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Bob & Linda: Der Hochzeitsmord

Kevin Plotkowiak war etwa 25 Jahre alt, kräftig gebaut, aber nicht dick. Offenbar hatte ihn schon früh der Haarausfall geplagt, weswegen er gleich den ganzen Kopf rasierte. Und im Moment saß er vor Bob und Linda im Vernehmungszimmer und lächelte die beiden Polizisten freundlich an.

»Wie kann ich Ihnen helfen?«, fragte er arglos.

»Kennen Sie einen Rupert Porter?«

Kevin kaute auf der Unterlippe herum, während er angestrengt nachdachte.

»Nein, noch nie gehört«, antwortete er schließlich.

»Und eine Paula Blenkhorn?«

Wieder schüttelte er den Kopf.

»Tut mir leid, sagt mir auch nichts.«

Bob und Linda schauten sich an. Es war nicht zu erwarten, dass ein Verdächtiger sich einfach ans Messer liefern würde, aber dieser hier schien so aufrichtig zu sein, dass die Zweifel an seiner Verwicklung in die Sache mit jeder Sekunde größer wurden.

»Gibt es irgendwen, mit dem Sie Streit haben?«, fragte Linda.

Kevin guckte, als wenn Streit für ihn ein vollkommen unbekanntes Konzept wäre.

»Ich komme eigentlich immer gut mit jedem aus. Bei uns auf dem Dorf und in der Firma müssen wir uns ja alle gegenseitig unterstützen. Da ist gar kein Platz für ernsten Streit.«

»Und außerhalb des Dorfes?«, wollte Bob wissen.

»Da kenn ich eigentlich kaum jemanden. Wir fahren immer mal wieder raus und reparieren die Maschinen für fremde Leute, aber da lernt man die Kunden ja auch nur oberflächlich kennen.«

Bob nickte. Ganz offensichtlich hatte Kevin wirklich mit der Sache nichts zu tun. Die Frage war nur, wie sein Name ins Bewusstsein einer Hochzeitsgesellschaft geraten war, mit der er nie was am Hut hatte.

Linda zog ein Gruppenfoto der Hochzeitsgesellschaft aus dem Ordner vor ihr und legte es vor Kevin auf den Tisch.

»Schauen Sie sich das Foto ganz genau an. Erkennen Sie irgendwen darauf?«

Eigentlich wollte sie lediglich wissen, ob Kevin Rupert oder Paula am Aussehen erkennen würde, wenn er schon ihre Namen nicht kannte. Es war aber übliche Taktik, Fotos oder Fotosammlungen mit mehreren Personen vorzulegen, um Beeinflussungen zu minimieren, die einen Zeugen dazu bringen könnten, eine bestimmte Person zu identifizieren, nur weil der vernehmende Beamte es unterschwellig suggeriert.

Konzentriert blickte Kevin auf das Foto. Plötzlich runzelte er die Stirn und rückte näher.

»Die hier!«, rief er und tippte mit dem Finger auf eine Person.

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