweifeln lassen. Diese Menschen werden durch Knebelverträge oft dazu gezwungen, die von einem sadistischen Redakteur ausgetüftelte Dramaturgie umzusetzen. Allerdings muss man auch hier die Frage stellen, wie man so blöd sein kann, sich für derartige Sendungen herzugeben, insbesondere wenn bereits mehrere Staffeln im Fernsehen liefen und man reichlich Gelegenheit hatte zu sehen, wie lächerlich die Kandidaten dargestellt werden. Bei allem Geschimpfe über kreativen Schnitt, manipulative Fernsehmacher und schmutzige Inszenierungen zugunsten der Quote: Unschuldig sind die Gezeigten nun wirklich nicht, wenn sie im Fernsehen als die absoluten Vollpfosten präsentiert werden.

Ein bisschen unschlüssig hingegen bin ich, was diejenigen angeht, die sich zwar nicht bewusst freiwillig fürs Fernsehen gemeldet haben, aber für Interviews oder „Wissens-Checks“ von der Straße gezogen wurden und nur deswegen Gelegenheit haben, ihre geistigen Defizite zu offenbaren. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass man sich in eine dunkle Kammer verkriechen und schämen sollte, wenn man als Erwachsener immer noch nicht weiß, dass die Erde um die Sonne kreist. (Selbstmord, um die Schande wiedergutzumachen, akzeptiere ich auch als Lösung.) Wenn jemand auf einer Europakarte das eigene Land nicht findet, das „Spanien“-Schild arglos auf Finnland setzt und Berlin irgendwo im Süden Frankreichs verortet, sind viele Schläge mit dem Rohrstock auf das blanke Hinterteil als Strafe für das Unwissen als solches durchaus angemessen. Ich war schon immer der Meinung, dass wir als Gesellschaft zu tolerant mit Dummheit umgehen und es endlich an der Zeit wäre, drastisch gegenzusteuern, um in den Köpfen der Bevölkerung den Gedanken zu töten, man hätte realistische Chancen, es zu Reichtum, Ruhm und Erfolg bringen, wenn man dumm wie Schifferscheiße ist und sich nicht einmal dafür schämt. Staatlich sanktionierte körperliche Züchtigung im Kampf gegen Dummheit wäre endlich auch eine ideale Rechtfertigung, mit der man Leuten eins in die Fresse hauen dürfte, die ihren Einkaufswagen im Supermarkt unbedingt quer durch die Gänge schieben müssen. Aber man kann den Menschen in den besagten Testsituationen zumindest nicht vorwerfen, dass sie es gezielt und boshaft darauf angelegt hätten, Fernsehzuschauer mit ihrer Dämlichkeit zu entsetzen. Und so zeigt sich dann doch wieder meine überirdische Milde, wenn ich sage: Gründlich auspeitschen reicht – aber nur, wenn das auch im Fernsehen gezeigt wird.