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Wie schreibe ich divers? Wie schreibe ich gendergerecht?

Die Verfasser des Buches sind sich nicht zu fein, ihre sprachlichen Entgleisungen auch in die Familie hineinzutragen. Natürlich gibt es dann auch wieder eine Tabelle.

konventionell genderfrei genderinklusive und ex-gendernde Varianten
eine/die Mutter
ein/der Vater
einens/dens Eltens/Co-Eltens
ein/das Elter
Co-Elter
eine Erziehungsperson
ein Elternteil/Co-Elternteil
ein*/die* Mapa, ein*/di_e Pama
ein*/die* Mutter*
ens Meema, Miema
ein*/die* Pama, ein* Mapa
ein* Vater*
ens Peema
ex Eltex
Schwester/Bruder dens Geschwistens
das Geschwister
Geschwistex
Tochter/Sohn Kind, eigenes Kind, mein Kind, mein/der Nachwuchs …
Nachkommen
Großmutter/Großvater (mein/das/dens) Großalt dier* Ompa
Opma
dex Opmex
Tante/Onkel Elterngeschwister Onte
Tatonkel
Tonkel
Kel
Tel
Ontan
Nichte/Neffe Kind meinens Geschwister
Geschwisterskind
Neff_ichte, Nicht_effe
Kusine/Kusin Elterngeschwisterkind
meinens Kusi
mein*e Kusin*e
meinex Kusinex
Ehefrau/Ehemann Nahbeziehung, Nahbeziehungsperson, Lebensbeziehung Lebensperson
Lebenspartnens
Eheperson
Ehepartnens
Institutionalisierte Paarperson
Lebenspartn*erin
Partner_in
Lebenspartnex
Stiefmutter/vater Eltens/Elter
Co-Eltens/Elter
Miteltens/Mitelter
weiteres Eltens
anderes Elter
Wahlelter
Bonuselter
Pate/Patin Patens Pat*in
Patentante/Patenonkel Patperson
Wahleltens/Wahlelter
Wahlbezugseltens
Patonte
Patantel
Patentochter/sohn Patkind
Patenskind
Wahlkind
Pat*innenkind

Wer seinen Gatten oder seine Gattin „institutionalisierte Paarperson“ nennt, sollte nicht allzu überrascht sein, wenn der Mensch kein Lebenspartnex, sondern ein Ex-Lebenspartner wird. Und klar: Alles klingt wieder total behämmert. Man stelle sich vor, jemand mit turbulenter Kindheit, der wie ein Wanderpokal herumgereicht wurde, möchte irgendwas über seine Eltern, die Stiefeltern und die Patentante erzählen und fängt mit diesen verklausulierten Formulierungen an. Die Tragik seines Daseins wird er so nicht kommunizieren können.

Die Tabelle ist übrigens nicht abschließend gemeint, das Buch fordert den Leser dazu auf, sprachlich kreativ zu werden. (Weil es natürlich total nebensächlich ist, ob man verstanden wird.)

Statt „Tante“ oder „Onkel“ wäre je nach Kontakt zu der Person auch formulierbar:

erwachsene Nahperson, das Geschwister meinens Eltens, meinens Wahleltens, meinens Patens, meine Vertrauensgroßperson

Neue Theorie: Aliens sind auf der Erde gelandet und ihr Universalübersetzer hat eine Macke, und anstatt sich auf den außerirdischen Hosenboden zu setzen und selbst zu lernen, fordern sie die Erdlinge auf, sich an ihre vergeigte Ausdrucksweise anzupassen. :klarerfall:

Ein Großteil des restlichen Buches gibt dann Beispiele an, wie man Behörden- und Unternehmenskommunikation (wie Stellenanzeigen oder Briefe an Kunden) genderschänden kann, nebenbei vergreift man sich auch noch an Zitaten von Hannah Arendt und Rosa Luxemburg, aber man macht schließlich auch vor den guten alten Märchen nicht halt. Die ersten Sätze des Däumelinchens von Hans Christian Andersen muss hierfür dran glauben.

Im Original liest sich das so:

Es war einmal eine Frau, die so gerne ein kleines Kindchen haben wollte, aber sie wusste gar nicht, wo sie es herbekommen sollte. Da ging sie zu einer alten Hexe.

Das Buch macht dann zwei genderfreie Vorschläge, die das Mensch-Sein betonen sollen. Könnte ja sein, dass man vorher den Eindruck hatte, es ginge um Feldhamster.

Es war einmal ein Mensch. Dieser Mensch wollte so gerne ein Kind haben, wusste aber nicht, wo es herkommen sollte. Da ging dieser Mensch zu einer alten, weisen und mächtigen Person.
Es war einmal eine erwachsene alleinstehende Person. Diese Person wollte so gerne ein Kind haben, wusste aber gar nicht, wo sie es herbekommen sollte. Da ging sie zu einem alten, weisen Menschen, der sich damit auskannte.

Ich wüsste zu gerne, wie die Verfasser eine böse Hexe umschreiben würden. Ach was: Ich wäre schon gespannt, was sie aus der hässlichen Kröte mit ihrem Sohn machen, die in der Däumelinchen-Geschichte vorkommt.

Diese Information bleibt man uns aber schuldig, und wir lesen auch nichts von der kleinen Meerjungperson. Stattdessen wird ein anderer Kinderbuchtext gegriffen und umgeändert. (Es heißt jedenfalls, es wäre ein Kinderbuchtext, allerdings wird keine Quelle angegeben.)

Pia hat keine Mutter. Aber zwei Tanten hat sie. Tante Sabine, die aus Amerika zurückgekommen ist, und Tante Gerda, die Mutter von Ivon. Und Ivon, das ist Pias Kusine. Natürlich hat Pia eine Mutter. Aber was hat man schon von einer Mutter, wenn sie die ganze Zeit im Krankenhaus liegt und sie nie sehen darf. Stattdessen muss man bei den Tanten wohnen. Denn Papa ist Kapitän auf einem Schiff und kann Pia nicht mitnehmen.

Auch zu diesem Text präsentieren die Autoren zwei genderfreie Varianten, aber den Vogel schießt die dritte Variante ab, die genderinklusiv und genderfrei sein soll.

Pi fehlt ein zweites Elter. Aber dafür hat Pi zwei Tatonkel. Tatonkel Abin ist aus Amerika zurück gekommen. Und Tatonkel Erd. Erd ist ein Elter von Novi. Und Novi ist Pis Kusi. Irgendwie hat Pi schon zwei Elterpersonen. Aber was hat Pi von ens Mapa, dens die ganze Zeit im Krankenhaus liegt und Pi nie sehen darf. Stattdessen muss Pi bei Erd und Abin wohnen, denn Pis Pama fährt auf einem Schiff zur See und kann Pi nicht mitnehmen.

Wenn jemand Buchstabensuppe auskotzt, kommt etwas Lesbareres dabei heraus. Das ist nichts, was praktisch einsetzbar ist, und erst recht nichts, mit dem man Kinder unterhalten und nebenbei bilden kann. Wir haben ja nun schon genug Probleme mit Kindern, die nicht richtig sprechen und lesen können. Muss man jetzt noch dafür sorgen, dass auch Kinder aus Akademikerfamilien diese Probleme verstärken?

Der ganze Gendersprachratgeber ist absurd und für die allermeisten Leute ganz offensichtlicher Mumpitz. Normale Menschen haben auch gar keine Zeit, diesen Unsinn zu lernen und anzuwenden, und erst recht nicht, um das Ego einer Hand voll Leute zu befriedigen, denen ganz blümerant wird, wenn man sie als Mann oder Frau bezeichnet und nicht irgendwas dazwischen oder außerhalb. Das ist aber auch durchaus gewollt. Das Buch ist nicht dafür da, um die Bevölkerung zu bilden.

Eliten heutzutage haben es schwer, ihren höheren Status zu signalisieren. Reisen ins Ausland kann sich inzwischen auch der Pöbel leisten, Kredite sorgen dafür, dass auch Luxusartikel nicht unbedingt außer Reichweite der ungewaschenen Massen sind. Zudem ist die akademische Elite heutzutage auch nicht unbedingt ökonomisch erfolgreich, will sich aber dennoch über Otto Normalbürger erheben. Kunstgenuss war da bisher immer ein gutes Mittel, aber Opern sind nicht modern und Lobpreisungen der Radikalität von Beuys‘ Fettecke rufen heute auch nicht mehr als ein Schulterzucken beim Prekariat hervor. Also suchen sich intellektuelle Eliten was Neues, mit dem man signalisieren kann: Hier, ich bin voll engagiert und empathisch (außer mit denen, die so sind wie die meisten), total klug, weil ich mehrsilbige Wörter wie „genderinklusiv“ verstehe, und habe genug Freizeit, um mich mit diesem Ding zu beschäftigen, anders als Krethi und Plethi, die richtig arbeiten müssen und sich in ihrer Freizeit lieber entspannen und nicht mal erleuchtet genug sind, um überhaupt das Problem zu sehen!

Diese gegenderte Sprache, je komplizierter sie wird, fungiert als Erkennungssignal dieser „Elite“. Sie soll ankotzen und den normalen Menschen raushalten. Dummerweise haben das nicht alle verstanden und versuchen, sie den normalen Menschen schmackhaft zu machen bzw. sie ihnen reinzudrücken, damit diese gezwungen werden, sie zu benutzen. Das sorgt dann natürlich wieder dafür, dass man noch kompliziertere Sprachregeln aufstellen muss, um den Abstand zum vermaledeiten Pöbel aufrechtzuerhalten. Das Buch ist insofern eine Momentaufnahme. Vermutlich wird es in fünf bis zehn Jahren noch radikalere Vorschläge geben, um ein Problem zu lösen, welches keines ist und, selbst wenn es eins wäre, so auch gar nicht gelöst werden könnte. Das beste Mittel dagegen: einfach so reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Dann verstehen einen auch alle – und das ist am inklusivsten.

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