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Kategorie: Politisches

Mit einiger Belustigung beobachte ich die neue Episode in der Reihe "Selbstdemontage der Piraten". Nicht weil ich mich besonders darüber freuen würde, wenn die Piraten zugrunde gingen, vielmehr ist es wie ein Lehrstück über Leute, die zwischen Anspruch und Wirklichkeit zerrieben werden und im Zuge der Selbsterkenntnis einen Kleinkrieg ausfechten.

Es geht um Julia Schramm, Mitglied im Bundesvorstand der Piraten. Die hat ein (wohl nicht sonderlich gutes) Buch geschrieben und die Rechte an einen Verlag aus der Verlagsgruppe Random House verkauft, und zwar zu einem wirklich erstaunlich hohen Vorschusshonorar von 100000 Euro. Jetzt möge man sich daran erinnern, dass es im Parteiprogramm der Piraten heißt:

Daher fordern wir, das nichtkommerzielle Kopieren, Zugänglichmachen, Speichern und Nutzen von Werken nicht nur zu legalisieren, sondern explizit zu fördern, um die allgemeine Verfügbarkeit von Information, Wissen und Kultur zu verbessern, denn dies stellt eine essentielle Grundvoraussetzung für die soziale, technische und wirtschaftliche Weiterentwicklung unserer Gesellschaft dar.

Das wollten einige mal ausprobieren und haben ein PDF von Julia Schramms "Klick mich" zum freien Herunterladen ins Netz gestellt. Random House hat allerdings mit Verweis auf ihre Autorin die Entfernung des PDFs veranlasst. Innerhalb der Partei regt sich Widerstand, außerhalb der Partei dürfte gerade bei vielen Kreativen ein innerer Reichsparteitag stattfinden. Lustig ist auch zu sehen, dass manche Leute den inneren Widerspruch auf Teufel komm raus wegzureden versuchen, so etwa im SPIEGEL-Online-Forum, wo jemand tatsächlich argumentierte, dass die Entfernung vom Verlag veranlasst wurde und nicht von Julia Schramm, daher also keinerlei Widersprüche zu den persönlichen Ansichten der Politikerin zu erkennen seien. Bullshit. Die Frau hat mit ihrer Unterschrift unter den Verlagsvertrag ganz wissentlich bestimmte Rechte an den Verlag abgetreten. Sie wusste genau, was der Verlag tun würde, wenn er Kenntnis von unerlaubten Downloadmöglichkeiten erhält. Das hat sie ganz bewusst in Kauf genommen.

Julia Schramms Reaktion ist bemerkenswert unreflektiert, wenn man Süddeutsche.de glauben darf. "Ich finde es sehr erwartbar und eigentlich traurig, was jetzt passiert. Das ist eine Provokation, es geht nur darum mich vorzuführen, jetzt krakeelt eben wieder der Mob." Ach je, ich heule gleich.

"Es ist ja klar, dass der Verlag dagegen vorgeht, wenn mein Buch auf einer Homepage zum Download steht. Ich sehe darin auch keinen Widerspruch. Ich lehne nicht das Urheberrecht, sondern den Begriff des geistigen Eigentums ab, weil er ein Kampfbegriff ist", verteidigte sich die Piraten-Politikerin.

Hm, der erste Satz ist schön. "Es ist ja klar, wenn eine Plattenfirma dagegen vorgeht, wenn Lieder der Band XYZ auf einer Homepage zum Download stehen." Den Satz würde sie sicher auch unterschreiben. Oder auch: "Es ist ja klar, wenn ein Hollywoodstudio dagegen vorgeht, wenn von ihnen produzierte Filme auf einer Homepage zum Download stehen." Ist sicher genau auf der Linie von Julia Schramm, oder? Und wenn nicht, wieso ist das bei ihrem Buch etwas anderes?
Sie lehnt den Begriff des geistigen Eigentums ab, weil er ein Kampfbegriff wäre. Das ist keine Erklärung. Warum hat sie an ihrem Buch ein Urheberrecht, also unter anderem das Recht, über die Verbreitung zu bestimmen und dieses Recht anderen einzuräumen? Warum hat sie bei ihrem eigenen Buch dieses Recht, aber nicht bei anderen Büchern? Ganz einfach, weil es ihr Werk ist. Es ist nicht an eine materielle Form gebunden; es ist egal, ob es ein gedrucktes Buch ist, eine Datei oder eine CD, es geht rein um das, was sie mit ihrer geistigen Schöpfungskraft erschaffen hat. Es geht um die geistige Leistung, und es geht darum, dass es ihre geistige Leistung ist. Genau deswegen heißt es geistiges Eigentum. Das ist kein Kampfbegriff, es ist eine Begründung für die Existenz des Urheberrechts, für das sie ja selbst nach eigenen Aussagen ist.

Sie feiert sich und den Verlag jetzt dafür, dass es keine Abmahnung gegeben hat für das Anbieten des PDFs. Das ist aber nicht das, was im Parteiprogramm steht und wofür sie selbst als Politikerin eintritt. Ich bin auch nicht davon überzeugt, dass der Verzicht auf eine Abmahnung bewusst im Hinblick auf die Befindlichkeiten der Autorin geschehen ist. Es gibt in den allermeisten Fällen keine Abmahnung, wenn urheberrechtlich geschütztes Material von Youtube oder irgendwelchen Filesharingwebsites nach einer Mitteilung entsprechend des amerikanischen DMCA gelöscht wird, schon weil es sowieso meist zu kompliziert ist, den Uploader einwandfrei zu identifizieren. Aber nein, irgendwie muss die Frau ja schönreden, dass sie Wasser predigt und Wein säuft.

So lustig das alles auch ist: Es wäre schöner, wenn Julia Schramm zu dem stehen würde, was passiert ist, und für uns Kreative endlich ein Sprachrohr innerhalb der Piratenpartei werden würde, anstatt weiter mit auf diejenigen einzuprügeln, die in offenen Briefen ihre Existenzangst zum Ausdruck bringen, weil die entgangenen Erlöse dank kostenlosem Verteilen im Netz eben meistens nicht durch freiwillige Gaben aufgefangen werden können. (Das müsste den Piraten eh schon bekannt vorkommen, weil 40 Prozent der Mitglieder nicht mal bereit sind, für ihre eigene Partei Beiträge zu bezahlen, und auch ein bisschen Geld für den Bundesvorstand für die meisten Leute schon zu viel verlangt ist.)
Sie hat obszön viel Geld als Vorschuss bekommen, das ist für angehende Autoren traumhaft. Vielleicht kennt sie deswegen nicht das bange Gefühl, ob die Buchverkäufe ausreichen werden, um doch noch ne Honorarzahlung zu kriegen, weil Krankenkasse oder Vermieter schon wieder Geld haben wollen. Aber vielleicht hat sie doch inzwischen ein bisschen Einblick gewonnen, warum so viele Kreative das Grausen kriegen, wenn sie hören, dass sie das Recht verlieren sollen, über die Verbreitung ihrer Werke zu bestimmen, und das ohne Gegenleistung. Das würde ich mir wirklich wünschen.

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Vor dem Gesetz sind manche gleicher (oder auch: Kindermuschi? Nur bei Uschi!)

Veröffentlicht am 07. Mai 2009 um 20:20 Uhr in der Kategorie "Politisches"
Dieser Eintrag wurde bisher 65 Mal kommentiert.
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Wie kann man Klopfers Web unterstützen?

Text veröffentlicht im November 2017
Klopfer erzählt, wie man helfen kann, Klopfers Web zu erhalten und besser zu machen - sowohl ohne als auch mit Geldeinsatz. [mehr]

Praeriebaer
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Julia Schramm war aber auch die erste Frau unter allen Kandidaten der Piraten, die nicht händeringeng in die erste Reihe durchgereicht wurde. Ich meine mich erinnern zu können, dass sie für alle Ämter antrat um dann als Beisitzerin reingeschoben zu werden. Diese Frau ist wohl das unbeliebteste Parteimitglied, dass irgendein Amt hat. Und vermutlich weiß sie das auch. Aber das sagte bisher niemand, weil sie bloß ne Beisitzerin ist. Aber mittlerweile fängt sie an Aufmerksamkeit zu erregen. leider.

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Geschrieben am
SaschaPascal
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Ganz ehrlich, was regen sich da alle auf? Es steht im Parteiprogramm, dass das "nichtkommerzielle" Verbreiten von Werken gefördert werden sollte. Allerdings vergisst du, dass die Piraten nicht sagen: "Auch gegen den Willen der Autoren und Verlage". Sprich es sollte zwar Normalität sein, dass die Autoren bzw. Verlage ihre Werke auch für nichtkommerzielles Kopieren, z.b. nach dem Fair Use Prinzip der USA, erlaubt sein sollte, aber darunter kann man dann doch eher das private Verbreiten ansehen, nicht das Hochladen von pdfs gegen den Willen der Autorin.

Und zum Geistigen Eigentum: Ja, das ist ein Kampfbegriff! Denn das Urheberrecht bedarf dieses Begriffs nicht, um durchgesetzt zu werden, wenn ich einen Text erstelle, so ist es mein Recht zu entscheiden, wie und wo er verbreitet werden darf. Aber nicht weil es mein "Eigentum" ist, sondern weil ich die Verwertungsrechte an dieser Idee habe, weil meinem Gehirn entsprungen.

Wenn es dann mal dazu kommen sollte, dass es Gesetze gibt, wonach meine Texte nichtkommerziell verbreitet werden dürfen, dann sollen sie sich aber auch an die CC-by Lizenz, die alle meine Texte haben, halten und meinen Namen nennen. Sonst kriegen die nämlich auch von mir eine Ermahnung (keine Abmahnung), das nachzuholen.

Nebenbei, dass 90% der Schriftsteller Hartz IV haben, ist seit den 50ern so, dafür kann auch die Piratenpartei nix wink.gif

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Geschrieben am
Anon
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Und ich wähl sie trotzdem, ätsch! zunge.gif

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Geschrieben am
Codric
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Da ich zum Thema selber nichts zu sagen weiß: Wenn das, was Hermann Goller schreibt "Gollereien" sind und die Werke von Julia Schramm "Geschrammsel", wie sollen wir nun die Texte von unserem Klopfer nennen? "Geklopfe"?

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Geschrieben am
Klopfer (Profil) (Website)
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@Sascha: Sorry, aber die Argumentation ist doch Quatsch. "Auch gegen den Willen der Autoren und Verlage" steht implizit drin, weil die ganze Forderung sonst hinfällig wäre. Autoren und Verlage haben nämlich jetzt schon die Freiheit, auf Urheberrechtsverletzungen nicht zu reagieren oder ihre Erzeugnisse zum Kopieren freizugeben. "Fair Use" heißt übrigens, dass man Bearbeitungen, kommentierte Ausschnitte oder Parodien von urheberrechtlich geschütztem Kram verbreiten darf - und zwar ohne das Einverständnis der Urheber. Mit dem Verbreiten von unverändertem oder unkommentiertem Material hat Fair Use gar nichts zu tun.

"Aber nicht weil es mein "Eigentum" ist, sondern weil ich die Verwertungsrechte an dieser Idee habe, weil meinem Gehirn entsprungen." Du hast die Verwertungsrechte, weil es deinem Gehirn entsprungen ist. Das heißt, du sagst selbst, dass du Rechte daraus ableitest, dass es deine Idee etc. war. Das ist geistiges Eigentum. Ist doch Kindergarten, wenn man um diesen Begriff herumlaviert, aber im Endeffekt genau das meint. Das ist nichts anderes, als wenn man von "bewaffnetem Konflikt" spricht, aber "Krieg" meint.

Hartz IV gibt es übrigens erst seit zehn Jahren, und die Forderungen der Piratenpartei würden es einfach für Autoren (und andere) noch schwerer machen, mit ihrer Arbeit Geld zu verdienen. Wenn ich "Sexpanzer und Babytod" zum Kopieren freigegeben hätte, hätte ich deutlich weniger Geld damit verdient. Dann müsste ich evtl. auch von Hartz IV leben.

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Geschrieben am
Jade
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Allgemein muss ich sagen, dass ich zu diesem Fall keine Vorkenntnisse habe, da ich Österreicher bin, und deshalb natürlich viele deutsche Politiker nicht kenne, weil sie bei uns nicht populär sind.
Die Piraten-Partei an sich, wie sie bei uns existiert (man korrigiere mich, falls es da größere Unterschiede zur der Partei in Deutschland gibt) finde ich auch leger gesagt "nicht so prickelnd." Nicht weil ich das Konzept nicht gut finde, oder vergleichbares, sondern weil sie meiner Meinung zar gute Ideen haben, diese aber immer in die selben Sparten schlagen, und viele Themen die für mich eine Partei mitbringen sollte, gar nicht behandeln. Sprich keinen "fixen" Standpunkt bei vielen wirtschaftlichen, ökologisches und ähnlichen Fragen vertreten. Sie befriedigen nur gewisse, wenige Bedürfnisse, die vielleicht für einen Internetnutzer wichtig sind, aber wie sie bei anderen Fragen (als dummes Beispiel, Gesundheitsreformen, Schulsysteme, Arbeitslosendebatte usw.) reagieren und agieren würden, ist unklar. Daher ist für mich die Partei noch nicht richtig ernst zu nehmen. Sollten sie sich je dazu weiter entwickeln, auch solche Themen aufzugreifen, und einen für mich konformen Standpunkt zu vertreten, würde ich mich allerdings sehr freuen.
Was dieses genannte Thema von dieser Frau Schramm angeht, so wirkt dies wirklich doppelmoralisch. Ich persönlich habe (durch mein kleines Schülerbudget) auch viele Musik, welche mir Freunde kopiert haben, bin aber eigentlich (ich weiß, auch dies ist doppelmoralisch) gegen die komplette Freigabe von illegalen Kopien, und bin sicher mir sämtliche CDs, die ich nun quasi bereits 'besitze' später mir nachzukaufen. Zum einen weil es immer schön ist, ein Orginal zu haben (meine Sammelleidenschaft) zum anderen weil ich meine favorisierten Musiker auch wirklich unterstützen möchte.
Wogegen ich allerdings doch bin, auch wenn ich weiß, dass es das brennen und dublizieren von CDs extrem vereinfacht ist der Kopierschutz von Medien, oder auch der 'Kopierschutz' (ich habe den korrekten Namen sofern es einen gibt gerade nicht zur Hand) welcher es mir nicht ermöglicht 'legal' heruntergeladene Filme und Musikstücke von meinem PC auf andere Speicherformate zu übertragen, oder die einfach nach ein paar Jahren auslaufen und die Musik für den Pc unleserlich macht. Das hat meiner Meinung nach, aber auch schon nichts mehr mit der Urheberdebatte zu tun, von daher... ich komme gerade vom 100sten ins 1000ste ^^
Wir immer ein netter Beitrag, schade dass ich mit der Materie dazu nicht vertraut bin, aber ich werde mich mal hinein lesen.

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Geschrieben am
Alex
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Ich hab' mich vor einiger Zeit mal im Forum der Piraten angemeldet, eben weil ich auch das Gefühl hatte, dass sie zwar, was das Internet angeht, einige konkrete Standpunkte haben, aber die restlichen Bereiche irgendwie nicht sonderlich vertreten sind, und ich muss zugeben, was ich da teilweise gelesen habe, hat mich insgesamt eher abgeschreckt. Zum Beispiel scheint ein überwiegender Teil der da registrierten User der Meinung zu sein, man könne das Wahlalter locker auf 12 oder 14 heruntersetzen, oder die Schulpflicht in Deutschland komplett aufheben, weil die Schule ja unangemessenen Zwang für die armen gequälten Kinder und deren Eltern bedeuten würde. Jetzt weiß ich natürlich nicht, welche der User da auch Parteimitglieder sind/waren und welche nicht, aber es schien sich doch überwiegend bei fast allen da um einen Haufen Idealisten zu handeln, die keine wirkliche Ahnung davon haben, inwiefern ihre Ideen überhaupt umsetzbar wären. Das scheint, glaube ich, insbesondere auch bei der Copyright-Debatte ähnlich zu sein, und solche Vorfälle beweisen das in meinen Augen nur... :/

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Geschrieben am
DerBazi
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Ich muss ehrlich sagen, dass ich Urheberrecht an sich für eine gute Sache halte, auch die Begründung durch "geistiges Eigentum" geht in Ordnung, denn mir persönlich fällt kein besser Begriff ein um das zu beschreiben.
Ich hätte nur zwei Sachen, die ich ändern würde. Zum einen: Die erste Mahnung ist kostenfrei. Das würde die teilweise doch arg dubiosen Abmahnwellen einiger eher unseriöser Anwälte erstmal unterbinden, und wenn wirklich was ist kann man ja nochmal abmahnen und zur Kasse bitten für den Schaden.
Das andere wäre, dass das Urheberrecht nicht so ewig läuft. Soweit ich weiß bis zu 70 Jahre nach Tod des am längsten Lebenden Miturhebers. Das ist meiner Meinung nach einfach zu lang. 20-40 Jahre nach Veröffentlichung? Fänd ich okay bei zwanzig Jahren würden nun die ersten klassischen Computerspiele bald kostenfrei sein smile.gif
DerBazi

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Geschrieben am
Praeriebaer
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@Klopfer: Das ist jetzt aber sehr weit hergeholt. "Böses Hasi" hat sich gut verkauft, weil die Leute deine Arbeit zu schätzen wissen und nicht wegen den Informationen darin, diese finden sich ja bekanntermaßen zum ganz großem Teil hier auf der Webseite.

Mit den neuen E-Book Readern ist natürlich ein entscheidender Aspekt-der bis dato einmalige Komfort eines Buches, teilweise hinfällig geworden. Allerdings kann man nicht unbedigt von Gratismentalität reden, wenn jemand ca. 150€ ausgibt, nur um sich dort runtergeladene Bücher durchlesen zu können, die es aufm Flohmarkt für 1€/Kilo gibt.(ganz offiziell bei uns in der Stadtbibliothek)

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Geschrieben am
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@DerBazi: Bei Punkt 1 stimme ich dir zu. Das Abmahnwesen ist wirklich beschissen und gerade in Deutschland einfach nur pervertiert.
Bei Punkt 2 sehe ich das schon kritischer. 20-40 Jahre nach Veröffentlichung sind bei Computerspielen viel, aber ich muss sagen: Wenn ein Hollywoodstudio z.B. einen älteren Roman von King verfilmen will oder eine Musikgruppe Lieder von Abba covert, fände ich es schon gerecht, wenn die Urheber auch etwas vom Kuchen abkriegen, auch wenn sie das Buch bzw. das Lied o.ä. vor 40 Jahren geschrieben haben. Natürlich sollte man auch einen Weg finden, verwaiste Werke wie z.B. alte Computerspiele irgendwie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wenn sie nicht mehr legal irgendwo zu erwerben sind, aber eine pauschale Kürzung der Frist wäre dafür vermutlich nicht so zielführend. (Ich würde aber durchaus die Frist verkürzen, 70 Jahre nach dem Tod sind ja schon ziemlich lang.)

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Geschrieben am
Klopfer (Profil) (Website)
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@Praeriebaer: Die Gratismentalität haben ja auch nicht alle. Allerdings hat sich "Sexpanzer und Babytod" schneller verkauft als "Böses Hasi!", und "Mein Weg zur Weltherrschaft" verkauft sich langsamer als "Böses Hasi!" Ich denke, da spielt schon eine Rolle, dass man bei "Sexpanzer" etwas kriegt, was man auf anderen Wegen nicht so leicht kriegen kann. Bei mir wird das sowieso noch etwas abgefedert dadurch, dass ich meine Texte so stark mit meiner Person verbinde und sehr offen damit umgehe, was z.B. die Bücher finanziell für mich bedeuten. Wenn ich jetzt relativ anonymer Schreiberling wäre, würden viele vermutlich weniger drüber nachdenken. Das wäre nicht mal gewollte Bosheit, aber wenn so etwas nicht im Bewusstsein ist, dann tun Leute einfach das, was bequemer und günstiger ist. (Ich weiß nicht, wie viele Leute tatsächlich 150 Euro für Kindle-Bücher ausgeben; mein Vater hat auf seinem E-Reader bloß Gratis-E-Books. Aber auch da spielt natürlich eine Rolle, dass es sehr viel bequemer und schneller ist, Bücher auf einen E-Reader zu kriegen, als über Flohmärkte zu zuckeln und sich die Bücher billig zu besorgen.)
Und ich weiß z.B. auch, dass DVD-Verkaufszahlen drastisch sinken, sobald die Inhalte auf Tauschbörsen zu finden sind. Und ich stehe immer noch dazu: Ich glaube, viele der Piratenwähler wollen einfach nur Absolution dafür haben, dass sie sich Spiele, Filme und Musik über Tauschbörsen herunterladen, und an die Urheber denken sie nicht.
Es wäre ja mal ein tolles Experiment: Zwei Downloads desselben (bekannten) Inhalts von einer Person, die keine emotionale Bindung an ihr Publikum gesucht hat; aber ein Download sei kostenlos und der andere koste drei Euro, die dann an den Urheber gehen. Ich wette darauf, dass diejenigen, die drei Euro zahlen, extrem in der Minderheit sind.

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Geschrieben am
Praeriebaer
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Ich meinte den Reader selbst, der teilweise so teuer ist. Wer so etwas kauft, will sich damit Bücher durchlesen und er ist bereit dazu mehr Geld auszugeben, als wenn er sich einfach Bücher auf Flohmärkten oder bei Freunden oder in Bibliotheken leihen/kaufen würde. Kann mir vorstellen, dass be den ersten Bibliotheken auch befürchtet würde, dass sich dann ja niemand mehr n Buch kauft.

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Geschrieben am
Klopfer (Profil) (Website)
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Wegen dieser Angst müssen Bibliotheken ja eine Urheberrechtsabgabe leisten, damit es dort einen Ausgleich für die Urheber gibt.

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Geschrieben am
Praeriebaer
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Was die Piraten behaupten ist nicht, dass die Meisten weiterhin für diesen Inhalt dann freiwillig Geld bezahlen, sondern dass sich durch die bessere Verbreitung unter Anderem über Tauschbörsen für den Anbieter im Endeffekt höhere Einnahmen generieren. Bruno Gert Kramm führt als Beispiel gerne die Industrialband an, die zunächst keine sau kannte und dann ihre Songs auf youtube hatte mit Millionen von Klicks. Und dadurch international Erfolge feierten.

Grade bei Büchern kauft man in der Regel die Katze im Sack. Und es gibt Künstler von denen ich mir das Album nur noch dann kaufe, wenn ichs vorher GANZ gehört habe. weil die Plattenfirmen nur die bescheuertsten Songs als Single auskoppeln, die sich komplett von dem restlichem Inhalt des Albums absetzen.

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Geschrieben am
Klopfer (Profil) (Website)
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@Praeriebaer: Da stellt sich natürlich die Frage, ob so etwas tatsächlich in großem Ausmaß passiert oder ob es nicht nur sporadische Einzelfälle sind. Auch die Definition von "Erfolg" ist natürlich etwas schwammig: Wenn eine Band zunächst etwas gratis ins Netz stellt und dann aber einen Vertrag bei einer renommierten Plattenfirma kriegt, nimmt das natürlich im Zusammenhang ein wenig von der Wunschvorstellung heraus, weil die Plattenfirma ja bloß aufgrund des derzeit geltenden Urheberrechts noch überleben und Einnahmen an die Band weiterleiten kann.
Viele Bands (wie die Ärzte) sagen ja auch: "Wir verdienen mit CDs und digitalen Verkäufen immer weniger, wir müssen also die Preise für Konzerttickets erhöhen."

Zudem bezweifle ich, dass das so wahnsinnig gut auf andere Kunstformen übertragbar ist. Ein Autor, Zeichner oder Filmemacher kann weniger gut mit Live-Auftritten Geld verdienen. Ich glaube, es ist weitaus schwieriger, als Autor 100 Leute zu seiner Lesung zu kriegen, als als Musiker 100 Leute zum Konzert.

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Geschrieben am
Romy
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Hallo,
bitte entschuldigt, aber ich finde es schlimm, wie mit einer Doppelmoral hier agiert wird.
Ich bin ein großer Fan dieses Blogs, kann aber dieses verbale einprügeln auf die Piratenpartei absolut nicht verstehen. Andere weitaus erfahrenere und etablierte Parteien betreiben ebenso großen Mist(Meldegesetz, Armutsrente, Elterngeld etc.), aber davon wird kein Wort verloren, sobald aber die Piraten etwas falsch machen, wird gleich von der kurz bevorstehenden Auflösung derselbiger gesprochen.
Zum einen finde ich es nicht verkehrt, dass die Frau für das Buch Geld verdient, fast alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich und konzentrieren sämtliche Energie für die Partei.
Wie siehts denn mit den Diäten der anderen Politiker aus?
Schwarze Schafe gibt es überall, besonders brisant ist es zugegebenermaßen doch, weil sie enorm gegen ihre eigene Überzeugung das das Parteiprogramm verstößt, doch dies ist bei anderen Parteien auch in ähnlicher Art und Weise vorgefallen.
Geistiges Eigentum gibt es steng genommen gar nicht und hier muss ich Frau Schramm beipflichten, es ist ein Kampfbegriff.
Eigentum kann es nicht sein, weil man es nicht wegnehmen kann, dem "Eigentümer" entsteht kein Schaden, wenn ich seine CD nun kopiere, das Original ist noch vorhanden und er kann frei darüber entscheiden. Ich kann also ohne jemanden zu schaden etwas duplizieren, mit dem indirekten Schaden sieht es nun anders aus, da der Komponist sich darauf verlässt, dass die Leute die CD kaufen. Hier besteht nun tatsächlich ein Leistungsanspruch des Schaffenden gegenüber der Konsumenten und dieser lässt sich mit dem aktuellen Urheberrecht nicht schaffen.
Es gibt diesbezüglich gewaltige Möglichkeiten.
Lustig finde ich ja, dass laut deiner Meinung die Piraten daran schuld sind, dass die Künstler kein Geld verdienen sollen. Die GEMA, das völlig veraltete Urheberrecht und die viel zu große Macht der Rechteverwerter sind daran schuld. Die GEMA, mit ihrem gerade für neue Künstler unfairen Verteilungssystem, das Urheberrecht, dass keineswegs in die digitale Welt passt und die Rechteverwerter, die Schaffende mit Knebelverträgen sämtliche Rechte abnehmen.
Geistiges Eigentum: http://wiki.piratenpartei.de/Warum_Eigentum_nicht_geistig_sein_kann

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Geschrieben am
sathomaso
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OT:
Ich warte sehnsüchtig auf nen Beitrag von Dir zur aktuellen Werbekampagne der Bundeswehr mithilfe des Fachblattes "Bravo". ^^

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Geschrieben am
Jan
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Als ich den entsprechenden Artikel heute morgen auf Spiegel Online gelesen habe, dachte ich mir schon fast, dass das doch mal ein Thema für Klopfers Web wäre. Dass es so schnell ging, allerdings nicht. wink.gif

Tja, das ist wohl ein bisschen dumm gelaufen für die hübsche Piratin. Ich glaube sogar, dass sie für den nun folgenden Shitstorm nicht mal unmittelbar etwas kann (sicher stand in dem Vertrag mit dem Verlag nicht "wenn jemand Filesharing damit macht, gehen wir dagegen vor und setzen deinen Namen drunter" ), aber der hätte sich ja so einfach verhindern lassen:

1. Sie hätte das PDF selbst 4 free anbieten können - aber seien wir ehrlich, dann hätte natürlich keiner mehr das Buch gekauft.
2. Oder man sucht sich einen anderen Verlag, der besser dazu passt, was man politisch so vertritt (indem er z.B. gerade nicht rigoros gegen Filesharer vorgeht) - allerdings hätte der wohl auch nicht 100k bieten können; ich hätte bei diesem Angebot auch nicht nein gesagt.
3. Oder, was mir am liebsten wäre: bitte, liebe Piraten, streicht einfach den kompletten Absatz da oben aus dem Parteiprogramm, der sowieso nur eine verklausulierte Forderung nach der Legalisierung von Filesharing ohne Einverständnis des Urhebers ist (oder zumindest diese Interpretation zulässt).

Das mit dem freien Wissen für alle ist gut und richtig, aber diese Forderung im Parteiprogramm ist relativ sinnlos, denn, wie Klopfer oben schon schrieb, KÖNNTEN die Urheber bereits jetzt ihr Zeug 4 free verteilen. Sie tun es aber verständlicherweise trotzdem nicht, solange es Verluste für sie bedeutet, und daran wird auch ein Parteiprogramm nichts ändern.

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Geschrieben am
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@Romy: Ich hab gar nicht gesagt, dass die Auflösung der Piraten bevorstünde, ich befürchte bloß, dass sie in die Bedeutungslosigkeit abrutschen.
Ich habe auch absolut nichts dagegen, dass Frau Schramm Geld mit ihrem Buch verdient. Damit hab ich gar kein Problem. (Ich hab durchaus ein Problem damit, dass die Führungsspitze der Bundespiraten gratis arbeiten muss. Das soll hier aber nicht Thema sein.) Es geht mir hier einfach um den Widerspruch zwischen persönlichem Handeln und den nach außen transportierten Parteizielen. Ich habe in der Vergangenheit auch sehr oft auf die anderen Parteien eingeprügelt. Es ist nur so: Man hatte gerade von den Piraten etwas anderes erhofft. "Die anderen machen das auch so!" ist für mich aber kein echter Grund, auf eine Meinungsäußerung dazu zu verzichten, zumal es hier um ein Thema geht, was mich persönlich sehr beschäftigt.
Ich finde es ja bezeichnend, dass ihr das Wort "Eigentum" nur darüber definiert, dass es etwas wäre, was man jemandem physisch wegnehmen kann. Ihr definiert den Begriff sehr eng, damit er in eure Vorstellungswelt passt. (Das wird noch einmal dadurch ins Absurde gefühlt, weil es in der Diskussion ja durchaus darum geht, geistiges Eigentum wegzunehmen, indem man dem Urheber das exklusive Recht auf Verbreitung nimmt.)
Wie sehen die gewaltigen Möglichkeiten denn aus?

"Lustig finde ich ja, dass laut deiner Meinung die Piraten daran schuld sind, dass die Künstler kein Geld verdienen sollen." Nö, weiß nicht, wo du das gelesen hast. Ich hab ausgeführt, dass die Forderungen, die die Piratenpartei hat, bei ihrer Realisierung die Verdienstmöglichkeiten der Urheber stark beschränken würden.
Die GEMA ist erstens nur für Musiker zuständig und zweitens ein ganz eigenes Thema. Das Verteilsystem innerhalb der GEMA ist wirklich beschissen, aber das ist nicht typisch für Verwertungsgesellschaften. Ich bin z.B. in der VG Wort, da läuft das ganz anders ab. Und zu den Knebelverträgen: Die Urheber werden nicht gezwungen zu unterschreiben. Außerdem gibt es Knebelverträge seltener als du glaubst, ein Großteil der Urheber außerhalb der Musikbranche sind ganz zufrieden. Und so sehr du auch auf die Rechteverwerter schimpfst: Die sorgen dafür, dass Geld an die Urheber fließt, wenn ihre Werke erfolgreich sind. Das konnte man z.B. von Megaupload nun wirklich nicht sagen. Vieles hab ich genauer in der vierteiligen Reihe "Die Debatte ums Urheberrecht" beschrieben, da kannst du auch gern nachlesen (Links darauf gibt's bei der Kolumnenübersicht unten).

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Geschrieben am
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@sathomaso: Oha, da muss ich mir mal die Bravo besorgen. ^^

@Jan: Die Frau ist ja nun auch keine 12 mehr, die hätte ja wissen müssen, was das heißt, wenn im Verlagsvertrag von exklusiven Rechten geredet wird. ^^
Ich kann mich ja auch erinnern, dass man bei der früheren Version der Piratenwebsite die einzelnen Punkte kommentieren konnte, und bei diesem Absatz gab es megaviele Kommentare. So einige Piraten versuchten zu beschwichtigen mit: "Das ist ja bloß ein Entwurf, wir arbeiten da noch dran", aber bei der neuen Website steht es ja immer noch. Nur kommentieren kann man nicht mehr. biggrin.gif

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Geschrieben am
sathomaso
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On Topic:
Ich sehen das so. Die Entwicklung lässt sich eh nicht aufhalten, es sei denn man schaltet das Internet ab. Ob die "Großen" durchs illegale Runterladen wirklich Verluste einfahren wage ich zu bezweifeln. Die kleinen Künstler krebsen auch so rum. Sie leiden also am ehesten darunter, haben aber auch die schwächste Lobby. Lösung? Keine Ahnung.
Auf der anderen Seite: Die Verdienstmöglichkeiten der Urheber SIND doch bereits in den letzten Jahren durch real existierende Downloads usw. geschrumpft. Was bringt es also, die Downloader zu kriminalisieren? Werden dadurch die Verdienste der Urheber / Künstler wieder mehr? Ich behaupte nein. Dieser Abmahnwahn hilft doch in Wahrheit nur skrupellosen Anwaltskanzleien.

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Geschrieben am
sathomaso
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Nochwas: Was muß man machen, um 100000 Vorschuß zu bekommen? Mit wem muß man ins Bett? Bzw. mit wem muß der Daddy bekannt sein?

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Geschrieben am
Jan
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@Klopfer: Nicht nötig, es reicht, wenn du dir einmal den Spiegel-Artikel und das zugehörige Youtube-Video zu Gemüte führst:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-wirbt-im-jugendmagazin-bravo-mit-abenteuercamps-a-855922.html

Finde ich schon sehr bedenklich, die Aktion... gabs sowas nicht schon mal in ähnlicher Form, nur mit einer knackigen Abkürzung "HJ"?

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Geschrieben am
sathomaso
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@ klopfer
Ob es in der Printausgabe steht, weiß ich nicht, aber Bravo hat nen eigenen Youtube-Kanal, und da sieht das mit der Bundeswehr dann so aus:
http://www.youtube.com/watch?v=q3r15_Y5TOE&feature=relmfu

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Geschrieben am
Klopfer (Profil) (Website)
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@sathomaso: Es geht (zumindest mir) nicht darum, die Leute zu kriminalisieren, die etwas runterladen. Mir geht es darum, dass ich einer Seite, die meine Sachen ohne meine Erlaubnis verbreitet, sagen kann: "Lass das bleiben!" (Übrigens geht es auch den meisten Medienunternehmen so, dass sie gar nicht auf die Leute losgehen wollen, die etwas herunterladen, sondern eher auf die Plattformen, über die das läuft und die oft kommerziell betrieben werden.)
Wenn das wegfällt, ist das ja nicht so wie jetzt, bloß mit weniger Abmahnungen. Es wird wahnsinnige Verlagerungen in Richtung vormals illegaler Tauschbörsen geben. Es wird in Zeitschriften und auf großen, anerkannten Websites Anleitungen geben, mit denen selbst der größte Laie ohne Probleme das herunterladen kann, was er will. Es werden eigens Programme entstehen, die mit möglichst wenig Aufwand das Finden und Downloaden von Material erleichtern. Das wird alles auf Kosten der bisherigen digitalen Verkäufe gehen, weil sowohl die Sorge vor Bestrafung als auch etwaige technische Schwellen abgebaut werden. Es geht also gar nicht darum, irgendwas zurückzudrängen. Es geht darum, das Überschwappen über den Damm zu verhindern, sei es durch Psychologie oder Technik.

0
Geschrieben am
O_SaFt
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Tja ja, der Widerspruch zwischen den eigenen Idealen und der Realität. Vermieter wollen halt bunte Scheine sehen....
Wundert es jemanden, dass die meißten Alt-68er trotzdem kleinbürgerliche Spießer geworden sind?

Nichtsdestotrotz, das ganze ist eine reine PR-Aktion zum pushen der Buchverkäufe.
Man schaue sich nur mal den Grundtenor der Rezensionen auf Amazon (1.7 Sterne) und in den Feuilletons ansieht.

An und für sich klingt das nach einem Machwerk ohne dessen Existenz die Welt auch nicht schlechter dran wäre.

Vgl. auch dazu die Korrelation von Bettina Wulffs Klagewut und ihrer Buchveröffentlichung.




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Geschrieben am
Klopfer (Profil) (Website)
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Was das Buch von Bettina Wulff angeht, hat Oliver Kalkofe das ja wunderbar parodiert: Link
Und in der Heute-Show wurde das auch herrlich bearbeitet: Link

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Geschrieben am
Romy
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@Klopfer Ich kann verstehen, dass dich das Thema sehr interessant und auch ich finde den Widerspruch zwischen dem Handeln dieser Person und den Parteizielen widerlich. Auch wenn "Die anderen machen das auch so" kein Argument zu sein scheint, bei einer Partei, wo auch Nichtmitglieder mitmachen können, lässt sich nicht verhindern, dass es Leute gibt, die aus der Reihe tanzen.
Auch das Exklusivrecht hat nichts mit dem "geistigen Eigentum" an sich zu tun. Es entsteht nunmal kein direkter Schaden, das Gut bleibt im Besitz des Urhebers. Es entsteht allerdings durch die Leistungs - und Rechteerschleichung ein indirekter Schaden.
Die Möglichkeiten sind manigfaltig, z.B. Free-To-Play Spiele wie Runes of Magic. Das Spiel ist völlig kostenfrei, man kann sich aber weitere (optionale) Spielinhalten kaufen.
Weitere Beispiele: http://wiki.piratenpartei.de/AG_Urheberrecht/FAQ#Ausgew.C3.A4hlte_alternative_Gesch.C3.A4ftsmodelle

Ich habe mich kurz über die VG Wort informiert und das Verteilsystem dort scheint dem der GEMA nicht ganz unähnlich zu sein. Alles ziemlich untransparent und undemokratisch.
Du hast Recht, die Leute werden nicht gezwungen, die Verträge zu unterschreiben. Leider haben gerade nicht netzerfahrene Urheber keine andere Wahl, um ihre Werke publik zu machen, da sie es sich anders nicht leisten können.
Ja, die Rechteverwerter bezahlen die Urheber, aber auch hier in einem völlig unfairem Maße, ein Drehbuchautor überlässt sein Drehbuch einem Filmstudio und erhält dafür einen festen Betrag, egal wie oft der Film angesehen wurde. Wenn der Film nun ein Riesenhit wird und viele hunderte Millionen einspielt, der Drehbuchautor hat nichts davon.
Und auch die Rechteverwerter sind schuld an Geschichten wie wir sie mit ACTA hatten. Ein verzweifelter Versuch, die altmodischen Geschäftsmodelle per Gesetz schützen zu lassen.
Allein am Vertrag zu ACTA hat man sehr gut sehen können, wieviel Einfluss eben jene dabei hatten.

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Geschrieben am
sathomaso
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"Es wird wahnsinnige Verlagerungen in Richtung vormals illegaler Tauschbörsen geben. Es wird in Zeitschriften und auf großen, anerkannten Websites Anleitungen geben, mit denen selbst der größte Laie ohne Probleme das herunterladen kann, was er will."

Siehst Du und genau das sehe ich nicht so fatalistisch. Letztenendes hat doch jeder nur ein bestimmtes Budget übrig. Wenn ihm die Möglichkeit zum "Rest umsonst runterladen" genommen werden sollte, wird er trotzdem nicht mehr Geld in der Tasche haben, um all die vielen tollen Filme, Musikstücke und Texte kaufen zu können.

Vielleicht ist der Markt auch einfach komplett übersättigt. D.h. es verkauft sich nur noch das, was am lautestens beschrieen, beworben, gehyped wird. Siehe Bettina Wulff und dieses Buch nun. Aber paradoxerweise kann nur dann eine große Werbemaschine gefahren werden, wenn eh schon Kapital da ist. Also so gesehen kann so eine Plattform zum runterladen, positiv gesehen, auch Werbung sein für diejenigen, die sich keine eigene Werbemaschine leisten können. Aber manchmal frage ich mich, wer soll all die tausenden von Büchern, CDs, mp3, Filmen usw., die jährlich auf den Markt geschmissen werden, noch kaufen (können)?

Und die teuersten Konzertkarten gibt es natürlich auch bei den Millionären unter der Musikern, siehe z.B. Madonna. Man stelle sich vor, Du, Klopfer, würdest für eine Lesung 120Euro aufwärts Eintritt verlangen ...

Danke für den Kalkofe-Link. ^^

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Geschrieben am
noname
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> Finde ich schon sehr bedenklich, die Aktion... gabs sowas nicht schon mal in ähnlicher Form, nur mit einer knackigen Abkürzung "HJ"?

Uhm... da gibt's aber den gewaltigen Unterschied, dass die HJ dazu genutzt wurde, Jugendlichen antisemitische und generell nationalsozialistische Ideologien einzuimpfen. Da würde ich mir eher um die ganzen Partei-Sommercamps (und ja, sowas gibt es, Leute aus meiner Schulstufe waren da regelmäßig) Sorgen machen.

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Geschrieben am
Klopfer (Profil) (Website)
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@Romy: Ich weiß immer noch nicht, warum du dich beim Begriff des "geistigen Eigentums" so am Schaden aufhängst. Du definierst doch ein Heim auch nicht dadurch, dass man da einbrechen kann. (Hoffe ich zumindest.) Das Exklusivrecht hat durchaus was mit dem geistigen Eigentum zu tun, denn dadurch, dass es dein geistiges Eigentum ist, steht dir das Exklusivrecht überhaupt erst zu.

Zu den Möglichkeiten:
- Free-to-play: Nur auf Computerspiele anwendbar und braucht große Vorfinanzierung
- Crowdfunding: Das klappt bei den ersten paar Projekten evtl. (bei vielen auch gar nicht), aber selbst eine Firma wie Double Fine wird dicke Schwierigkeiten haben, beim fünften Spiel noch 3 Millionen Dollar einzusammeln.
- Social Payment: Funktioniert schlicht und einfach nicht. Sobald der Reiz des Neuen weg ist, versiegen die Zahlungen. In Deutschland lohnt sich Flattr fast nur noch für Podcasts.
- Freizügiges Fremium: Da brauchst du zuerst viel Geld, damit du überhaupt so bekannt und groß werden kannst, dass du genug zahlende Mitglieder an dich binden kannst. Als Geschäftsmodell für Kleine und Anfänger nicht zu gebrauchen.
- Werbefinanzierung: Selten so gelacht. Wer AdSense aus diversen Gründen nicht nutzen kann (wie ich), hat kaum eine Chance, es sei denn, man hat die Zugriffszahlen von deutschen Alphablogs oder SPIEGEL Online. Und selbst die deutschen Alphablogs sind spektakulär auf die Schnauze geflogen, als sie ein eigenes Werbenetzwerk aufbauen wollten.
- Verkauf von nicht-kopierbaren Leistungen: Ja, funktioniert auch super, deswegen fülle ich in Berlin auch ganze Stadien, wenn ich da eine Lesung mache, weil der Andrang so riesig ist.

Deine Kritik an der VG Wort kann ich nicht nachvollziehen. Die Verteilung läuft anders als bei der GEMA (es gibt z.B. kein System wie bei der GEMA, wo Dieter Bohlen automatisch Geld kriegt, wenn bei einem Konzert nicht ausdrücklich angegeben wurde, dass keine Bohlen-Lieder gespielt wurden), man kann als Autor bei der VG Wort am Ende des Jahres nicht im Minus landen, weil die VG Wort von Autoren gar kein Geld verlangt, und die Hürden, um vom Wahrnehmungsberechtigten zum Mitglied zu werden, sind deutlich niedriger.

Was ein Drehbuchautor bekommt, hängt davon ab, was er aushandelt, da herrscht ja durchaus Vertragsfreiheit. Gerade bei Kinofilmen kann das durchaus sehr wechseln. Wenn er einen festen Betrag bekommt, ist das sehr sicher für ihn; wenn er es schafft, einen prozentualen Anteil an den Brutto-Einnahmen zu kriegen, kann das für ihn von Vorteil oder von Nachteil sein. Was tatsächlich gerade in Hollywood Beschiss ist: Man darf sich nicht auf Prozente von Netto-Einnahmen einlassen, weil die Hollywood-Mathematik die Filme immer so zurechtrechnet, dass die offiziell gar keinen Gewinn machen.
Du erwähnst ACTA. Ja, ACTA war scheiße. Aber es haben auch nicht alle Rechteverwerter da mitgemacht, und es sagt auch nichts darüber aus, ob die Rechteverwerter fair mit den Urhebern umgehen.

@sathomaso: Ich bin unter anderem deswegen so pessimistisch, weil ich die Anfänge davon ja schon bei den Covern von der "PC WELT" sehe. Die latschen die ganze Zeit auf schmalem Grad mit ihren Aufmachertiteln à la "Filme, Musik, TV-Serien - Alles im Netz finden" usw. Ich glaube nicht, dass die sich zurückhalten würden. Und es würden viele darauf anspringen.

Das mit dem Geld hat auch etwas mit Priorisierung zu tun. Es ist ja z.B. nicht so, dass Jugendliche heute unbedingt weniger Geld haben als die früher. Auch damals hat man im Freundeskreis fröhlich Musik überspielt und Spiele kopiert, aber oft war es halt so: Wenn man keinen hatte, der einem das geben konnte, was man wollte, sparte man und kaufte es. (Und kopierte es dann weiter.) Den Jugendlichen heute fehlt nicht unbedingt per se das Geld, um Musik oder Games oder so zu kaufen. Es ist nur so: Sie haben bequeme Quellen, das umsonst zu holen, daher ist das Kaufen dieser Dinge in der Priorität deutlich weiter unten als das Kaufen von Zigaretten, Apps fürs Smartphone, Gras, Handyguthaben oder WoW-Spieltagen, ganz einfach deswegen, weil dies Dinge sind, die sie gratis nicht (oder nur unter Schwierigkeiten) kriegen könnten. Ich glaube schon, dass sie zumindest für manche Sachen, die sie jetzt gratis herunterladen, durchaus einige Euros lockermachen würden, wenn sie die haben wollen, aber nicht auf anderen Wegen herankämen.

Im Prinzip sind die Tickets für meine Lesungen zu billig. ^^;

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Geschrieben am
miss.artemis
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Ich kaufe mir meine Musik. Punkt. Zwar hab ich eine gewisse Abneigung gegenüber CD-Läden, aber wozu gibt es Amazon und den iStore, die haben rund um die Uhr geöffnet wink.gif

Bücher bestelle ich aber nur dann online, wenn ich das Buch kenne (oder die Reihe oder den Autor), und deshalb davon überzeugt bin, etwas anständiges zu bekommen. Kenn ich das Buch nicht, geh ich doch lieber in die Buchhandlung und les einfach ein paar Kapitel an. Dann weiß ich, ob es mir gefällt, dazu brauch ich dann gar keine illegale Kopie runterladen ^__^

Aber zugegeben, manchmal kribbelt es mich auch in den Fingern, mir etwas auf nicht ganz legale Art und Weiße zu besorgen. Nämlich bei Material, das legal einfach nicht mehr zu kriegen ist. Drei Filme, die ich unglaublich gern sehen udn kaufen (!) möchte, sind einfach nicht zu bekommen! Amazon lässt sie mich nicht mal importieren (ich hätte sogar die recht hohen Importgebüren aus den USA bezahlt!), ebay ist auch wenig hilfreich, und im Geschäft brauch ich nicht mal nachfragen, das haben die sicher nicht ... Bei solchen Filmen würde ich mir wünschen, dass es die Möglichkeit gebe, sie kostenlos runterzuladen. In diesem Fall würde das wirklich niemandem schaden, denn Geld verdient ja ohnehin niemand mehr mit einem - nicht möglichen - Verkauf.
So bleibt mir nur zu hoffen, dass meine Bekannte in den USA doch noch irgendwo in einer Ecke eines DVD-Ladens ein Exemplar auftreiben kann.

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Geschrieben am
Klopfer (Profil) (Website)
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@miss.artemis: Das ist auch etwas, was ich total gut verstehen kann.

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Geschrieben am
P!ZZA
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die amazon-kommentare sind ja herrlich vernichtend biggrin.gif

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Geschrieben am
icke
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Was ich mich bei der Diskussion immer wieder frage, ist warum die Schutzfristen auf "künstlerisches" geistiges Eigentum (lassen wir mal außen vor, ob das Eigentum ist oder wie man das sonst rechtsphilosophisch nennen will) so viel länger andauert als der Schutz von wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen. Das ist doch unsinnig. Warum können Verwertungsrechte nicht allgemein nach 20 Jahren auslaufen? Weil bei dem einen Aspekt eine mächtige Lobby steht, die Erfindungen möglichst zeitnah kopieren will und bei dem anderen Aspekt eine mächtige Lobby steht, die eigene Erzeugnisse möglichst lange verkaufen will. Merkt denn keiner wie haarsträubend das ist?

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Geschrieben am
Dudeson (Website)
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Also entschuldige mal wie peinlich ist das denn. Wenns ums eigene Geld geht ist es auf einmal in Ordnung, wenn das geistige Eigentum geschützt wird. Wenns andere betrifft sieht die Sache auf einmal ganz anders aus. Das ist ein Egoismus, derm ich ankotzt. Daran sieht man mal wieder eindeutig wie unreif und unwählbar diese Partei ist.

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Geschrieben am
Reami
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Ich liebe Diskussionen in den Kommentaren. <3

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Geschrieben am
Markus, CH
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@Romy
Zitat von dir: Eigentum kann es nicht sein, weil man es nicht wegnehmen kann, dem "Eigentümer" entsteht kein Schaden, wenn ich seine CD nun kopiere, das Original ist noch vorhanden und er kann frei darüber entscheiden.
Zitat Ende
Genau das verstehen und formulieren die Piraten eben immer falsch! Es entsteht Schaden, weil du die CD nicht kaufst und weil du dir das Recht nimmst, ebenfalls frei darüber zu verfügen, ohne etwas dafür zu bezahlen. Das darfst du nicht, weil der Urheber es dir nicht erlaubt hat und nicht erlauben will!

Ich mag ACTA und die aktuelle Umsetzung des Urheberrechts in Deutschland nicht. Ebenso wenig den Wildwuchs mit den Abmahnungen. Aber die ACTA Gegner haben fast alle mit diesen flachen Argumenten hausiert - ein Glück, dass ACTA trotzdem vorläufig gestoppt wurde!

OT: Das Vorgehen der Politikerin ist schlicht doppelmoralisch und daher passt es nicht zu einer gewählten Volksvertreterin - auch wenn fast alle irgendwie so sind.

Gruss aus der Schweiz (wo wir wenigstens DIESE Art von Ärger nicht haben) :-)

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Geschrieben am
Tommy
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Zum Ursprungstopic ist heut ein interessanter Artikel in der FAZ. Besprechung bei Bertelsmann: "Wir haben 100.000 Budget, wie können wir damit die Piraten versenken?"

http://faz-community.faz.net/blogs/deus/archive/2012/09/19/julia-schramm-ein-buchdebakel-als-sieg-fuer-bertelsmann.aspx

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Geschrieben am
Martina (Website)
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Wirklich interessant, der Artikel in der FAZ. Und auch die ganze Diskussion an sich.
Leider "ownen" sich die Piraten mehr und mehr selbst. Hatten sie anfangs noch gute Ideen und weckten die Hoffnung auf frischen Wind in der Parteienlandschaft Deutschlands, so fällt mehr und mehr auf, dass die Piraten mit den Mühlen der Bürokratie und des öffentlichen Interesses offensichtlich überfordert sind...
Schade!

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Geschrieben am
Obstsalat
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"Wir erkennen die Persönlichkeitsrechte der Urheber an ihrem Werk in vollem Umfang an. Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht. Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen. Die Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit.

Es sind daher Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine faire Rückführung in den öffentlichen Raum ermöglichen. Dies schließt insbesondere eine drastische Verkürzung der Dauer von Rechtsansprüchen auf urheberrechtliche Werke unter die im TRIPS-Abkommen vorgegebenen Fristen ein."

Das hast du vergessen. Die Piraten sehen also, dass das zugänglich machen von kreativem Zeugs in der jetzigen Lage noch nicht möglich ist, und dass eine andere Lösung gefunden werden muss. Kann ja nicht sein, dass die Frau ein Buch schreibt und dann "nichts" dafür bekommt, "nur", weil ihre Partei von den Medien als "Filesharer" dargestellt wird.

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Geschrieben am
Klopfer (Profil) (Website)
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Hab ich nicht vergessen, die Sätze haben aber keinerlei konkreten Inhalt außer: "Ja, da sollten wir dann auch mal drüber reden." Das hatte ich schon bei meinen älteren Blogeinträgen gesagt.

Aber nochmal: Ich habe nicht gesagt, dass Julia Schramm mit ihrem Buch kein Geld hätte verdienen dürfen. Allerdings: Wenn sie danach gegangen wäre, was die Piraten in ihrem Programm und anderswo öffentlich vertreten, hätte sie es einfach selbst online veröffentlichen können, anstatt zu einem Verlag zu gehen und ihre Rechte abzugeben (oh, pardon, ich meine natürlich: "zur Content-Madia zu gehen und ausgebeutet zu werden" ), und mit einem einfachen Spendenbutton ähnliche Einnahmen gehabt. Jetzt deutest du an, sie hätte nichts bekommen, wenn sie nicht bei dem Verlag veröffentlicht hätte. Da stellt sich wieder die Frage: Warum denkt ihr dann, es würde bei den anderen Urhebern besser laufen?
(Schließlich hat Fräulein Schramm über Twitter jemandem gesagt, sie würde seine Musik nicht bei iTunes kaufen, weil iTunes nicht offen ist, und er lieber ne MP3 mit Spendenbutton daneben zur Verfügung stehen soll.) Ich beurteile die Frau einfach nach den Maßstäben, die sie selbst an andere stellt. Meinetwegen könnte die Frau zwanzig Bücher bei Verlagen veröffentlichen. Aber dann soll sie auch so ehrlich sein und nicht als Piratin das Gegenteil von dem sagen, was sie selbst tut.

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Geschrieben am
Bellerophon
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Mal wieder zu dem anderen Thema:

Diese Sommercamps macht die BW meines Wissens nach schon länger. Ich sehe das jetzt nicht so eng. Das sind halt Feriencamps einer Organisation, die ein Interesse daran hat, dass junge Leute beitreten. Das machen Kirchen, Feuerwehren und andere Gruppen ganz genau so. So lange da keine (para-)militärische Ausbildung oder Indoktrinierung stattfindet ist das nichts anderes als Öffentlichkeitsarbeit.

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Geschrieben am
Schwampf
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Da viele Alternativen hier diskutiert werden, hier mein Senf zu Open Source. Ich selbst biete ein Programm, in das ich schon viele Arbeitsstunden gesteckt habe, als Open Source an. Grundsätzlich stellt der Source-Code mein geistiges Eigentum dar, aber ich habe mich freiwillig dazu entschieden, das Programm zur Verfügung zu stellen. Wer den Code nutzt, muss auch sein eigenes Programm unter Open Source stellen.
Nun habe ich allerdings schon genügend Anfragen von Firmen bekommen, die den Code in Closed Source verwenden möchten. Die sind dann immer ganz schockiert, wenn ich dafür Kohle sehen möchte und antworten regelrecht schnappatmig mit: "Aber das ist doch Open Source - also kostenlos!"... Tja - ist es nicht! Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
Ich sehe hier also live, daß sogar große Firmen, die Geld hätten und die Entwicklung sonst selbst bezahlen müssten, auch mit "Geiz ist geil" agieren.

Zum Urheberrecht: die Vorderung der Piraten ist naiv - und daß es nicht richtig sein kann, hat Frau Schramm nun selbst erfahren, die ja gerne auch an ihrer Arbeit verdienen möchte.
Diese "Alles kostenlos im Internet"-Mentalität geht mir auf den Sack.

Ich sehe es allerdings auch wie DerBatzi: die Abmahnungen sind teilweise zu einem Geschäft geworden, an dem Anwälte Geld verdienen. Damit meine ich nicht nur Abmahnungen wegen heruntergeladener Musik oder Filme - selbst wenn man auf seiner privaten Homepage einen Text platziert, der einen registrierten Markennamen enthält (was man ggf. gar nicht vermutet und somit auch nicht problematisiert hat), wird man plötzlich abgemahnt. Wie z.B. eine Dame, die Stickereien anfertigt - und ein Muster sah annähernd so aus, wie die Tatze von Jack Wolfskin. Diese Praxis muss überdacht und eingedämmt werden.

Auch die Praxis, daß Werke erst nach 70 Jahren nach dem Tot des letzten Urhebers frei werden, ist Mist. Man muss nun nicht auf 20 oder 40 Jahre setzten - einfach nach dem Tot des letzten Urhebers wäre doch eine korrekte Regelung, oder? Was viele ja nicht wissen: "Happy Birthday" ist z.B. nicht frei und dürfte - streng genommen - nicht öffentlich in einer Kneipe von den Gästen gesungen werden.

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Geschrieben am
icke
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Wenn Werke erst nach dem Tod des letzten Beteiligten Urhebers frei werden sollen, dann wünsche ich mir auch, dass Maschinen, Produktionsmethoden, Arzneimittel und andere Chemikalien, also Erfindungen und Entdeckungen allgemein erst mit dem Tod des letzten Beteiligten Entwicklers freigegeben werden. Gleiches Recht für alle - und schon ist unser ganzes schönes Wirtschaftssystem am Ende.

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Geschrieben am
Ketzu
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Man müsste begründen warum gleiches Recht für alle gelten soll und man die Dinge nicht unterschiedlich behandeln sollte. Wissenschaftliche Neuerungen haben im Allgemeinen eine höhere Bedeutung für die Allgemeinheit als ein Kunstwerk und üblicherweise andere Anwendung zur Gewinnschöpfung und Refinanzierung.

Zudem ist "der letzte beteiligte Stirbt -> Frei" nicht so die super Problemlösung schlechthin. Die skrupellosesten könnten da auf ganz dumme Ideen kommen, aber selbst ohne Mord kann sowas schief gehen. Viele Künstler veröffentlilchen auch noch kurz vor ihrem Tod Werke, manchmal Tage, manchmal Monate, manchmal werden Werke auch erst nach deren Tod entdeckt. Die Hinterbliebenen könnten diese nun nutzen, wird aber schief gehen weil das Recht darauf erloschen ist und jeder damit tun darf was er will.
Vielleicht eher eine Kombination: "Mindestens 30 Jahre, spätestens mit dem Tod des letzten beteiligten Urhebers".

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Geschrieben am
memmo
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Du solltest dich beim Lästern und Meckern evtl. auf Dinge konzentrieren, die dich nicht persönlich betreffen. Kannst du erstens besser und zweitens wirkt der Zeigerfinger hier irgendwie recht peinlich. Klar will jeder von etwas leben, man muss dafür aber ja nicht bei einer Community, die eigentlich in erster Linie satirisch unterhalten werden will, Lobbyismus betreiben (denn nichts anderes tust du).

Desweiteren verkaufst du meiner Meinung nach (wie eigentlich alle anderen auch) deine Sicht der Dinge als Tatsache. Ist sie aber nicht, sondern äußerst subjektiv geprägt. Da du ja anscheinend so begeisterter Spiegel-Leser bist, hättest du heute lesen können, wie man wissenschaftlich an das Thema rangeht und was dabei rauskommt (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/filesharing-kreativitaet-braucht-kein-copyright-a-856582.html)
Wo wir gerade dabei sind: "Und ich weiß z.B. auch, dass DVD-Verkaufszahlen drastisch sinken, sobald die Inhalte auf Tauschbörsen zu finden sind." (Zitat von dir)
Interessant, und woher? Von den Vermarktern, die auch den Verlust ausrechnen, indem sie für jedes heruntergeladene Etwas (sei es Film, Lied, Buch...) den Originalpreis nehmen und glauben, dass das andernfalls tatsächlich alles gekauft würde? Es gibt btw auch Studien, die besagen, dass Menschen, die viele Filme streamen/downloaden tendenziell auch mehr DVDs kaufen und mehr Geld für Multimedia ausgeben (bin zu faul zum suchen, dafür darfst du jetzt ggf verbal auf mich einhauen). Ist jetzt weder eine Argumentation pro noch contra. Geht mehr in die Richtung "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast".

Btw. das Herumhacken auf der Existenzdauer von Hartz IV ist kleinlich, entsprechende Programme gabs davor auch, hieß nur anders. Etwas schwache Argumentation...

Alles in allem solltest du bei Themen, die dich persönlich betreffen, vielleicht etwas reflektierter oder gleich "in eigener Sache" drüber schreiben. So wirkt es mit der heißen Nadel gestrickt und weder lustig noch sonstwas, sondern in erster Linie nach dem, was du der Piraten-Autorin oben auch vorwirfst: Rumgeheule

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Klopfer (Profil) (Website)
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@memmo: Andere wollen, dass ich mich zu solchen Themen äußere, eben weil ich davon auch selbst betroffen bin und - eben dadurch - durchaus auch weiß, wovon ich rede.

Den Spiegel-Artikel finde ich insofern sehr dünn, als dass die Schlussfolgerungen, die dort gezogen werden, ja ebenfalls sehr subjektiv sind.
Beispiele?
"Die Mehrheit der unabhängigen Forscher vermutet, dass illegale Kopien für 20 Prozent der Umsatzeinbrüche oder weniger verantwortlich sind."
Im Text kommt das so rüber, als wenn das wahnsinnig wenig wäre. Aber 20 Prozent sind gar nicht so wenig und können im Geschäftsleben durchaus zwischen Überleben oder Konkurs entscheiden. Würdest du in ein Flugzeug steigen, wenn du nur mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit ankämst?
Im Artikel wird auch Spotify genannt. Nicht erwähnt wird, dass die Vergütungen an die Urheber da aber auch extrem gering sind und deswegen auch Unzufriedenheit unter den Musikern herrscht.
Eine weitere Schlussfolgerung geht mir ebenfalls zu weit: "Deutsche Verlage mussten damals ständig neue Werke drucken, um sich der Nachdrucker zu erwehren, das heizte Preise und Kreativität an."
Wie soll man aus der Zahl der veröffentlichten Werke auf die Kreativität schließen können? Die Verlage ersaufen (in Zeiten des bösen bösen Copyrights) in Manuskripten, die sie nicht veröffentlichen können. Die Kreativität ist also auch jetzt da (und die Leute haben es leichter denn je, Dinge zu veröffentlichen, deswegen sind Print-On-Demand-Dienstleister ja für einen großen Teil der Steigerungen in der Zahl der heute erscheinenden Titel verantwortlich). Nach der Logik von diesem Forscher müssten, sobald das Urheberrecht abgeschafft worden wäre, die Preise für Bücher ebenso deutlich steigen wie die Zahl der Veröffentlichungen. Aber würden denn tatsächlich mehr Leute die Bücher kaufen, gerade wenn sie teurer sind? Wenn nicht, wie sollen die Verlage das auf Dauer finanzieren? Man muss ja auch bedenken, dass die Mediennutzung damals eine ganz andere war. Zudem kann man kaum beurteilen, ob der Herr Professor tatsächlich ausreichend andere Gründe für die unterschiedliche Entwicklung des Buchmarktes in Deutschland und dem Vereinigten Königreich untersucht hat (bei der verlinkten Amazon-Seite bemängelt eine Bewertung genau dies). Warum nennt man diese Studie überhaupt?
EDIT: Ich habe mich jetzt mal durch den Hargreaves-Report gekämpft. Der ist nicht so sehr auf der Linie des Artikels, wie dieser glauben machen möchte. In dem Report geht es, was künstlerische Werke und den Endverbraucher angeht, um solche Sachen wie Privatkopien im Freundeskreis oder für andere Abspielgeräte, ebenso um Fair-Use-Regeln für Bearbeitungen, also um Dinge, die die meisten Künstler gar nicht infrage stellen.

Das mit den DVD-Verkaufszahlen weiß ich, weil einige Anime-Publisher mal darüber geredet haben. Die haben sehr aufmerksam beobachtet, inwieweit Rips ihrer Veröffentlichungen im Netz sind. Bei der Serie "Inu Yasha" war es z.B. so, dass die Verkaufszahlen von Staffel 2 genau in dem Moment drastisch eingebrochen sind, als die ersten Rips in den Tauschbörsen verfügbar waren. Bei der ersten Staffel, die einige Zeit vorher erschien und bei der breitbandige Internetanschlüsse noch nicht so verbreitet waren, ließen die Verkäufe eher graduell nach. Das Resultat: Die Firma hat sich aus diesem Geschäft zurückgezogen. Passt auch zu dem Artikel: "Bei Netznutzern unter 25 ist die Kaufbereitschaft allgemein geringer" - das heißt aber auch, gerade für die Medien, die auf Leute mit viel Zeit abzielen (Schüler, Studenten etc.), wirkt sich das stärker aus als auf andere.

Schön, dass du das ignorierst, was ich nach der Hartz-IV-Anmerkung geschrieben habe. Zudem glaube ich nicht, dass 80 Prozent der Künstler schon damals von Sozialhilfe lebten, da würde ich gerne eine Quelle sehen.

Man sieht doch am Thema, dass ich in eigener Sache schreibe, dann soll ich das auch noch drüberschreiben? Ist doch Quatsch. Außerdem habe ich ihr in dem Beitrag nicht vorgeworfen, dass sie rumheult. (Der einzige Satz, in dem Heulen vorkommt, heißt "Ich heule gleich" ) Ich habe ihr vorgeworfen, dass sie Dinge fordert, nach denen sie selbst nicht zu handeln bereit ist.

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Geschrieben am
Chrissel
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http://www.dkriesel.com/blog/2012/0919_klick_mich_julias_loecher_stehen_allein_bertelsmann_zur_verfuegung

Dein Lehramtsfundstück hat auch wieder was und nimmt wieder keine Gefangenen. Wer die Schramm oder den Ponader findet, sollte den obigen Link NICHT lesen.

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Geschrieben am
Roman
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Auch, wenn die Diskussion etwas älter ist:

Das Argument, beim Kopieren einer CD entstünde dem Rechteinhaber kein Schaden, weil ja keine CD entwendet würde, übersieht etwas ganz wesentliches: wer sich eine CD kopiert, hat keinerlei Anreiz, beim Rechteverwerter das Original zu kaufen.
Damit steht und fällt der ganze Denkansatz.

Am Rande bemerkt habe ich einen meterdicken Hals wegen der ganzen Deppen, die munter und merkbefreit alles saugen und kopieren, was nicht bei drei auf dem Baume ist: Euretwegen darf ich mich auf meinen gekauften (!!) DVDs und CDs mit widerlichen Kopierschützereien herumplagen; ich habe DVDs in meinem Fundus, die ich nur mit diversen technischen Raffinessen überhaupt anschauen kann. Toll, nicht?

Klopfer, ich kaufe heute noch ein paar Bücher von Dir. :-) (Auch die E-Books, die ich mein Eigen nenne, habe ich samt, seide und sonders bezahlt)

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Geschrieben am


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