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Er sucht sie - Wie finde ich eine Freundin in 14 Tagen

Er sucht Sie

Irgendwann fühlt es jeder Mann. Er schaut sich um, sieht die dreckige Wäsche und die versiffte Küche, hat Hunger und Lust auf einen Blowjob, und denkt sich schließlich: Mensch, wäre echt schön, wenn ich eine Freundin hätte. Eine Freundin zu finden, ist allerdings schwer – ist schließlich nicht so, als würden Frauen einfach so auf der Straße herumlaufen. Zum Glück gibt es Ratgeber, die dem schüchternen Mann von heute dabei helfen sollen, die Liebe seines Lebens zu finden. Oder wenigstens jemanden, mit dem man zusammen sein kann, bis die Liebe des Lebens endlich mal kommt. Zu diesen gehört auch Daniel Websters „Er sucht Sie – Wie finde ich eine Freundin in 14 Tagen. Für Anfänger & Dummies“, was mit seinem Titel schon viel verspricht. (Außerdem brauchen Profis so eine Anleitung gar nicht, also streut der Zusatz „Für Anfänger & Dummies“ denjenigen, die sie nötig haben, noch Salz in die Wunde.)

Die ersten Kapitel des Buches sind vorbereitendes Motivationsgeschwafel. Glaub an dich, du schaffst es, du kannst nichts verlieren, wenn du Angst hast, willst du es gar nicht wirklich, du feige Sau, anders als in diesem Buch beschrieben klappt es nie – in diesem belehrenden Ton wird der Suchende in Form geknetet, und das auf eine so penetrante Weise, dass der Autor binnen eines Kapitels das gesetzlich erlaubte jährliche Höchstmaß an Ausrufezeichen ausschöpft und um das Dreifache überschreitet. Dazu kommen so hilfreiche Hinweise wie: „Frauen sind schön und intelligent“ oder „Jede Frau ist anders“, was man ja dem tumben Single-Kerl extra erzählen muss. Der ist ja bestimmt deswegen allein, weil er bisher Frauen für einförmige, behämmerte Buckelhexen hielt, was auch erklärt, wieso er eigentlich eine Freundin haben will.

Endlich aber beginnt das 14-Tage-Programm, an dessen Ende eine Freundin als Beute stehen soll. Und keine Sorge, obwohl am Anfang des Buches noch gesagt wurde, wie speziell und intelligent Frauen sind, wird das hier komplett aus dem Fenster geworfen. Daniel Websters Anmachtechniken gehen prinzipiell davon aus, dass Frauen bescheuert oder verzweifelt sind. Und zu blöd, die Polizei zu rufen, möchte ich hinzufügen.

Zunächst baut Webster aber einen roten Faden auf, eine Aufgabe, die für jeden Tag gleich ist. Und die ist, täglich mindestens zehn Frauen zu belästigen. Er redet von ansprechen, aber im Laufe des Buches merkt man, dass er lästig wie eine Scheißhausfliege ist. Außerdem soll man sich einen dicken Stapel Visitenkarten drucken lassen, die man dann in der Fußgängerzone verteilt.

Visitenkarten
Für andere sind es Visitenkarten, für mich sind es Muschiköder.

Okay, ich kann verstehen, wenn man jemandem solche Übungen verordnet, um sein Selbstbewusstsein im Umgang mit dem anderen Geschlecht zu steigern. Aber Webster will, dass man jede Frau anmacht, die nicht bei drei auf dem Baum ist. Vielleicht ist es sowieso absurd, die „Frau des Lebens“ mit Tipps von jemandem zu finden, der im ganzen Buch davon schreibt, wie viele Weiber er schon rumgekriegt hat, und von Dutzenden Beziehungen tratscht.

Einige der allgemeinen Tipps sind schon so peinlich, dass man sich fragen muss, in welchem Universum Webster eigentlich lebt. Einer der Tipps lautet ungelogen: Lerne jeden Tag fünf bis zehn Witze auswendig. Der Grund? Webster glaubt, dass man besonders intelligent wirkt, wenn man über 100 Witze auswendig kennt. Ehrlich.

Witzig und humorvoll zu sein kann man nicht erzwingen, aber Frauen werden Sie nicht wegen der Witze bewundern, sondern wegen Ihres guten Gedächtnisses und der Intelligenz. Stellen Sie sich vor, Sie kennen 100 oder 200 Witze auswendig!

Genau, man stelle sich das nur vor! Aber hoffentlich zieht man sich keine Hirnzerrung zu, wenn man sich diesem utopischen Gedanken hingibt und ihn greifbar zu machen versucht. Und was hat Webster so als Beispiel zu bieten? Passt auf, das ist ein Knaller:

„Vati, ich habe mir ganz alleine eine Geige gebaut.“
„Sehr tüchtig, mein Sohn. Und woher hast du die Saiten dafür?“
„Aus deinem Klavier…“

Ich hoffe, es liegen jetzt nicht alle Leser japsend unter dem Tisch und kriegen keine Luft mehr ob dieses köstlichen Ulks. Die tatsächlichen Anmachtipps sind allerdings auch nicht besser, insofern passt dieser Witz wunderbar ins Buch. Die konkreten Anmachtechniken beschreibt Webster zumeist auf zweierlei Weise. Entweder prahlt er ausgiebig von seinen eigenen Eroberungen, oder aber er beschreibt Szenarien, bei denen es selten vorkommt, dass Frauen irgendwie ablehnend reagieren würden. Wie sie sonst reagieren, ist egal, die Anweisungen sind in der Form von „Sagen Sie dies. Später sagen Sie das. Irgendwann tun Sie dies.“ Und was man sagen soll, ist nahezu immer absoluter Schwachsinn, zumal Webster an die Devise „Erfolg durch Penetranz“ zu glauben scheint.

Hier mal ein (leicht verkürztes) Beispiel aus dem Buch: „Hallo Frau Schmidt! Was, Sie sind nicht Frau Schmidt? Vielleicht sind Sie es doch und wollen es nicht zugeben? Wieso eigentlich? Ach, nun bin ich mir sicher, dass Sie nicht Frau Schmidt sind. Wissen Sie warum? Weil Sie viel hübscher sind! Ach, ich kann gar nicht glauben, dass ich so eine schöne Frau durch Zufall kennengelernt habe!“ Ich möchte es vorsichtig ausdrücken, aber Frauen, die auf so eine dusslige Anmache reinfallen, würden offenbar jeden nehmen, der einen Puls besitzt.

Das erste Ziel bei jeder Frau ist, die Telefonnummer zu kriegen. Zum Glück muss man dabei keine Selbstachtung bewahren.

Wenn du mir deine Telefonnummer gibst, verspreche ich dir, dich nicht mehr als zehnmal täglich anzurufen. Ist das nicht was? Ehrlich, ich muss einfach deine Telefonnummer haben.

Ja, Frauen stehen bestimmt darauf, wenn man total verzweifelt bettelt. Zum Glück liefert Webster auch gleich noch passende Tipps, wenn man die Telefonnummer nicht bekommt und ihr daher eine Visitenkarte aufschwatzt:

Wissen Sie, manchmal fühle ich mich so allein, obwohl ich viele Freunde habe… Rufen Sie mich einfach an und wenn ich zu langweilig bin, können Sie immer noch den Hörer auflegen und mich für immer vergessen. Ich werde Sie dagegen nie vergessen können.

Genau, nie vergessen. Ebenso wie die anderen 139 Damen, die man im Laufe der zwei Wochen mindestens anbaggern soll. Wer es ein wenig fröhlicher mag, kann auch folgendes sagen:

Ich meine es wirklich ernst mit dir. Ruf mich doch an, wenn du Zeit dafür findest. Ich habe um jeden Preis versucht, komisch zu sein, nur um meine Schüchternheit zu verbergen. Ob es mir gelungen ist, weiß ich nicht. Mein Großvater war ein großer Künstler, er war nämlich ein Clown!

Sein Enkel war dagegen eine Verschwendung von Blut, Fleisch und Organen, schätze ich. Wie auch immer, das Ziel ist es, jede Menge Telefonnummern zu sammeln, um jeden Abend mindestens zwei Frauen anzurufen. Zum Glück weist Webster auch darauf hin, dass man – falls man in der Disco keine Nummern bekommt – notfalls auch eine attraktive Arbeitskollegin anrufen kann, um ihr zu erzählen, dass man seit Monaten unsterblich in sie verliebt sei. Kein Witz: Es steht tatsächlich „notfalls“ an der Stelle im Buch. Moment, gab es nicht am Anfang des Buches bestimmte Verhaltensweisen, die man unbedingt verinnerlichen sollte? Richtig:

- ehrlich zu sein – zählt immer. Auch von sehr großer Wichtigkeit.

- manchmal auch traurig zu sein – Frauen sind sehr gefühls- und mitleidsvoll, was Sie nutzen können, aber auf keinen Fall ausnutzen oder missbrauchen sollen!

Fick dich, Webster.

Wer jetzt denkt, dass das alles blöd, aber harmlos ist, der irrt sich. Webster gibt nämlich auch Tipps, die bei nicht wenigen Frauen statt Geilheit eher Misstrauen oder gar Angst hervorrufen dürften. Eine kleine Kostprobe bekommt man schon bei einer Anekdote, in der Webster erzählt, dass er eine Frau, die nicht von ihm angebaggert werden wollte, mit einem pampigen „Was hast du für ein Problem, Mädchen?“ in die sexuelle Unterwerfung quasselte. Der allgemeine Ratschlag, nie auf eine Ablehnung zu hören und jede Frau mindestens dreimal zu fragen, dürfte selbstbewusste Damen hingegen zu einem Tritt in die Weichteile verführen.

Eher schäbig ist auch der Tipp, Frauen regelmäßig an ihrem Arbeitsplatz zu belästigen – Verkäuferinnen und Angestellte können schließlich nicht einfach weglaufen. In solchen Umgebungen wird Webster aber richtig unheimlich: Man soll die Damen dann erst einmal unauffällig bespitzeln und sich Notizen zu ihnen machen, um bei ihnen besser landen zu können. Ebenso gibt er den Rat, unbekannten Frauen einfach auf Verdacht wiederholt Blumen zu schicken. Spätestens hier sollte man sich fragen, ob Anti-Stalker-Gesetze damals seinetwegen verabschiedet wurden.

Aber hey, am Ende hat man doch eine „schöne, zärtliche, intelligente, erotische und nach Ihrem Geschmack aussehende Freundin“, oder nicht? (Schön UND nach meinem Geschmack aussehend. Wow.) Ich würde nicht darauf wetten. Schauen wir uns das ganze Prozedere doch mal an: Die ganze Strategie von Webster basiert darauf, dass man die ganzen zwei Wochen lang so viele Frauen anbaggert, dass man irgendwann die Auswahl zwischen denjenigen hat, deren Selbstachtung durch die hartnäckigen Anmach- und Stalkerversuche vollkommen zerstört wurde. Eine von denen kann man sich dann aussuchen. Und egal wie oft man jemandem erzählt hat, dass man sich unsterblich verliebt hätte und es ernst meine – man hat es auch Dutzenden anderer erzählt, also welche Chance hätte eine Beziehung, bei der die emotionale Bindung seinerseits auf der Begeisterung darüber beruht, dass seine Ische sich nicht mehr traut, seine Avancen abzuwehren? Jede Frau, die auf Websters Masche reinfällt, tut mir leid. Jeder Kerl, der sie anwendet und tatsächlich bis zum Ende durchzieht, ist einfach nur ein Arschloch.

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