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Die Härte (und Feuchte) des Gesetzes

Der Paragraph 184 im deutschen Strafgesetzbuch verbietet es, Minderjährigen pornographische Werke zugänglich zu machen. Und nun wollte ich endlich einmal wissen, wie dieses Verbot begründet wird. Offenbar soll der Anblick von Geschlechtsteilen Jugendliche moralisch und sozialethisch negativ beeinflussen. Aber warum?

Klumpfuß
Kranke Füße darf ich zeigen,
gesunde Mumus nicht.

Ich machte mich auf die aufwändige Suche (jedenfalls so aufwändig das nur geht, ohne den Computer verlassen zu müssen), und ich fand nichts. Keine Erwähnung des Massakers von El Labia, bei dem im 19. Jahrhundert vierhundert britische Soldaten von einem brutalen Amazonenvolk mit den Vaginen erstickt wurden. Auch nichts über die Unruhen 1976 in New Jersey, als eine Gruppe Nonnen von wütenden allein erziehenden Vätern mit erigierten Penissen grün und blau geschlagen wurde. Und natürlich gab es keine Berichte über das friedliche Fischerdorf Priapis, welches von einem Tsunami aus Vaginalsekreten und Sperma vernichtet wurde, bei dem alle Einwohner qualvoll ertranken. Ursache war übrigens eine wilde Party im benachbarten Landschulheim.
Einerseits überraschte mich die mangelnde Datenlage überhaupt nicht, schließlich hatte ich mir diese Vorkommnisse nur ausgedacht. Generell scheint es aber so gut wie unbekannt zu sein, dass Geschlechtsteile als Mordwerkzeuge missbraucht werden. Buttermesser werden da schon häufiger benutzt, um missliebige Menschen um die Ecke zu bringen, wie wir Kriminologen sagen. Dennoch darf man allen gegenläufigen Gerüchten zum Trotz auch Minderjährigen Buttermesser zeigen - ob das jetzt erziehungswissenschaftlich so klug ist, sei mal dahingestellt.

Bukkake
Nein, das ist NICHT die
japanische Yakult-Flasche.
Bukkake gibt es nur
frisch gezapft.

Die Auswirkungen der Pornographiebeschränkungen sind allerdings überdeutlich sichtbar im Aufklärungsmangel der Jugend (der ja bereits durch diese Webseite dokumentiert wird). Wie soll denn die kleine Susi ohne Bildmaterial lernen, dass sie nicht vom Küssen mit dem Nachbarsjungen schwanger geworden ist, sondern dank des Ferkelkrams, den sie danach mit ihm getrieben hat? Nach meiner Erfahrung tun sich Jugendliche jedenfalls schwer damit, selbst einfachste verbale Erklärungen des Geschlechtsverkehrs wie etwa "den Lachs reinhängen" oder "die Chromosomenrakete in den Fleischbunker feuern" zu verstehen. Und ohne optische Lehrmittel gibt es auch für die zarte Stefanie nur die Möglichkeit, praktisch zu lernen, dass Bukkake nicht der original japanische Name von Yakult ist.
Noch schlimmer sieht es bei den Jungen aus. Ab dem 14. Lebensjahr dürfen Jugendliche in Deutschland bekanntlich Geschlechtsverkehr haben. Jedoch sind sie dabei oft absolut unvorbereitet, so dass jährlich tausende Jungen vor der Vagina ihrer Freundin liegen und wie ein Schwein ins Uhrwerk gucken, da sie weder gelernt haben, dass sie die Klitoris stimulieren sollten, damit die Vögelei für ihre Lebensabschnittsgefährtin auch ein Genuss wird, noch wo diese Klitoris überhaupt ist. Das Resultat sind nicht nur jährlich tausende frustrierte Mädchen, die einen Orgasmus vorspielen, damit dieses laienhafte Gefummel in ihrem Intimbereich aufhört, sondern auch tausende Jungs, die - unfähig, das Schauspiel als solches zu entlarven - sich für die größten Stecher des Universums halten und nicht die Bohne daran denken, ihre Befriedigungstechnik in den nächsten Jahren mal einer gründlichen Überarbeitung zu unterziehen.

Die inhaltliche Qualität von Pornofilmen, die durchaus in den meisten Fällen ziemlich unterirdisch ist, ist wohl keine Erklärung für den Paragraphen 184. Obgleich die Frauen in Pornos mehrheitlich als stupides Fickfleisch dargestellt werden, wird die vermeintliche Frauenfeindlichkeit dadurch ausgeglichen, dass die Männer durchweg als hormongeschwängerte, hässliche und strunzdumme Bumsmaschinen zu sehen sind. Das ist für beide Geschlechter nicht schmeichelhaft. Dennoch dürfen Pornos, aus denen alle Penetrationen und Großaufnahmen mehr oder weniger kampfbereiter Geschlechtsteile entfernt wurden, im Nachtprogramm der Privatsender gezeigt werden, wobei die Frauen- und Männerfeindlichkeit nur unwesentlich durch derartige Zensurmaßnahmen gemindert sein dürfte, wenn man lediglich hört, dass der stramme Rokko der devoten Schlucksau Kate mit den unheimlich bekloppten Worten "Oh ja, jetzt kriegst du's, du dreckige Schlampe" seinen Riemen aus dem Mund zieht und seinen Liebessaft über ihr Gesicht spritzt, anstatt die Szene in voller Pracht zu zeigen. Dürfte man diese filmischen Großleistungen offen präsentieren, könnte man den Jugendlichen wenigstens erklären, dass so nur absolute Vollidioten pimpern.

Doch ich glaube daran, dass unser Staat schon einen Grund haben wird, trotz all dieser Nachteile den Zugang Minderjähriger zu pornographischen Schriften zu verhindern. Schließlich wäre es ja wirklich zu irre, wenn unsere politischen Vertreter einfach nur verklemmt wären und Probleme mit Sexualität hätten, obwohl sie gerne ihre Frauen schlagen, betrügen und selbst einmal entstanden sind, weil Papa ganz doll Lust auf Mama hatte. Oder?

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