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Couponing Extrem

Und was sagt die Sendung nun über die Einkaufsrealität in den USA aus? Kann man tatsächlich mit Coupons so viel Geld sparen? Natürlich nicht. Die Produktionsfirma stiftete die Supermärkte regelmäßig dazu an, ihre Regeln bezüglich der Annahme der Coupons für die Dreharbeiten zu lockern, weswegen solche Ausschlusskriterien wie „Nur 1 pro Einkauf“ oder „Kann nicht mit anderen Rabatten kombiniert werden“ bei den gezeigten Einkäufen so gut wie nie eine Rolle spielten. Auch die Verdopplung von Coupons, die häufig in den Episoden für besonders enorme Ersparnisse sorgt, ist in diesem Ausmaß eine Fiktion des Fernsehens. Blöderweise waren offenbar selbst die Supermärkte, in denen gefilmt wurde, nicht drauf vorbereitet, dass ihre regulären Einkäufer so etwas dann auch erwarten würden.

Und damit nicht genug: Einige Coupons, die ausdrücklich für niedrigpreisige Produkte gedacht waren, aber dank eines fehlerhaften Strichcodes beim Einscannen auch auf höherpreisige Produkte angewendet werden konnten, wurden gerne von den Couponjägern für letztere benutzt, um so die Ersparnis hochzutreiben. Das ist beschissen für den Supermarkt, dem der Hersteller in so einem Fall nicht den Couponwert erstattet. (Deswegen kündigten einige der Supermärkte an, die Sendung nie wieder bei sich filmen zu lassen. Dass sie es überhaupt taten, ist wohl darauf zurückzuführen, dass es eher kleine und meist unabhängige Läden waren, die gegen große Konkurrenten wie Walmart und Kmart bestehen müssen und normalerweise über jede Werbung froh sind.)

Es geht aber noch krimineller: Ein Student „bezahlte“ 408 Rollen Klopapier mit gefälschten Coupons aus dem Internet; die Kasse akzeptierte sie in der Episode nicht, aber der Kassierer wurde angewiesen, sie per Hand einzugeben. Die Mutter des Studenten musste nach den Dreharbeiten über 400 Dollar an den Laden zahlen, um ihren sauberen Sohn rauszuboxen.

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Er erzählt davon, dass er auf Urlaub in Mexiko war und sich wie im Gefängnis fühlte, weil er kein Couponing betreiben konnte. Ist wohl gut, wenn er sich schon mal an dieses Gefühl gewöhnt.
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Klarer kann man eigentlich nicht offenlegen, dass man klaut. huh.gif
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Damit das klar ist: Das ist kein Einkauf, sondern ein Raubzug.

Ein anderer Couponer – übrigens ein Theologiestudent – bekam in seinem zweiten Auftritt in einer All-Stars-Folge der Sendung 200 Flaschen Flüssigwaschmittel für 200 Gutscheine. Zu blöd: Diese Coupons gab es als Werbeaktion im Viererpack, wenn man eine Waschmaschine kaufte. Es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass der Mann kurz vorher 50 Waschmaschinen für über 16.000 Dollar gekauft hat, um später mal bei einem Einkauf 800 Dollar zu sparen, zumal den Gutscheinen, die er beim Einkauf verwendete, auch noch das Sicherheitshologramm der Originalcoupons fehlte. Ob er dann wenigstens nachgezahlt hat, ist leider nicht bekannt, aber ich gehe davon aus, dass er inzwischen eine weiße Weste hat. Ansonsten wäre das Waschmittel ja echt nutzlos.

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Hahaha, Gott vergibt alles, nicht wahr? awesome.png

Das Fazit des Ganzen: Der Sender bescheißt die Zuschauer für die Quote, die Supermärkte bescheißen die potenziellen Kunden für die Werbung, die Couponer bescheißen die Supermärkte für genug Waschmittel, um darin eine Schulklasse zu ersäufen. Man kann also immerhin sagen, dass man eine Lektion gelernt hat. Vielleicht ist TLC doch immer noch „The Learning Channel“.

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