Klopfers Link- und Lichtbild-Deponie



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#1205 von mischka

In Missouri hat man sich offenbar genau diese Frage gestellt. Und dann kann sie Idee: Zertifiziertes Personal darf an Schulen die Schüler wegen Disziplinlosigkeit verdreschen. Naja, die Amis werden wohl nicht ruhen, bis sie wieder im Mittelalter angekommen sind, oder?

PS: Die Eltern müssen den zustimmen, aber ich habe das Gefühl, das Kinder von Eltern, die den tatsächlich zustimmen, eher Unterstützung als Prügel brauchen...

Jedenfalls habe ich null Respekt vor Kollegen Arschlöchern die ihre Schüler verprügeln bzw. verprügeln lassen.

Link: [https://www.nbcchicago.com/news/national-international/a-missouri-school-district-brought-back-spanking-as-punishment-for-students/2924113/]
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ZRUF
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Ist Amerika nicht eh das Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten?

Wobei man ja leider gar nicht so weit schauen muss. Waren das hier nicht die 12 Stämme, die ihre Kinder noch schlagen?

Arschlöcher gibt es leider überall.

1
Geschrieben am
Gast
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PS: Die Eltern müssen den zustimmen, aber ich habe das Gefühl, das Kinder von Eltern, die den tatsächlich zustimmen, eher Unterstützung als Prügel brauchen...


Ja, aber diese Eltern wiederum brauchen keine Unterstützung, die bräuchten vielleicht die Prügel...

Man darf nicht vergessen, als die Aufklärung nach Europa kam, stiegen ein paar religiöse Fanatiker schnell aufs Boot und segelten nach Amerika, bevor noch die Vernunft sie ereilt. Das waren die Gründerväter der USA... was soll man da sagen? Sie wehren sich auch heute noch erfolgreich.

Immerhin wurde Henri David Thoreau aus dem Dienst als Lehrer entlassen, weil er sich weigerte die Prügelstrafe anzuwenden. Nicht alle dort sind verrückt.

0
Geschrieben am
mischka
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Arschlöcher gibt es leider überall.
Das mag sein, aber ich empfinde die Institutionalisierung des Arschlochtums als weitaus schlimmer, als die Tatsache, dass irgendwelche Einzelpersonen Arschlöcher sind.

Wenn Land A es Männern erlaubt, ihre Frauen zu verprügeln, ist sie Lage dort für die Frauen erheblich schlimmer, als in Land B, wo einige Männer trotz Verbot zu Gewalt neigen, oder?

Insofern halte ich den Satz für eine nicht zu rechtfertigende Relativierung.

Oder sagst du deiner Frau auch während der Geburt: Schmerzen haben wir alle, hast du gesehen, wie die Hebamme mit vorhin auf den Fuß getreten ist? Das tut voll weh, die soll mal besser aufpassen.

2
Geschrieben am
Rakshiir
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Die Degeneration ist doch schon seit Jahren am Laufen, wenn man ehrlich ist...

1
Geschrieben am
ZRUF
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@mischka

So war das nicht gemeint. Ging mir wirklich nur darum, dass man wirklich nicht über den großen Teich schauen muss, damit man solche Methoden findet. Wie gesagt, siehe 12 Stämme.

Dass, ich das trotzdem unsäglich finde und völlig aus der Zeit gefallen, steht auf einem anderen Blatt. Relativieren wollte ich es gar nicht.

Dummerweise gibt oder gab es lange auch hier Eltern, die körperliche Züchtigung ihrer Lendenfrüchte durch Lehrer als nützlich / nötig ansehen oder angesehen haben. Der beste Freund meines Vaters ist (inzwischen pensionierter) Hauptschullehrer in einer Kleinstadt. Zu dem sind zumindest bis recht kurz vor seiner Pensionierung immer Mal wieder Eltern gekommen, die ihm mitgeteilt haben, dass es völlig Ok ist, wenn er das King schlägt, sollte es nicht spuren.

Da fragt man sich dann halt auch. Der Unterschied ist natürlich aber, dass wie du richtig sagst, das Ganze nicht institutionalisiert ist. Aber bedenklich ist sowas trotzdem.

0
Geschrieben am
GenericNickname
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Also ob ihr (wir) alle nicht schon mal daran gedacht hätten, zumindest Strom an den Schülerstühlen anzulegen. :D

Im Ernst: Aus dem Artikel bastel ich mir eine Stunde, das wird spannend.

1
Geschrieben am
Klopfer
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Nach etwas über einem Jahr Wohnen in Spandau war ich auch so weit, regelmäßige Prügel für einige Kinder nicht mehr grundsätzlich abzulehnen.

2
Geschrieben am
mischka
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Nur weil man den Gedanken an Strom hat, muss man das aber nicht auch tun.

Wobei ich verdamt gerne an so einem Zertifizierungskurs teilnehmen würde. Mich interessiert echt, was da so Themen sind:

a) Schlagtechniken, sodass keine Spuren zurück bleiben
b) Wann ist es angemessen, ein Kind zu verprügeln (Spoiler: Immer dann, wenn ein Lehrer das sagt)

Ich würde gerne dran teilnehmen und im Rahmen einer praktischen Übung das neu erworbene Wissen beim Dozenten testen. Und zusätzlich bei allen anderen, die so ein Seminar besuchen.

0
Geschrieben am
GenericNickname
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@mischka
In meiner Klasse ist mal ein kleiner, weicher Plüschball rumgeflogen. Der wurde dann disziplinarisch-ballistisch im Klassenraummanagement eingesetzt.
(Man muss aber gut zielen. Einmal hab ich versehentlich ne Streberin getroffen. Das Entsetzen....)

0
Geschrieben am
mischka
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@GenericNickname: Das macht man eber tendenziell eher bei kleineren Jahrängen und für die habe ich mir eine App programmiert.

Die App zeichnet die Lautstärke auf. Da sie nicht geeicht ist, in der Einheit Mischka (ok, eigentlich mein Nachname, aber den verrate ich hier nicht).
Das wird dann mit Hilfe eines Graphen und dem Beamer an die Wand geworfen, sodass alle Schüler sehen können, wie sich die Klasse so schlägt.
Der Graph kann dabei grün (brave Schüler, so mag ich euch), gelb (ok, ich kann mit dem Lautstärkelevel leben, das könnte man aber verbessern), rot (ihr seid zu laut) oder lila (wollt ihr mich verarschen, ich kann das startende Flugzeug nicht mehr hören) sein. Jede zehntel Sekunde grün bringt den Schülern einen Punkt. Jede Zehntel Sekunde gelb ist neutral für den Punktestand. Jede Zehntel Sekunde rot gibt einen Minuspunkt. Jede Zehntel Sekunde lila gibt 5 Minuspunkte.

Nun habe ich den Schülern erklärt, dass ich - wenn sie ruhig mitarbeiten, viel mehr im Unterricht schaffe, und weniger Hausaufgaben gebe. Mit dieser Begründung habe ich folgende Regeln aufgestellt:

Punktzahl am Ende der Stunde (P) | Auswirkung
P >= 18.000 (also 30 Minuten grün) | keine Hausaufgaben
6.000 <= P <18.000 | Hausaufgaben werden halbiert
-1.000 <=P < 6.000 | Hausaufgaben normal
-9.000 <=P < -1.000 | Mehr Hausaufgaben als üblich
P < -9.000 | Leute, ihr habt jetzt echt ein Problem.

Ganz oben und ganz unten lande ich selten. Insgesamt kann man in einer Stunde 36.000 Punkte sammeln, oder im schlimmsten Fall 180.000 Minuspunkte.
Am Ende der Stunde werden die Punkte halbiert und in die nächste Stunde übertragen. Ich hatte noch nie so ruhige Schüler! Total lustig ist es, wenn die schon im Bereich 15-18.000 Punkten sind, und jemand aufs Klo muss. Damit die Schritte bloß nicht die App gelb werden lässt, wird dann geschlichen, es ist ein Bild für die Götter und mir fällt es schwer, mich nicht tot zu lachen, aber dann würde das Ding wohl wieder gelb werden und ich mach ihnen das nicht zunichte. Obwohl ich eine Funkfernbedienung habe, mit der ich die Messung unterbrechen kann, wenn ich rede.

3
Geschrieben am
Gast
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Gamification wirkt. Ich war ja für eine Lärmampel gekoppelt an Handballregeln. Eine Schulstunde dauert 45 Minuten. Die Zeit läuft runter, aber immer wenn die Lärmampel auf rot springt, bleibt die Zeit halt stehen, bis der Lärmpegel abgeebbt ist und erst dann läuft sie weiter. Dem Lehrer stehen immer 45 Minuten ruhigem Unterrichts zu. Aber das lässt sich nicht umsetzen, wenn noch andere Klassen und Lehrer existieren, weil es ja das ganze Gefüge durcheinander bringt. Insofern ist mischkas Ansatz deutlich zu bevorzugen, wo es diese Disziplinierung braucht.

1
Geschrieben am
GenericNickname
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@mischka
Wie Gast schon sagt, Gamification wirkt. Aber das ist schon sehr elaboriert und ich meine am STS wurde uns mal eine Website gezeigt, die das auch macht, aber mit einer Ampel. Aber ja, solche Challenges wirken eigentlich immer.
Meine wissen einfach wie das mit Hausaufgaben läuft: Wenn ich was aufgebe ist es Zeug was wir eigentlich in der Stunde machen wollten. (Ich hasse Hausaufgaben und finde sie in 95% der Fälle sinnlos)

In Info funktioniert Gamification auch, gerade bei der Programmierei. Wenn das Projekt der Stunde am Ende was interessantes macht, sind die einfach viel mehr dabei.
In Englisch hab ich mal versuchsweise "Keep Talking and Nobody Explodes" gespielt. Da kriegt man auch mal die Schüler, die sonst wenig aktiv sind.

@Gast
Störungsfreier Unterricht ist eine Illusion. Gehört einfach dazu. Du hast da zwei dutzend Hormonbündel sitzen, deren Hirne effektiv massive Baustellen sind, die auch Menschen sind die mal solche und solche Tage haben, ihr eignenes Leben, Probleme, blah blah blah.
Und das kann von jedem kommen. Ich hatte schon Tage, wo selbst eine Oberstreberin (eine 12/10 auf der Lisa-Simpson-Skala) einfach nicht wollte. Freund Schluss gemacht, Liebeskummer, Wut, Trauer, Frust. Was soll's. Kein Schüler wird je 100% geistig dabei sein. Weder in einer Stunde, noch an einem Tag, einem Schuljahr oder erst recht nicht in seiner gesamten Schullaufbahn.
Diese Ausformungen der Persönlichkeit, diese Sozialisierungen etc. sind Teil der Entwicklung und mMn damit Teil der Schule und damit der 45min.

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Geschrieben am
mischka
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Wir hatten als Schule mal das Experiment gemacht, ein Halbjahr keine Hausaufgaben zu geben.

In vielen Fächern hat das auch gut geklappt, aber in Mathematik sind bei allen Lehrern durchgängig die Noten nach unten gegangen.

Im Endeffekt müssen die Schüler einfach trainieren, sonst klappt es nicht. Ich würde gerne auf Hausaufgaben verzichten, aber dafür bräuchten wir mehr als 3 lächerliche Stunden Mathematik pro Woche (ich hatte damals 5).

Es gibt mittlerweile sogar die Idee, nur noch 2 Stunden Mathematik pro Woche zu geben, und eine Stunde Mathematik ohne Mathematiklehrer statt finden zu lassen, weil wir zu wenig Mathematiklehrer haben. Eine Stunde soll dann von irgendwelchen Lehrern gegeben werden...

0
Geschrieben am
Gast
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Witzig, dabei gab es doch mal dei Studie, die den Unterscheid der Leistung gemessen hat bei 5 Stunden MAthe versus 4 Stunden Mathe die Woche und - Überraschung - der Unterschied war signifikant... ich habe mir aber die Effektstärke leide rnicht gemerkt. JEde Stunde Mathe mehr ist eine gut investierte Stunde in die Zukunft dieser Nation. Denn auch dazu gibt es Studien, an dem Mathematisierungsgrad der Jugend lässt sich der Wohlstand einer Gesellschaft in 20 Jahren ablesen.

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Geschrieben am
O.W.
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Ja, Mathelehrer suchen ist eine große Aufgabe für Schulleitungen. Gerade seit ich mit Stundenplanung zu tun habe hätte ich auch gerne noch mehr Kollegen mit meinem Fach. Zum Glück reicht es bei uns noch für alle Klassen.

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Geschrieben am
mischka
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Ich wüsste eine Lösung: Der Staat muss in etwa genauso gut zahlen wie die Wirtschaft.

Lehrergehälter sollten grundlegend verändert werden:
1) Festgehalt wie jetzt
2) Zulage pro schriftlichem Fach wegen des Korrekturaufwandes. Für Sprachen: verdopple diese Zulage
3) Zulage, wenn es ein Fach ist, mit zu wenigen Lehrern.
4) Zulage wenn die Wirtschaft deutlich mehr zahlt um das auszugleichen.

Aktuell kriegen der Mathe Latein Lehrer, der Deutsch Englisch Lehrer mit 4 LKs und der Sport Kunst Lehrer (ja, so einen haben wir) alle das gleiche Gehalt. Ich finde das nicht ok.

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Geschrieben am
(Geändert am 27. August 2022 um 23:26 Uhr)
GenericNickname
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@mischka
Wäre ich voll dabei, hätte alle drei Zulagen.
Allerdings finde ich auch dass am anderen Ende alle Lehrer das gleiche feste Grundgehalt kriegen sollten. Eine Tarifstufe für alle bei vollem Deputat. Wer weniger Stunden macht kriegt ja dann eh anteilig weniger. Jemand mit nur einem Fach deutlich schlechter zu bezahlen obwohl dieser Lehrer seine 26h/Woche leistet, am besten noch in einem vorbereitungs- und korrekturintensiven Hauptfach ist auch daneben.

Und das mit den Stundenkürzungen ist auch in Englisch ein Problem, weswegen ich immer mehr auf "Englisch lernen lehren" setze statt traditionell Englisch zu lehren.
In meinem anderen Fach decke ich seit Anfang an 50% des Bedarfs allein ab.

Der Lehrermangel ist schon echt heftig geworden. Aber gerade in Mathe ist, oder wäre, der Seiteneinstieg eine potentiell gute Lösung, Menschen in den Unterricht bringen die praktisch mit Mathe gearbeitet haben. Aber da müssten eben die Gehälter noch etwas attraktiver werden.

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Geschrieben am
(Geändert am 28. August 2022 um 2:12 Uhr)
mischka
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Jemand mit nur einem Fach deutlich schlechter zu bezahlen obwohl dieser Lehrer seine 26h/Woche leistet,
ich mache sogar 3 Fächer, ein Halbjahr lang habe ich 4 Fächer gemacht (für das vierte Fach war meine Qualifikation allerdings mit persönlichem Interesse und der Tatsache, dass das mal ein LK von mir war erschöpft). Da ist niemand auf die Idee gekommen, mir mehr zu bezahlen, warum sollten also Kollegen mit mir einem Fach weniger kriegen???

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Geschrieben am
GenericNickname
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Weil man mit 26h die Woche nur zB Deutsch, Mathe oder Englisch, am besten noch mit BLF-Klassen und (EA-)Kursen auch richtig zu tun hat.
Oder mit nur zB Physik oder Chemie, aber dann solo (fast) die ganze Schule allein versorgt.

0
Geschrieben am
O.W.
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Ich bin auch der Meinung, dass nicht alle Fächer gleich an Aufwand sind. Und auch nicht an nötiger Qualifikation (insbesondere Mathematikdidaktik, wo selbst Leute aus dem Fach teils grottig sind).
Wenn wir mal ehrlich sind, dann sind Fächer wie Sport, Religion (bzw. praktische Philosophie) oder Kunst weit weniger Aufwand als Fächer wie Mathematik, Deutsch, Englisch oder Maschinenbautechnik.

Ich hätte nichts dagegen, wenn der Aufwand mit Korrekturen und Prüfungen in der Bezahlung Eingang finden würde.
Andererseits wusste ich, worauf ich mich einlasse und habe zu den Bedingungen meinen Beruf gewählt. Und ich empfinde das Gehalt auch nicht als so gering. Gäbe es in der freien Wirtschaft um 30% mehr als ich als Tarifbeschäftigter bekomme? Laut IG-Metall ERA ja. Brauche ich das Geld? Nein.

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Geschrieben am
Gast
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O.W. das ehrt Dich, dass Du nicht mehr Geld brauchst, trotzdem ist ein gutes Gehalt schon ein Grund für einige Menschen, sich mit bestimmten Berufsoptionen überhaupt auseinanderzusetzen. Bzw. umgekehrt kann ein niedriges Gehalt auch der Grund sein, bestimmte Brufe auszuschließen.

Ich zitiere ungern Könige, aber der dänische König Christian der VIII sagte mal zu seinem Finanzminister:

Arm und elend sind wir sowieso, wenn wir jetzt auch noch dumm werden, können wir aufhören ein Staat zu sein.


Das war als England die Dänische Flotte vernichtend schlug, anschließend in den Hafen von Kopenhagen einfuhr und die Hauptstadt auch noch ordentlich aufs Korn nahm. Dänemark verlor Finnland und Norwegen und war völlig pleite. Und da erhöhte der König die Ausgaben für Bildung und der Finanzminister wollte das nicht. Aber hier war der König sehr vorrausschauend und noch heute gibt Dänemark etwa doppelt so viel Geld aus pro Schüler wie Deutschland.

1
Geschrieben am
O.W.
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@Gast:
Ich bin für mehr Ausgaben für Bildung und ganz sicher muss man auch was tun, um mehr Leuten den Beruf schmackhaft zu machen. Ob Geld da der richtige Weg ist? Ich bin ein wenig zwiegespalten. Die, die des Geldes wegen ins Lehramt streben habe ich nie als besonders kompetent erlebt. Im Gegenteil war es die zweitschlimmste Gruppe (nach denen, die Bewunderung wollen). Andererseits sind Leute, die gut wären, nicht ins Lehramt gegangen, weil da kein Geld ist, gerade bei MINT-Fächern.

Warum ich gesagt habe, dass mir mein Geld reicht? Das ist so ein Reflex, weil viele hier Lehrer für faul und überbezahlt halten. Die schauen dann schonmal ganz komisch, wenn man sagt, dass man weniger hat als sie, aber zufrieden ist, weil man was für die Gesellschaft tut.

Und ich stimme absolut zu, dass Bildung der einzige Weg ist, wie Wohlstand gesichert werden kann.

0
Geschrieben am
Gast
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Ich würde noch weiter gehen, Bildung ist auch der einzige Weg, unsere liberale Demokratie zu schützen. Nicht, dass alle Extremisten dumm wären, im Gegenteil, ich halte die Führungsriege solcher Vereinigungen sogar für gefährlich schlau (und ohne Moral und Anstand), aber das Fußvolk rekrutiert sich dann leider doch aus den Dummen, die sie einlullen können mit ihren Märchen.

Es muss ja auch nicht alles Geld ins Gehalt gehen. Man könnte ja weniger Stunden pro Lehrer ansetzen (dann müsste man mit dem Mehrgeld auch mehr Stellen schaffen) und alle haben einen etwas entspannteren Job und können sich auf die verbliebenen Stunden umso intensiver Vorbereiten. Und dann gehören die Schulen allesamt saniert und modernisiert, Man könnte in Lehrmittel investieren, das müssen nicht immer Tablets sein, gibt auch gutes analoges Material, aber anschaffen muss man es. Man könnte Klassenfahrten stärker bezuschussen, das kann der Klasse sehr zugute kommen. Kostenloses gesundes Mittagessen für alle Schüler... man kann sich ganz viel überlegen, dass mal getan werden sollte, wenn nur endlich das Geld dafür da wäre...

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Geschrieben am
BJ68
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@Klopfer
[...]Nach etwas über einem Jahr Wohnen in Spandau war ich auch so weit, regelmäßige Prügel für einige Kinder nicht mehr grundsätzlich abzulehnen.
[...]

Erzähl mal....

Bei mir als Betreuer und da die Sache freiwillig und ehrenamtlich ist, sage ich bei meinen Workshops klipp und klar, dass wer nicht will auch nicht muss...und vor allem je nach Workshop auch, dass wer da quer treibt sehr schnell draußen ist...z.B. wenn da Trockeneis, flüssig Stickstoff, große Brenngläser (Fresnel-Linsen) oder Säuren zum Kupfer ätzen am Start sind, aber meistens checken die das auch selber, dass meine Sachen u.U. nicht gerade harmlos sind....beim fl. Stickstoff ist die Standard-Demo das Blatt oder Blüte, was eingefroren und dann zerkrümelt wird.
Bei den Seifenblasen heißt es von mir meist, wer die Schlingen kaputt macht, der bastelt....bis jetzt haben alle Schlingen die Einsätze überstanden.

Anderer Punkt: Experimente...hatte bei uns im Pfadiheim einen sehr starken Magneten zum Magnetfischen mit..von der Küche einen Alu-Deckel geholt und damit am Magnet vorbei gestrichen, war ein interessanter Effekt (Wirbelströme) und wenn das Teil auf den Boden gelegt und der Magnet mit dem Seil darüber bewegt wurde, bewegte sich der Deckel...hat mehrere auch Erwachsene fasziniert und da kam wieder der Spruch, dass sie sich sowas im Physik/Chemie Unterricht gewünscht hätten oder die Sache mit der Cyanotypie vgl. https://illumina-chemie.de/viewtopic.php?p=51294#p51294



bj68

0
Geschrieben am
Klopfer
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Erzähl mal....


Ach, da gibt's gar nicht so viel zu erzählen. Ich wohnte da im Erdgeschoss, auf Straßenlevel, und wenn die Rollläden nicht geschlossen waren, sind Kinder aus der Umgebung ständig rangeschlichen, haben gegen die Fenster geschlagen und sind johlend weggerannt, wenn man reagiert hat. Wenn man nicht reagiert hat, haben sie heftiger gegen die Fenster getrommelt, sodass man Angst haben musste, dass die die Fenster einschlagen.
Ich hab da etwas über ein Jahr gewohnt und die Zimmer zur Straße hatten vll. insgesamt zwei Monate lang etwas Tageslicht.

0
Geschrieben am
mischka
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Die Tagesschau hat die Story auch gebracht.Vergesst nicht, wer es euch zuerst gesagt hat ;-)

Btw:

Wir brauchen das Beten in der Schule. Und wir brauchen die körperliche Züchtigung.
Das ist die dümmste Aussage, die ich mir vorstellen kann.

0
Geschrieben am
Gast
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Welche der beiden?

0
Geschrieben am
mischka
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Ich habe beide Sätze gedanklich als eine Aussage zusammengefasst.

Aber irgendwie wundert mich die Kombination so gar nicht.

0
Geschrieben am
Gast
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Nee wundern tut mich das auch nicht, dass das in einem Atemzug fällt und man könnte noch hinzusetzen, mit Einführung der Prügelstrafe beten die Kinder wieder im Unterricht (nämlich dass sie von Schlägen verschont bleiben).

Trotzde sind es erstmal zwei getrennte, voneinander unabhängige Aussagen.

0
Geschrieben am
mischka
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mit Einführung der Prügelstrafe beten die Kinder wieder im Unterricht (nämlich dass sie von Schlägen verschont bleiben)
Irgendwie musste ich an dieses Video denken.
That's how Lauren enforces people to pray, they cry out please god stop me from making explosive diarrhea poo poo

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Geschrieben am
ZRUF
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Womit wir wieder bei den 12 Stämmen ankommen. Religiöse Fanatiker, die körperliche Züchtigung als nicht nur legitim, sondern auch als nötig erachten...

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Geschrieben am
mischka
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Die 12 Stämme haben in Deutschland aber weniger politische und gesellschaftliche Relevanz, als Lauren Boebert bzw. die republikanische Partei in den USA. Insofern ist das nicht direkt vergleichbar!

0
Geschrieben am
mischka
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PS: Weiter oben haben wir über Lehrer-Gehälter gesprochen:

Ein Kollege sollte am 01.11. aus der Elternzeit kommen. Er hat gekündigt, weil er sich das vierte Kind mit dem Lehrer-Gehalt nicht mehr leisten kann. Er meinte, er würde weniger als Arbeitslosengeld II bekommen (was nicht stimmt, weil er das Kindergeld in die Rechnung nicht aufgenommen hat, aber ohne Kindergeld entspräche dies der Wahrheit). Er hat zwei Dr. Titel, einen in Mathematik, einen in Physik. Er meint, er habe drei Bewerbungen geschrieben und drei Zusagen erhalten. Er wird mehr als doppelt so viel wie bisher erhalten.

Ich will mich gar nicht wegen mir beschweren (meine Frau verdient gut, ich auch, uns geht's gut), und es stimmt, dass Lehrer, die wegen des Geldes Lehrer werden, echt schlecht sind. Aber leider gibt es das Gegenteil auch, Menschen, die wegen des Geldes kein Lehrer werden oder schlimmer, Lehrer die aufgrund von Geldmangel den Beruf an den Nagel hängen, und das ist traurig. Mal ganz davon abgesehen, dass einer unserer besten geht.

0
Geschrieben am
Klopfer
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Er hat zwei Dr. Titel, einen in Mathematik, einen in Physik.

Wer legt sich denn zwei Doktortitel zu, nur um dann Lehrer zu werden? :huh:

0
Geschrieben am
ZRUF
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@Klopfer

Das hatten wir bei uns an der Schule auch. Ich frage mich grundsätzlich schon, warum mal einen Doktortitel als Lehrer benötigt?

@mischka
Sowas ist traurig, aber halt leider auch ein Teil der Wahrheit. Natürlich ist es besser, wenn man einen Beruf aus Überzeugung oder noch besser aus Leidenschaft ergreift, aber wenn dann das Einkommen überhaupt nicht passt, bringt das ja leider auch nichts.
Dass dies natürlich gerade bei Lehrern ein Problem geworden ist, ist natürlich doppelt traurig.

0
Geschrieben am
Klopfer
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Wir hatten nur eine Lehrerin, die einen Doktor in Anglistik hatte. Wirklich gut Englisch konnte die aber nicht mal und war auch sonst nicht sehr helle.

0
Geschrieben am
GenericNickname
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@Gast

mit Einführung der Prügelstrafe beten die Kinder wieder im Unterricht

Meine beten dauernd während Arbeiten, nehm ich schon ein bisschen persönlich....

@Klopfer
Die Anglistik ist auch voller Nulpen und das sag ich als jemand der da selber durch ist.

1
Geschrieben am
O.W.
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@GenericNickname:
Das mit der Anglistik kann ich nur teilweise bestätigen. In Literaturwissenschaft waren die Nulpen in der Absoluten Mehrheit, in Linguistik nicht. Allerdings scheint das auch schwer an der Uni zu liegen. Die, an der ich war, hatte eine tolle englische Linguistik, bis man einen Professor gehen lies (er wollte eine Beförderung, die er anderswo angeboten bekommen hatte, die man ihm nicht geben wollte) und der alle wirklich guten mitnahm. In meinem Examen war dann der Ersatz für diesen Prof vorsitzend ind das war eine komplette Nulpe. Und was ich höre wurden von der dann Leute geholt, die schlechter waren als sie.

0
Geschrieben am
Gast
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Den Doktortitel braucht man nicht als Lehrer, aber man sollte den Doktor eh machen, weil man gerne was erforschen will und nicht um zwei Buchstaben mehr vorm Namen zu haben (sage ich als jemand mi zwei Buchstaben mehr vorm Namen). Ich kenne einige Lehramtsstudenten, die nach dem Studium auch einfach noch gerne ein bisschen an der Uni bleiben wollten, dann nach dem Doktor aber brav ins Referendariat geangen sind, denn Lehrer brauchen wir nunmal und das haben die ja auch studiert.
Einen Doktortitel in Mathematik und einen in Physik zu bekommen ist gar nicht so einfach. Ich habe zum Beispiel einen Dr. rer. nat. und laut der Promotionsordnung der meisten Unis, die ich kenne, kann ich keinen zweiten rer. nat. machen, wenn ich nochmal promovieren möchte dann in einem anderen Feld. Ich kann nicht in Physik promovieren, auch wenn meine Promotion in Mathematik war.Ich kenne aber eine Uni, die vergibt clevererweise einen Dr. math. den hätte ich ja sehr gerne gehabt, aber die Uni lag 300km weit weg, das war mir zum täglichen Pendeln dann zu weit.

Aber wie kommt ein Beamter mit Bezügen, Verheiratet und vier Kindern (ab dem dritten Kind gibt es nochmal richtig mehr Geld) auf weniger als Arbeitslosengeld II ? Außerdem bin ich schon deswegen verwirrt, weil AG II doch sich anteilig am letzten Gehalt bemisst, oder bringe ich da etwas durcheinander? Ich kann ja auch schlecht mehr Elterngeld kriegen als mein vorheriges Gehalt, weil es 2/3 des letzten Gehalts ausmacht.

Trotzdem schade für die Schule und all die Schüler, die jetzt nicht mehr von seinem Unterricht profitieren. Welche Firmen suchen denn aktuell promovierte Mathematiker?

0
Geschrieben am
O.W.
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ALG II (vulgo Hartz IV) bemisst sich nicht an irgendwas, sondern ist als Grundsicherung absolut. Aber: Es geht für jede Person im Haushalt. Und wenn man dann Wohngeld und anderees draufrechnet, dann kann das für eine Familie recht viel Geld sein.

0
Geschrieben am
Gast
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Siehste, aheb ich das "normale" Arbetslosengeld mit Harzt IV verwechselt. Ich habe gerade den H4 Rechner online angeschmissen für 4 Kinder, mit einer günstigen Wohnung und normalen Heizkosten, ja, so viel verdiene ich im Monat und gehe dafür auch noch arbeiten. Verrückt, aber ich habe auch keine vier Kinder und meine Partnerin ist ebenfalls erwerbstätig, das gesamte Familieneinkommen ist also dann doch deutlich höher.

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Geschrieben am
Sajoma
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Schräg wird's halt in solchen Fällen, wo der Alleinerwerbstätige weniger verdient als summa summarum bei einer sog. Hartz-IV-Familie zusammenkommt.
Andererseits ist das der Punkt, wo wir uns der geldlosen Gesellschaft bei Star Trek annähern: man arbeitet, weil es einen erfüllt, nicht, weil man dadurch mehr Geld hat. :adorable:

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Geschrieben am
Gauss
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Die Bild-Zeitung hat diesen Punkt gut herausgearbeitet und der schöne Artikel bei Bildblog https://bildblog.de/135420/bild-spielt-arm-gegen-ganz-arm-aus/ zeigt auch sehr deutlich warum die Rechnung falsch ist. Übrigens, auch im Bild-Artikel hat der Arbeitnehmer als Einzelverdiener mehr Netto auf dem Konto als die Familien mit zwei Kinder.

0
Geschrieben am
Klopfer
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Ich muss aber auch am Bildblog-Artikel ein bisschen herummäkeln.

Die zumindest theoretisch vorhandene Möglichkeit, dass auch die Ehefrau oder der Ehemann etwas dazuverdienen kann, kommt in der “Bild”-Rechnung nicht vor.

"Zwei Leute, die arbeiten, würden deutlich mehr Geld verdienen als zwei Leute, die nicht arbeiten." Hm, ja, okay, aber das sorgt jetzt nicht wirklich für eine Entkräftung des Arguments der Bild-Zeitung, die den Bürgergeld-Beziehern mehr Sympathien bringen würde.

Dass es aber auch andersrum sein könnte, dass also nicht das Bürgergeld zu hoch ist, sondern viele Löhne viel zu niedrig sind, darauf wollen sie bei “Bild” offenbar nicht kommen.

Da müsste man wiederum genauer nachschauen, inwieweit bei diesen Löhnen überhaupt eine Erhöhung leistbar wäre. Viele kleine und auch mittlere Unternehmen gehen auf dem Zahnfleisch, die können nicht mehr bezahlen, und die Preise für ihre Produkte und Dienstleistungen können sie auch nicht deutlich erhöhen, weil ihnen dann die Kunden weglaufen. Ist immer so einfach zu sagen, dass doch die niedrigen Löhne erhöht werden sollen, und sich dann im nächsten Atemzug darüber zu beschweren, dass Obst, Haarschnitte usw. immer teurer werden und man sich da einschränken muss.

0
Geschrieben am
Gast
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Lohnerhöhungen sind ja, wenn man so will, immer Augenwischerei, weil die Unternehmen sich die Löhne ja über die Preise zurückholen. Deswegen haben wir doch überhaupt eine Inflation. Leute wolen mehr Lohn, kriegen sie. Die Unternehmen erhöhen die Preise, Leute wollen wieder mehr Lohn... die Dummen in dem Spiel sind ja eindeutig die Berufsgruppen, bei denen nicht erhöht wird, weil deren reale Kaufkraft wird abgekoppelt vom Rest. Und deswegen ist es als Vermögenssicherung immer wichtig investiert zu bleiben. Zum Beispiel in Immobilien, weil man die Mieten der Inflation anpassen kann (aktive Steuerung) oder eben über Aktien, z.B. breite ETFs, weil die Inflation von heute sind die Unternehmensgewinne von morgen (passive Steuerung). Und wieder sehen wir, gekniffen sind die Leute ohne Vermögen. Das ist Kapitalismus, funktioniert hervorragend für die, die schon haben.

0
Geschrieben am
Klopfer
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Deswegen haben wir doch überhaupt eine Inflation.

Derzeit eher nicht, Inflationen können verschiedene Ursachen haben. Die aktuelle Inflation wird nicht hauptsächlich von Lohnsteigerungen getrieben, sondern von mangelnder Verfügbarkeit von Rohstoffen und Produkten, was deren Preise hochtreibt.

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Geschrieben am
ZRUF
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Dass Inflation an mehr hängt, als an der Gehaltsentwicklung sieht man ja auch in der Türkei oder anderen Ländern mit geringem Vertrauen in deren Regierung und/oder Währung. Wo sich der Staat für 50% Zinsen Geld leihen muss, wird man keine Inflation von 2% sehen.

Aber grundsätzlich hat Gast schon nicht unrecht. Bei uns war es lange Zeit so, dass Inflation und Lohnsteigerung ziemlich Hand in Hand gegangen sind. Aktuell klafft da halt eine Lücke und viele Leute ächzen genz schön unter den gestiegenen Kosten.

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Geschrieben am
Gast
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Naja, man kann das auch global sehen. Wenn die Amis mehr Lohn kriegen, werden die Produkte von dort für uns teurer. Umgekehrt, wenn bei uns die Löhne anziehen und sich die Produkte verteuern, sind ja auch andere Länder betroffen, weil wir extrem viel exportieren. Also auch die Teurung von importierten Gütern kann an einer Lohnerhöhung liegen.

Aber ja, durch eien Verknappung von Ressourcen steigen dort auch die Preise. Was ja wiederum ein Grund für den Kolonialismus war, die ressourcenarmen Länder Europas sichern sich ihre Ressourcen einfach woanders. Weil sie es konnten. Und weil die Industrialisierung einen riesen Bedarf an Ressourcen erzeugte und man das sicherlich nicht zu Marktpreisen einkaufen wollte.

Unsere Situation ist aber insofern künstlich, dass ein Rohstoff wie Gas eigentlich gut verfügbar ist, von mehreren Anbietern und sich dementsprechend ein günstiger Preis ergeben müsste. Allerdings boykottieren wir einen Marktteilnehmer (Russland) und eine Sanktion kommt immer zu einem Preis. Und dann zahlen wir an der Strombörse ja dusseligerweise immer soviel wie der teuerste Erzeuger, der noch beteiligt ist, womit aktuell Gaskraftwerke (die für ausgefallene französische Atomkraftwerke einspringen) den Strompreis treiben, was sich dann auf alle niederschlägt. Für mich hat hier der Staat schon lange zu regulatorisch eingegriffen in den Strommarkt.

Die Inflation durch mangeldes Vertrauen in einen Staat bedeutet, dass dieser Staat zu abhängig von Importen ist. Innerhalb eines Staates kann es keine Probleme mit der Solvenz geben. Der Staat druckt das Geld und gibt es an seine Bürger aus, solange diese innerhalb eines Kreislaufs wirtschaften, kann die Bewertung von außen egal sein. Blöd wird es halt, wenn man zum Beispiel Getreide oder Benzin einführen muss, um seine Bevölkerung zu ernähren und seine Wirtschaft am Laufen zu halten. Die importierten Waren haben dann natürlich heftige Aufschläge. Das treibt auch die Inflation.

Gleichzeitig ist Inflation aber unabdingbar notwendig im Wirtschaftssystem. Erst die Inflation treibt die Leute dazu, ihr Geld auszugeben oder zu investieren. Denn sein Geld einfach so zu horten, wird durch die Inflation bestraft, indem es immer weniger Wert wird. Die wirtschaft lebt ja maßgeblich davon, dass geld als Schmiermittel immer im Kreislauf bleibt und möglichst schnell auch wieder verausgabt wird.
Gäbe es eine Deflation, dann würde es sich ja lohnen, sein Geld zu horten. Weil ich ja jeden Tag, den ich eine Kauf- oder Investitionentscheidung nicht realisiere, an Kaufkraft hinzugewinne.

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Klopfer
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Und weil die Industrialisierung einen riesen Bedarf an Ressourcen erzeugte und man das sicherlich nicht zu Marktpreisen einkaufen wollte.

Die Kolonien waren in fast allen Fällen ein Verlustgeschäft; die Kolonialmächte wurden wirtschaftlich trotz der Kolonien stärker, nicht wegen ihnen. Es gibt kaum Kolonien, bei denen der Saldo positiv war.

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Gast
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Das kann man so und so sehen. Der Staat hat mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Aber er konnte Absatzmärkte für seine Wirtschaft erschließen und dieser Industrie Rohstoffe sichern. So konnte eine breite Mehrheit der Bevölkerung in Lohnarbeit jenseits der Landwirtschaft gebracht werden und die Städte entwickelten sich rasant. Durch die ökonomisch halbwegs stabile Situation konnte auch eine gewisse Befriedung der Bevölkerung erreicht werden. Das ist ja das was einigen Muslimischen Ländern aktuell fehlt, genügend Arbeit. Die haben ein Problem mit jungen arbeitslosen Männern, das sogrt für Unfrieden. Der Arabsiche Frühling hat mehrere Regime gestürzt und nahm seinen Anfang in der schlechten Wirtschaftslage. Eine ähnliche Struktur hatten wir auch zu Beginn der Industrialisierung. England hat seine menschliche Ausschußware auch gerne in die Kolonien abgeschoben. Das bringt dem Staat jetzt nur bedingt Geld (es spart immerhin heimische Kosten für Gefängnisse), aber es gibt einen Nutzen jenseits des direkt monetären.

Nur aufs Geld geschaut müsste man ja auch sagen, dass Bildung und Gesundheit für den Staat ein reines Verlustgeschäft ist.

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ZRUF
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In manchen Fällen ist die Bildung zumindest umsonst! :mwhaha:

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Klopfer
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Aber er konnte Absatzmärkte für seine Wirtschaft erschließen

Die kolonisierten Völker werden kaum das Kapital gehabt haben, um was aus dem Mutterland ihrer Kolonialherren zu kaufen. Was da subventioniert oder durch Kolonialherren in die Kolonien geschafft wurde, hätte man auch gut in den Heimatländern selbst investieren können. Es war immer eine Begründung für Kolonialisierung, dass die Kolonien ja gute Absatzmärkte für die heimische Industrie wären, aber tatsächlich dürfte das nur sehr selten der Fall gewesen sein, und erst recht nicht in den Ländern, die heute am meisten wegen Kolonialisierung jammern.

und dieser Industrie Rohstoffe sichern

Von welchen Rohstoffen reden wir da? Die Industrialisierung selbst wurde hauptsächlich durch Stahl und Kohle vorangetrieben, das ist jetzt aber nichts, was man sich von den Kolonien holte. Natürlich bekam man einige Rohstoffe, aber im großen Gesamtbild kamen die eher weniger wirtschaftlich bedeutenden Industriezweigen zugute. Schokolade und Kaffee sind toll, aber das treibt nicht das große Wirtschaftswachstum an.

So konnte eine breite Mehrheit der Bevölkerung in Lohnarbeit jenseits der Landwirtschaft gebracht werden und die Städte entwickelten sich rasant. Durch die ökonomisch halbwegs stabile Situation konnte auch eine gewisse Befriedung der Bevölkerung erreicht werden.

Hat aber mit der Kolonialisierung nichts zu tun. Ich meine, die Entwicklung fand auch genauso in Deutschland statt, und da spielten Kolonien überhaupt keine Rolle (kamen ja auch erst sehr spät dazu). An Arbeit mangelte es damals nicht, und die Beschäftigung von Arbeitern war erst mal die billigste Möglichkeit gerade für kleine Produzenten, die Produktion zu steigern. Arbeitslosigkeit ist etwas relativ Modernes.

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Gast
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Also Kautschuk ist ein Rohstoff der lange Zeit unabdingbar war zum Beispiel für Schläuche in Autos. Den gibt es hier nicht. Der Eintritt der USA in den zweiten Weltkrieg im Pazifik hängt damit zusammen, dass Japan aufgrund seiner Expansion im Südostasiatischen Raum die USA von Kautschuk abschnitt, den man wiederum für Panzer brauchte. Die USA boykottierten darauf Japan mit dem Stopp von Öl und der Rest ist Geschichte.

Diverse seltene Erden und Metalle finden sich im Bergbau in Afrika wieder, die Landwirtschaft brauchte lange Zeit Guano, den die Südamerikansichen Länder hatten. Und natürlich wollte die Oberschicht auch gerne "Kolonialwaren" haben wie eben Kaffee, Zucker, Tabak, Kakao... die Holländer waren so verrückt nach Avokado-Schnaps, dass sie als Substitut schließlich den Eierlikör erfanden (dafür muss man nun wirklich verzweifelt sein...). Die Kolonien im Arabischen Raum brachten Erdöl, auch nicht schlecht für eine Industrienation. Und ja, der Absatz spielte durchaus eine Rolle, Japan und China wurden unfaire Handelsverträge aufgezwungen, die mussten den Europäern udn Amerikanern Waren abnehmen.

Arbeistlosigkeit hat auch im 19. Jh. für sozialen Unfrieden und Aufstände gesorgt. Erinnert sei an den Weberaufstand in Schlesien, als durch den mechanischen Webstuhl eine Massenarbeitslosigkeit ausgelöst wurde. Das führte dann ja auch zu Massenauswanderungen, Deutsche auch gerne in die USA, wo sie einen nicht unbeträchtlichen Teil der Bevölkerung stellten, zusammen mit den Iren, die aufgrund der Kartoffelkäferplage und der Kartoffelfäule beinahe als Nation elendiglich verendet wären. Hätten die Deutschen nennenswerte Kolonien gehabt, hätte man diesen Auswanderstrom vielleicht lenken können. So wie es Spanien und Portugal im 15. und 16. Jh. erfolgreich getan haben. Der verarmte Landadel Portugals bildete die Grundlage Brasiliens.

Ich will aber gar nicht mit dem Finger zeigen und sagen, alles böse. Immerhin haben die Deutschen zum Beispiel in ihren Kolonien Eisenbahnen gebaut, ein Schulwesen eingeführt (die Japaner in Taiwan übrigens auch, weshalb sie gar nicht so schlecht dort angesehen sind, obwohl sie das mal als Kolonie hatten).

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