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Das Todesschwert der Ninja

Manche Regionen der Erde haben ein recht spezifisches Profil, was die Ergebnisse ihrer Filmwirtschaft angeht. Bollywood produziert ausufernde Dramen, in denen alle fünf Minuten ausgiebig gesungen und getanzt wird, Deutschland hat früher Fickelfilme und doofe Komödien gemacht, während es heute Dramen (über seine früheren Diktaturen) und doofe Komödien macht. Und bei chinesischen Filmen denkt man sofort an Filme, in denen sich Leute kunstvoll verdreschen. Bruce Lee, Jackie Chan und Stephen Chow sind nur einige Namen, die den chinesischen Film groß gemacht haben.

Die beiden DVDs

Ich bespreche allerdings einen Film, mit dem keiner der genannten Personen etwas zu tun hatte. Und es würde wohl auch niemand behaupten, dass „Das Todesschwert der Ninja“ ein großer chinesischer Film wäre. Stattdessen ist er – wie in dieser Rubrik üblich – einfach nur ganz großer Schrott. Das fängt schon bei der Bildqualität an. Der ganze Film sieht aus, als hätte man ihn mit einer billigsten VHS-Kamera aufgenommen. Selbst „Daniel, der Zauberer“ sieht deutlich schärfer und besser aus als das, was einem hier als professioneller und international vermarkteter Film vorgesetzt wird. Es gibt von der DVD übrigens zwei Versionen. Die eine sieht so aus, wie man es von einem billigem Asia-Film erwarten würde. Die andere hat ein edel aufgemachtes Cover, schicker aussehende Menüs und eine etwas bessere Bildqualität. Ich schwanke, ob das tatsächlich besser ist oder ob das nicht vielmehr falsche Erwartungen weckt. Aber kommen wir endlich mal zum Film selbst.

Ein junger Kampfsportler sitzt konzentriert in einem Raum und starrt die Samurai-Schwerter an. Nichts passiert, außer dass der Kameramann erst einmal ausgiebig seine Kamera ausprobiert und mit dem Zoom herumspielt. Doch endlich kommt ein Faden ins Bild, an dem Säure heruntertropft. Da hält es den Burschen auch nicht mehr im Schneidersitz, gekonnt greift er nach seinem Schwert und macht erst einmal einen Breakdance durch den Raum. Er wehrt ein paar Wurfdolche ab und kämpft dann mit einem weißen Ninja, der unvermittelt ins Bild springt.

Das Todesschwert der Ninja Beamtenmikado - Wer sich zuerst bewegt, hat verloren.
Das Todesschwert der Ninja Genießt den Anblick. Das ist die einzige Szene, in der irgendwelche Schwerter vorkommen, trotz des Filmtitels.
Das Todesschwert der Ninja Ich glaube, schwarz ist eine bessere Farbe für einen Ninja. Dann sieht man auch das Blut nicht so.

Schließlich nimmt der weiße Kämpfer seine Mütze ab. Es ist der altehrwürdige Meister des jungen Burschen, der seine Kloppkompetenz testen wollte, da er einen gefährlichen Auftrag für ihn hat. Nebenbei erfahren wir, dass der Protagonist David heißt und – wie könnte es bei dem Namen anders sein – Japaner sein soll. Jedenfalls: David ist einer der besten Streber der Ninja-Schule, und für seinen Auftrag braucht er mehr als Jiu-Jitsu und mehr als Nin-Jitsu, denn seine Gegenspieler sind chinesische Kämpfer, die die Kunst des … au nee, oder? *seufz* Sie beherrschen die Kunst des „Hokus Pokus“. David fühlt sich jetzt wohl auch etwas verarscht und fragt zu Recht, warum ein Japaner nach China fahren soll, um sich da mit Kung-Fu- und Hokus-Pokus-Kämpfern anzulegen. Offenbar hat sich ein Wissenschaftler namens Tanaka mit einer gefährlichen Formel nach China abgesetzt und soll von David zurückgeholt werden, bevor er seine Formel an feindliche Mächte verkaufen kann, die die Zerstörung der ganzen Welt planen. Scheinen ja keinen Selbsterhaltungstrieb zu haben. David protestiert natürlich, weil er ganz alleine die Welt retten muss. (Wir erinnern uns: Er ist einer der besten Schüler dieser Kampfschule, nicht der beste Schüler. Warum schickt man nicht einen der anderen besten mit? Oder gleich zwei oder drei? Ich mein, es geht um die ganze Welt. Sei nicht so knauserig, Sensei!) Der Meister schmiert ihm aber ordentlich Honig um den Bart und erzählt ihm, dass er das schon schaffen wird, und jetzt soll er aber erst mal mit dem Rumzicken aufhören und seinen Arsch nach Taiwan bewegen.

Das Todesschwert der Ninja "David, die Sache ist so wichtig, dass wir nur einen einzigen Mann schicken, um die Welt zu retten. Wage es ja nicht, das zu versaubeuteln!"

Dort landet gerade Tanaka, der am Flughafen sofort seinen Kontaktmann trifft. Gut, sofort ist relativ, man hat die Szene großzügig mit vielen Heimvideoaufnahmen vom Terminal aufgeplustert. Als die beiden gerade ins Auto einsteigen wollen, kommen jedoch üble Schergen an und zerballern sowohl die Reifen als auch den Fahrer des Gefährts. Damit habe man jedoch gerechnet, erzählt der in geschmackvollem Gelb gekleidete Herr, während ein Lieferwagen anrauscht und die beiden aufnimmt. Die Typen, die sich gerade große Mühe gegeben haben, die Abfahrt zu verhindern, wollen offenbar die Verfolgung aufnehmen – zu doof allerdings, dass sie dafür anscheinend ausgerechnet die Karre benutzen wollen, deren Reifen sie vor ein paar Sekunden noch selbst zerschossen haben. Man kriegt heute aber auch kein gutes Personal mehr.

Das Todesschwert der Ninja Ihr vermisst bestimmt schon die dezente Kleidung aus der ersten Szene. Glaubt mir, es kommt noch schlimmer.
Das Todesschwert der Ninja "Los, rein da! Immer, wenn ich länger als fünf Minuten in der Öffentlichkeit bin, will mich jemand wegen meiner Augenkrebsjacke töten."
Das Todesschwert der Ninja Goodyear-Reifen sind nicht kugelsicher? Ich bin entsetzt. Entsetzt!
Das Todesschwert der Ninja "Ha, wie gut, dass wir im nichtsozialistischen Ausland sind. Daheim hätten wir zehn Jahre auf einen Ersatzwagen warten müssen."
Das Todesschwert der Ninja Ihr werdet noch feststellen, dass viel zu viele Leute in dem Film kurze Hosen tragen.

Im Lieferwagen unterhält sich derweil ein Russe mit dem doch recht verängstigten Tanaka und verspricht ihm Schutz, wenn dieser mit den Russen zusammenarbeitet. (Es ist gerade 1988, also noch mitten im Kalten Krieg.) In der russischen Botschaft (würde mich wundern, wenn es da eine gäbe) klingt die Sache nicht mehr so ganz nach gegenseitiger Partnerschaft. Martin (sollte er nicht Wladimir oder Pjotr oder Aljoscha oder so heißen?) erzählt Tanaka, dass jeder Popelstaat jetzt hinter ihm und der Formel her wäre. Tanaka bittet um Erklärung des Fachterminus „Popelstaat“, aber Martin informiert ihn nur darüber, dass Tokio ihm einen Ninja auf den Hals gehetzt hätte und außerdem die Polizei hinter ihm her wäre. Und das alles wegen einer bakteriologischen Formel. Uhm, was? Ich dachte, für biologische Kriegsführung braucht man Bakterien, keine Formeln. Wäre das nicht eher was für chemische Waffen? Ach, ist ja eh egal. In dem Film denkt eh keiner über irgendwas nach.

Das Todesschwert der Ninja Der Bösewicht. Und ihr dürft jetzt raten, ob ich von dem linken oder dem rechten Typen spreche.

Um ihn also zu schützen, stellt ihn Martin unter Hausarrest, womit der Wissenschaftler gar nicht einverstanden ist, weil das ja Einsperren wäre und so. Es mag jeder so seine eigenen Präferenzen haben, aber in einer gemütlichen Botschaft zu sitzen, ist in meinen Augen vielleicht doch besser, als draußen eine Kugel in den Schädel zu kriegen. Martin informiert ihn aber auch noch, dass Tanakas Familie ja immer noch in Japan sitzt und man da schnell eine kleine Hinrichtung organisieren könnte, wenn er sich als unkooperativ erweisen sollte. Tanaka darf darüber jetzt erst einmal allein nachdenken. Er nutzt die Zeit, indem er einen wehrlosen Sessel verprügelt, und zwar mit Zeitlupe und in Großaufnahme.

Das Todesschwert der Ninja Ihr dachtet wohl, das wäre ein Witz gewesen, was?

Tanaka versucht dann trotzdem zu fliehen, allerdings traut er sich nicht, aus dem Fenster zu klettern. Als er dann aber das Zimmer auf dem traditionelleren Weg durch die Tür verlassen will, fängt er sich erst einmal einen Tritt ein. Den hat ihm etwa nicht der kommunistische Lakai namens Daniel verpasst, der Tanaka auf Befehl von Martin nicht aus den Augen lassen soll, sondern ein ebenfalls sehr speziell gekleidetes Mädel, welches sich jetzt erst einmal eine zünftige Keilerei mit dem Wissenschaftler liefert und ihn mitnehmen will. Tanaka, der gerade noch mit dem Gedanken spielte, die Fassade entlang zu klettern, um aus der „Botschaft“, die verdächtig nach einem Hotel aussieht, zu entkommen, mag jetzt aber doch nicht mehr raus. Wenigstens erklärt das Mädchen, warum es so sickig auf Tanaka ist: Sie ist angeblich die Tochter von Leuten, die Tanaka im Zweiten Weltkrieg für seine bakteriologischen Experimente benutzt und getötet haben soll. Aufmerksame Leser haben vielleicht schon einen Fehler in der Logik gefunden, aber ich bitte um Geduld: Das kommt später noch zur Sprache.

Das Todesschwert der Ninja Er würde übrigens im Innenhof landen und wäre der Freiheit keinen Schritt näher.
Das Todesschwert der Ninja Farbenblindheit muss sooo schön sein.

Nun ist Tanaka doch zur Flucht bereit, allerdings werden sie von chinesischen Schlägertrupps überrascht. Tanaka, ganz Gentleman, verdrückt sich und überlässt die Prügelei der Dame mit dem Dixie-Flag-Höschen. (An anderen Frauen könnte das ja vielleicht noch sexy wirken, so in einer Wonder-Woman-Art. Aber bei ihr sieht das einfach nur potthässlich aus.) Sie schlägt sich ganz gut, der Kampf ist aber erst vorbei, als sich eine weitere Frau einmischt. Dank ihr erfahren wir, dass das bunte Mädel den traditionellen asiatischen Namen Brenda trägt und ganz ganz ungezogen war, weil sie Tanaka entkommen ließ. Die andere heißt übrigens Becky, auch nicht wirklich chinesischer. Brenda bittet Becky, nach Tanaka zu suchen, während sie sich verkrümelt, um „Onkel Mark“ alles zu berichten.

Das Todesschwert der Ninja "Nimm dies, namenloser Scherge!"
Das Todesschwert der Ninja "Boah, in was für hässlichen Klamotten läufst du denn rum?"

Becky geht einfach ihrer Nase nach aufs Herrenklo und wird dort natürlich fündig – allerdings erst, nachdem sie einen arglosen Pisser mit dem Kopf in ein Urinal stopft. Alice Schwarzer würde bei der Szene vermutlich jubeln. Scheiß Schwanzträger und so. Tanaka selbst hat sich in einer Klokabine versteckt, wird aber mithilfe eines Feuerlöschers blitzschnell ausgeräuchert. Becky schleppt ihn in den Garten der Botschaft (was offenbar niemanden der Botschaftsmitarbeiter irgendwie verdächtig vorkommt) und verdrischt ihn noch ein bisschen.

Das Todesschwert der Ninja "Du winselst? Ha, sei froh, dass du unschuldig bist, sonst könntest du noch viel mehr erleben, Bursche!"
Das Todesschwert der Ninja Er hätte nicht die Bohnen essen sollen.
Das Todesschwert der Ninja Häusliche Gewalt Männern gegenüber wird viel zu selten thematisiert. Gärtnerische Gewalt ebenso.

Woanders kriegt Brenda einen geharnischten Anschiss von Onkel Mark, der ihr ins Gedächtnis ruft, dass Tanaka ein Teufel ist (klar, er ist der einzige, der einen halbwegs passenden Namen hat, das muss ein Zeichen sein) und kein Mitleid verdient. Was Onkel Mark will, weiß er aber offenbar selbst nicht. Brenda soll Tanaka töten, aber gleichzeitig die Formel besorgen, damit Tanaka für seine Gräueltaten büßen kann. Ich glaube, wenn Brenda ihn tötet, ist der Teil mit dem Büßen schon halbwegs erfüllt, aber an die Formel kommt sie dann trotzdem nicht ran. Sind halt alle intelligenzmäßig nicht so gut zu Fuß, hab ich den Eindruck.

Das Todesschwert der Ninja Der sieht ja aus wie Kim Il-Sung. O_o
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