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Terrorismus für Idioten

Die Gefährlichkeit eines Idioten steigt direkt proportional mit der Anzahl der Personen, mit denen der Idiot interagiert. So ist also ein kleiner Dorftrottel weniger gefährlich als zum Beispiel ein bekloppter Innenminister. Und seit dem 11. September haben bekloppte Innenminister ja Hochkonjunktur, und das nicht nur in den USA. Im Namen der Terrorbekämpfung werden nach und nach immer mehr Freiheiten abgeschafft, bis man sich fragt, was die Terroristen eigentlich noch kaputtmachen können, da so ziemlich alles Lebenswerte schon von der eigenen Regierung in die Wicken gehauen wurde. Und gerade in den letzten paar Wochen ist der Kampf gegen den Terror bar jeder Intelligenz wieder auf einem Höhepunkt angelangt.

Nehmen wir zum Beispiel den Terrorplot, der die britischen Flughäfen vor einigen Wochen lahmlegte. Seitdem sollen Flüssigkeiten an Bord von Flugzeugen verboten werden, weil die Sprengstoffe direkt an Bord aus an sich eher harmlosen Stoffen zusammengemischt werden könnten. Und am besten sollten auch Elektrogeräte in Flugzeugen verboten werden, denn Ipods waren angeblich als Zünder vorgesehen. Auch wenn’s die ganzen angeblichen Sicherheitsexperten nicht hören wollen: Ihr seid total bekloppt und gehört eigentlich wegen akuter Dussligkeit eingesperrt, da die Terroristen mit diesem Plan ganz sicher auf die Fresse gefallen wären.

Sehen wir uns zum Beispiel die Sprengstoffe an, die in der ganzen Diskussion genannt wurden. Top-Favorit war TATP alias Triacetontriperoxyd, ein binärer Sprengstoff, der aus Wasserstoffperoxyd und Aceton gebildet wird. Wasserstoffperoxyd – damit bleicht man doch Haare, nicht wahr? Und Aceton gibt’s zum Beispiel im Nagellackentferner. Trotzdem ist die Sache weitaus schwieriger als man denkt. Zum einen braucht man nämlich recht konzentriertes Wasserstoffperoxyd, das man nicht einfach in der Apotheke kriegt. Und wer die handelsüblichen Mischungen durch Abkochen konzentrieren will, der hat gute Chancen, sein Haus dabei niederzubrennen. Zum zweiten braucht man für die Sprengstoffherstellung auch noch eine Säure als Katalysator. Und schon hat man drei Flüssigkeiten, die man irgendwie an Bord schmuggeln soll. Wer mag, darf natürlich das Peroxyd und das Aceton schon vorher zusammenschütten, denn den Platz im Handgepäck braucht man für ein paar ordentliche Thermotaschen mit Kühlakkus.
Wenn sich der Terrorist nämlich auf die Flugzeugtoilette zurückzieht, um ein paar Ungläubige in die Luft zu sprengen, muss er die Herstellung seines TATP kühlen, damit er nicht einfach nur einen kleinen Wumms im Klo entfacht, der das Flugzeug ziemlich unbeeindruckt lässt. Die Säure muss tröpfchenweise und unter dauerndem Rühren hinzugegeben werden, wobei diverse Dämpfe (die so ziemlich wie Tränengas wirken) entstehen. Das muss der Terrorist aber abkönnen, ebenso die entnervten Passagiere, die sich fragen, warum ein Idiot mehrere Stunden lang das Klo besetzt hält und augenscheinlich Giftgas ausscheidet – weniger Zeit sollte man nicht veranschlagen für die ganze Aktion. Nachdem man nun also genug TATP erzeugt hat (hat Ähnlichkeit mit Kristallzucker), muss also nun der Ipod benutzt werden, um das Zeug zu zünden. Der einfachste Weg ist, kräftig damit auf den Sprengstoff zu schlagen. Ehrlich. Geht aber auch mit Schuhen oder sonstigen harten Dingen. Das erklärt übrigens auch, warum man nicht fertiges TATP ins Flugzeug schmuggeln kann. Höchstwahrscheinlich sprengt man sich damit schon unabsichtlich in die Luft, sobald man versehentlich im Bus zum Flughafen einen Fahrgast anrempelt. Diese ganzen Schwierigkeiten gibt’s auch bei den anderen Sprengstoffen, die in Frage kämen.
Ich möchte es also mal so ausdrücken: Wer in einem Flugzeug sitzt und zulässt, dass auf dem Klo stundenlang ein Alchimist seine Experimente durchführt, der hat auch den Tod verdient.

In Deutschland hingegen macht man sich Sorgen über Bomben in Zügen, angeblich weil zwei Libanesen ihre Kofferbomben am Bahnhof in Koblenz vergessen haben. Ich hingegen glaube, die Deutschen wollen sich auch mal so wichtig fühlen wie die Spanier oder Engländer, die wirklich schon Terroranschläge auf Züge erleiden mussten, obwohl die Deutsche Bahn es schon aufgrund ihres Tarifsystems mal verdient hätte. Blöderweise haben echte Bombenexperten nämlich schon kurz nach dem Fund der Bomben gemeint, dass sie selten so stümperhafte Arbeit gesehen hätten, also die deutsche Terrorzelle wohl kaum zu Bin Ladens Elite zu zählen ist. Dafür sind die Deutschen in Panikmache unübertroffen, so fand zum Beispiel laut Medienberichten eine Putzfrau in einem ICE eine Bombenattrappe mit „täuschend echt aussehender Zündvorrichtung“. Nun bin ich kein Mensch, der einer Berufsgruppe automatisch ein intellektuelles Defizit unterstellt, aber dass eine Putzfrau eine selbstgebastelte Zündvorrichtung von einem selbstgelöteten Transistorradio unterscheiden kann, wage ich mal schwer zu bezweifeln. (Ich könnte ja testweise mal einen ollen Funkwecker mit Klingeldraht verzieren, die Drahtenden in ein paar Gramm rotbraune Knetmasse stecken und bei Putzfrauen eine Umfrage machen, was das ihrer Meinung nach darstellt.)
Hier in Potsdam wurde letztens stundenlang Bombenalarm gegeben, weil der Chef des Vereins zum Wiederaufbau der Garnisonkirche beim Vereinstreffen einen herrenlosen Koffer auf dem Gehweg gesehen hat. Normalerweise müsste die Logik einem sagen, dass ein ziemlich popliger Traditionsverein wohl kaum ein lohnendes Ziel für terroristische Anschläge ist. Aber in dieser panikdurchfluteten Welt wurden natürlich gleich Spreng- und Wachtmeister geholt, die dann nach mehreren Stunden feststellten, dass sich im Koffer nur Zeitungen und Geschirr befanden.

Und so zeigt sich, dass man für terroristische Anschläge eigentlich den ganzen Bombenquatsch nicht braucht. Prinzipiell reicht nur ein Koffer, den man stehen lässt, ein wenig Mehl, welches man per Brief verschickt, einen Ipod, den man ins Flugzeugklo schmeißt oder einen blöden Spruch á la „Ich hoffe, Sie gehören zu den 72 Jungfrauen, die im Himmel auf mich warten“, den man zur Stewardess kurz nach dem Abheben sagt, um das Leben von vielen hundert oder gar tausend Menschen zum Stillstand zu bringen, da allein die Panik und die Sicherheitsmaschinerie mittlerweile vollkommen unabhängig von gesundem Augenmaß anspringen. Für die Terroristen sind das tolle Nachrichten, denn sie wollen uns wahrscheinlich gar nicht alle umbringen. Sie wollen, dass wir Angst haben. Sie wollen, dass wir unser Leben nicht mehr so leben können wie bisher. Und sie wollen vermutlich auch nicht mehr für mieses Bombenbasteln ausgelacht werden.

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