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Kategorie: Lästereien

Ich habe letztens zum zweiten Mal das NEON-Magazin gekauft. Und siehe da: Diese Ausgabe war besser als die vor etlichen Monaten. Damals fand ich ganz besonders furchtbar, dass ein Großteil der Artikel im BILD-Stil anfing. Ihr wisst schon, das sind diese Anfänge, bei denen der Autor dem Leser erst im vierten Satz ein Verb zutraut: "Russland. 40 Grad minus. Ein einsames Haus. Hier lebt Oleg Andrakow..." Die Ausgabe, die ich damals kaufte, beschäftigte sich unter anderem mit dem Thema Treue. Sämtliche Personen, die in diesem Text zu Wort kamen, waren dagegen. Interessanterweise verschwendeten die Befragten keinen Gedanken an die Gefühle des Betrogenen, sondern beschränkten sich auf ein plattes: "Wenn ich geil bin, fick ich halt rum, das liegt in meiner Natur."
In der jetzigen Ausgabe ist eine Kolumne, in der die Autorin ihre Emotionen beschreibt, als ihr Freund seine Untreue beichtet. Ich stelle fest: Auch inhaltlich ein Fortschritt.

Ich durfte in letzter Zeit in meinen Foren und Gästebüchern oft "Gratis iPod"-Einträge erblicken und hab sie alle gnadenlos gelöscht. Ich glaub ja gern, dass einige Leute ihre iPods bekommen haben. Aber wie soll das in Zukunft funktionieren? Die meisten Leute werden irgendwann gearscht sein, weil sie keine 5 Menschen mehr finden, die sich anmelden und auch noch kostenpflichtige Angebote wahrnehmen. Und ich seh nicht ein, warum ich auf meiner Seite Werbung für ein Schneeballsystem tolerieren sollte.
Das führt mich gleich zu der Frage, ob es tatsächlich Leute gibt, die diese "PS2/PSP/PC + 2 Handys für 0 Euro"-Angebote im Teleshop auch für ein grandioses Schnäppchen halten. Wenn das wirklich so günstig wäre, könnten die Firmen solche Angebote gar nicht finanzieren, was bedeutet, dass der Kunde im Endeffekt mehr zahlt als wenn er einfach so einen Handyvertrag abschließt.

Ich hab mir übrigens kurz nach Erscheinen Civilization IV geholt. Kann mir mal einer sagen, warum andere mit ihren Schiffen in mein Seegebiet dürfen, ich jedoch Krieg erklären müsste, um in ihr Gebiet zu schiffen? Bug oder ist da doch eine Logik?

ProSieben hat jetzt einen neuen Chef, Andreas Bartl (vorher Geschäftsführer bei Kabel1). Ich wage mal die Voraussage, dass ich besser wäre, weil ich auf der Stelle das Nachtquiz, die ganzen Beklopptenserien wie "Das Geständnis", "Freunde für's Leben" und "Abschlussklasse" sowie unsägliche Remakes wie "Alles über Sex" absetzen würde. Der neue Geschäftsführer ist mittlerweile zwei Tage im Amt und hat das immer noch nicht geschafft. (Jetzt komme mir bloß keiner mit "Das braucht doch seine Zeit", man sollte testweise mal ein großes Muschifoto senden - da würde innerhalb von vier Minuten ein Anruf vom Chef kommen, dass man doch lieber alte Simpsons-Folgen zeigen solle.)

Warum sind eigentlich die meisten Erotikgeschichten, die man im Internet findet, so erschreckend mies? Ich lese ab und zu welche, allerdings weicht eventuell vorhandene Erregung meistens schon nach zwei Absätzen, weil ich mich wegen der Lächerlichkeit der Geschichten gar nicht in die sexgeladene Atmosphäre reindenken kann. Stattdessen lache ich dann lieber ne Runde über die manchmal herrlich blöden literarischen Ergüsse.
Ganz besonders liebe ich ja diese Stories, in denen ein Mädchen eigentlich total genervt ist, aber sobald der Typ eine anzügliche Bemerkung macht, geradezu danach giert, seinen Schwanz im Mund zu haben. Natürlich gibt's noch mehr nervige Klischees: "Ich rammelte sie immer härter, etwa eine halbe Stunde lang, und bei ihrem sechsten Orgasmus kamen wir gleichzeitig" kann man wohl unter Wunschtraum einordnen, ein Understatement wie "mein Schwanz war nicht gerade groß, nur 23x10cm" als Wahnvorstellung. Manche Dinge tauchen natürlich nur in bestimmten Genres auf. Wenn in Teenstories ein Mädchen eine beste Freundin hat, die mehr als ausgiebig beschrieben wird, so tun sich die beiden Damen garantiert zusammen, um den Typen mit einem flotten Dreier zu überraschen. Bei Inzestgeschichten ist ein "sie war immer nur eine Schwester/Tochter für mich, aber plötzlich sah ich sie mit anderen Augen" so verbreitet, dass man an ein automatischen Satzgenerator denken könnte. Und warum müssen weibliche Firmenchefs, die spätabends den Azubi flachlegen wollen, immer blond sein und hochhackige Schuhe tragen? (Ganz davon abgesehen, dass nie eine Liege benutzt wird, sondern immer der Schreibtisch und der Kopierer.) Ach und bitte: Wenn man den Frauen in den Geschichten schon irgendeine exotische Praktik antut, dann wird sie höchstwahrscheinlich nicht nach 5 Minuten Schmerz und Qual der Meinung sein, dass das ja eigentlich doch das geilste ist, was sie je gemacht hat.
Manchmal reicht aber schon der Titel, um mich abzuschrecken. "Die samengeile Waltraut" klingt schon so unerotisch wie ein Klecks rechtsdrehender Joghurt auf dem Küchenfußboden, "Meine Ehefotze Sabine" zeugt von einem ernsthaften Emanzipationsproblem in der ehelichen Beziehung. Und wenn das Wort "brutal" im Titel auftaucht, ist es gleich vorbei mit Erotik.
Ich glaub, der Erotikstandort Deutschland ist zumindest literarisch ziemlich am Boden.

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Veröffentlicht am 19. September 2012 um 19:57 Uhr in der Kategorie "Lästereien"
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