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Braindead Love - Teil 1

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Braindead Love 1

Braindead Love

Teil 1: Breakfast

Autor:
Umfang: 146 Seiten
Preis: 9,00 € (E-Book: 5,99 €)
Erschienen: November 2012
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Der folgende Text ist ein kurzes Kapitel aus dem Roman "Braindead Love - Teil 1: Breakfast". Diese Leseprobe kann auch hier als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Abschied

Victoria genoss den Fahrtwind auf ihrer Haut, während ihre Mutter den Wagen über den Highway lenkte. Ihr Blick fiel auf die Wüstenlandschaft links und rechts, die so typisch für Arizona war. Gelegentlich sah sie einen Kaktus, mal auch eine sterbende Kuh. Heimatgefühle kamen in ihr auf. Die Einsamkeit dieser Gegend weckte in Victoria immer eine besondere Vertrautheit – nicht nur, weil sie am Rand der Sonoran-Wüste aufgewachsen war, sondern weil sie auch in ihrem Kopf häufiger so eine Leere spürte, insbesondere dann, wenn sie kein Geld mehr zum Shoppen hatte und somit nichts weiter zu tun war. Victoria blickte an sich herab. Sie trug ihre Lieblingsbluse, ärmellos, mit weißer Lochspitze, ansonsten brutalpink mit kleinen, abgesetzten Details in Lungensteckschussrot, mit grünen Nähten und Perlmuttknöpfen, dazu blaue Bommeln auf den Schultern. Als Victoria diese Bluse zum ersten Mal ihrer Mutter zeigte, war diese sehr stolz, dass Victoria offenbar auch in Blindenwerkstätten einkaufte, und Victoria brachte es nicht übers Herz, sie mit der Wahrheit zu enttäuschen. Victoria gefiel ihr Outfit jedenfalls – besonders in Verbindung mit der schwarzen Jeans, die sie gerade trug. Die wurde bei der brennenden Wüstensonne zwar immer bullig warm und sorgte dafür, dass Victorias Unterleib vor Schweiß triefte, aber Victoria stand zu ihrer Transpiration ebenso selbstbewusst wie zu ihrem Klamottengeschmack.

Der BMW rauschte unablässig über den Asphalt, dem Flughafen immer näher. Victoria atmete durch. Am Abend würde sie bereits bei ihrem Vater im Nordwesten der USA sein, wo es immer dunkel war und oft regnete. Sie konnte sich noch nicht so recht vorstellen, wie das Leben dort sein würde. In Arizona veranstaltete man oft Barbecues, betrank sich und schoss dann auf illegale Einwanderer aus Mexiko, bevor man sich einen Sexualpartner mit mehr oder weniger hohem Verwandtschaftsgrad suchte und dann den Rausch ausschlief. Im Bundesstaat Washington war es dagegen bestimmt zu kühl für Barbecues. Ob sie sich wenigstens in der Schule gut einleben würde?

»Du weißt, du musst das nicht tun«, sagte ihre Mutter. Es war das erste Mal seit Beginn der Fahrt, dass sie den Mund öffnete. Gleichzeitig trat sie aufs Gaspedal. Victoria lächelte.

»Ist schon gut, Mom. Es wird mir gut tun, mal andere Luft zu atmen. Ich will es wirklich.«

Das war nicht die ganze Wahrheit. In Wirklichkeit ging sie tatsächlich weg, um ihrer Mutter und ihrem neuen Freund ein wenig Freiraum zu geben. Es hatte lange gedauert, bis ihre Mama endlich einen Mann fand, der sie nicht erst dann vögeln wollte, wenn er vorher Victoria beim Duschen beobachtet hatte. Daher hatte Fred bei ihr sofort einen Stein im Brett, weswegen sie alles tun wollte, um dem neuen Paar die Möglichkeit zu geben, ihre Beziehung zu festigen. Außerdem hatte Victoria die beiden mal dabei erwischt, wie sie in Victorias Bett pimperten. Seitdem schlief Victoria sitzend im Kleiderschrank, was auf Dauer aber schlecht für Gemüt und Gesundheit war. Sie liebte ihre Mutter, sie mochte Fred, aber sie wollte sich beim Schlafen nicht in deren Körpersäften wälzen. Sie fragte sich, ob sie ihre Prüderie von ihrer Großmutter geerbt hatte, die nach eigenem Bekunden erst nach der Geburt des zweiten Kindes ihre Jungfräulichkeit verlor, weil Victorias Großvater die Probezeit bestanden und sich somit würdig für den ersten Stich erwiesen hatte. Schnell schob sie den Gedanken an den Sex ihrer Großeltern beiseite.

***

Mit quietschenden Reifen hielt der BMW auf dem Parkplatz des Flughafens. Victoria und ihre Mutter wuchteten die Koffer aus dem Auto auf einen Gepäckwagen und machten sich auf den Weg ins Innere.

»Schatz, bist du dir wirklich sicher?«, fragte Victorias Mutter noch einmal, während sie ihre Tochter in Richtung Check-in-Schalter schob.

»Aber ja, Mama. Mach dir keine Sorgen.«

Victoria schüttelte nachsichtig den Kopf und griff in ihre Handtasche. Sie tastete darin herum, während ihr Gesicht immer größere Ratlosigkeit ausdrückte.

»Oh nein, ich hab das Flugticket daheim vergessen! Es liegt noch auf meinem Schreibtisch!«, rief sie panisch.

»Keine Sorge, Schatz. Ich habe vorsichtshalber mehrere Plätze reserviert. Ich weiß doch, wie vergesslich du bist«, sagte ihre Mutter gütig, zog vier Tickets aus der Innentasche ihrer Jacke und hielt sie Victoria wie einen Fächer hin. »Such dir eins aus!«

»Ach Mama, du bist echt die Beste!«

Victoria schickte sich an, ihre Mutter zu umarmen, schaute aber plötzlich in den Lauf eines Revolvers. Verwirrt blickte sie in die funkelnden Augen ihrer Mama.

»Kleines, ich wollte dir noch etwas als Erinnerung mitgeben, damit du deine Heimat nie vergisst.«

Mit diesen Worten drückte sie die Waffe in Victorias Hände. Diese blickte auf den kalten, silbrigen Stahl und betastete ihn vorsichtig.

»Ein Colt Single Action Army Revolver, die offizielle Schusswaffe Arizonas«, hauchte sie ehrfürchtig.

»Genau, Liebling. Es würde mich freuen, wenn du ihn ab und zu mal betrachtest und an mich denkst.«

»Jeden Abend, Mama!«, versprach Victoria und umarmte ihre Mutter fest.

»Haben wir’s bald mal?!«, unterbrach die genervte Dame am Flugschalter die emotionale Szene.

Peinlich berührt stopfte Victoria die Faustfeuerwaffe in einen ihrer Koffer, bevor sie ihr Gepäck eincheckte. Die Zeit bis zum Boarding verbrachten Mutter und Tochter schweigsam. Victoria kaute nachdenklich auf einem Hotdog herum, während ihre Mama ständig auf die Uhr schaute und nervös mit dem Fuß wippte. Die Minuten vergingen langsam, aber stetig. Auf dem Weg zum Gate strich Victorias Mutter ihr sanft übers Haar.

»Vergiss nicht: Du kannst jederzeit zurückkommen. Ruf vorher an, dann reserviere ich dir ein Hotelzimmer in der Nähe des Flughafens.«

»Es wird schon alles gut, Mom.«

Victoria lächelte. Ihre Mutter war immer so fürsorglich, aber diesmal sollte sie auch an sich selbst denken und sich keine Gedanken um ihre Tochter machen müssen. Victoria machte sich ernsthaft Sorgen um ihre Mama und befürchtete, dass sie sich gefangen in ihrer Verantwortung für ihre Familie fühlte, ganz wie eine Sklavin. Victoria hatte zufällig vor Kurzem im Schlafzimmer ihrer Mutter Handschellen, Knebel und eine Peitsche gefunden. Zweifellos waren das Utensilien, mit denen sie ihre Gefühle der Unterdrückung sichtbar machen wollte, jedoch bremste ihre Herzensgüte sie dabei, ihren Hilfeschrei so zu offenbaren. Diese erschütternde Erkenntnis festigte Victorias Entschluss, eine Weile bei ihrem Vater zu leben, damit ihre Mutter sich ganz auf ihre Beziehung mit Fred konzentrieren konnte und sich nicht gefesselt, geknebelt und ausgepeitscht fühlen musste. Victoria wurde warm ums Herz. Sie umarmte ihre Mutter noch einmal, küsste ihr auf die Wange und ging durch die Sicherheitsschleuse.

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