Klopfers Link- und Lichtbild-Deponie


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Aglaija (Profil)
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na ja, ganz so einfach ist das Thema nicht. Ich wohne in der Gegend... Es war eine öffentliche Straße und kein privater Almwanderweg. Auf einer öffentlichen Straße ist durchaus mit Wanderverkehr: Hunden, Kinderwagen, Radfahrern etc. zu rechnen und eine Herde Mutterkühe mit Kälbern ist per se grundsätzlich nicht ungefährlich.
Von daher sehe ich hier nicht ausschließlich (wenn auch den Löwenanteil) der Schuld bei der Wanderin.

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ZeroVentiquattroUno (Profil)
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Jein. Wenn es eine öffentliche Straße ist und die Wanderin sich völlig normal verhalten hat, also lediglich gewandert ist, sehe ich da keine große Schuld. Falls Sie aber meinte bei Kalb 'ei, ei, ei' machen zu müssen schon. Die meisten Leute befürchten jetzt "amerikanische Verhältnisse" wo jeder Depp recht bekommt und menschlicher Grundverstand als Luxus angesehen wird.

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Stone (Profil)
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Ich wohne selbst in einem Almgebiet und weiß, wie gefährlich eine Mutterkuhherde ist. Es geht auch gar nicht um die Schuldfrage. Schließlich hat die Wanderin sogar vorbildlich ihren Hund angeleint gehabt. Da hat heute Morgen auf Ö3 Tobias Moretti etwas sehr gscheites gesagt, sinngemäß, den genauen Wortlaut kann ich nicht mehr wiedergeben: "Warum muss immer jemand Schuld sein? Kann es nicht auch einfach mal Schicksal sein?"
Und er hat Recht! Die Alm ist für die Bewirtschaftung da. Zusätzlich wird sie eben touristisch genutzt. Jedes Jahr gibt es zahlreiche Zwischenfälle mit Mutterkühen oder noch idiotischer mit Stieren. Oft fragst dich echt, ob die Personen ihr Hirn auch mitgenommen haben auf die Alm. Unangeleinte Hunde, betreten von abgezäunten Weiden, betreten von extrem gesicherten Weiden (bei uns eine, wo Zuchtstiere drinnen sind), etc.
Den Wanderern muss aber bewusst sein, die Kühe sind nicht nur die liebe "Reseln" vom Urlaub am Bauernhof. Oder die Pferde sind nicht nur die Scarletts vom Therapiegestüt. Das sind eben Tiere, die gefährlich werden können.
Wenn ich in der Stadt bei Rot über die Ampel gehe, verklag ich doch auch nicht den Autofahrer, der mich über den Haufen gefahren hat, weil bei mir am Land kann ich gefahrlos über den Schutzweg latschen...
Trotz Postkartenidylle ist es eben auch - wie überall im Leben - gefährlich. Lawinenabgänge im Winter, Schneestürme, Vermurungen, Mutterkühe, Stiere, Hengste, steile Abstiege, Gewitter, etc. Da kann eben was passieren. Muss dafür immer jemand Schuld sein?

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Anne Bonny (Profil)
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Ich bin da sehr zwiegespalten. Ich wohn ja aufm Land und hab hier auch Kühe und bestimmt schon mehr Kontakt zu freilaufenden Rindsviechern gehabt, als so mancher Wanderer. Normalerweise werden sie nicht gefährlich... aber eben normalerweise.

Es tut mir um die Verstorbene leid aber auch für den Bauern. Auf den Almen laufen alle Kühe frei und das schon seit Ewigkeiten und so wird der sich auch nicht anders verhalten haben, als alle Hofbesitzer vor ihm und seine Nachbarn. Dusselige blöde Kuh, die unbedingt gegen Wanderer gehen musste.

Manchmal sind Kühe überfürsorglich und dadurch angriffslustig. Normalerweise bleibt es bei Scheinangriffen und sie ziehen sich zurück, wenn der Mensch es tut. Manchmal nicht.

Diese Kuh wird ihren Bauern damit ruiniert haben. Diese Kuh hat einen Menschen getötet. Beides beschissen. Was alle anderen Bauern daraus machen und ob das das Ende der Almbeweidung oder der Almwanderungen ist, das wird es zeigen.

Alm ist offene Weide, wie die Hügel in Schottland und Irland (wie oft liegen die blöden Biester in der Sonne hinter Kurven auf schmalen Küstenstraßen? Meiner Erfahrung nach viel zu oft). Auf den Almen grasen Pferde, Ziegen, Schafe und Kühe frei und ich fand das auch als Wanderer immer sehr schön.

Es wäre schade, wenn wegen einem Zwischenfall (so tragisch er auch sein mag) gleich wieder eine Regelung geschaffen wird, die alle einschränkt und wieder etwas Gutes, etwas Freies, gehen mehr Sicherheit einschränkt oder aufgeben muss.

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Aglaija (Profil)
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@ Stone: ah jetzt versteh ich deinen Standpunkt, ja da bin ich vollkommen bei dir. Hier in den regionalen FB Gruppen ist das Ganze leider vollkommen ausgeartet a la die dumme Nuss, selber schuld blablupp..

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Stone (Profil)
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Mir geht das verteufeln der Wanderin auch ziemlich gegen den Strich. Sie war auf der Straße unterwegs und hatte ihren Hund angeleint.
Dargestellt wird sie aber als Stadttusse, mit Halb- oder Stöckelschuhen und einem freilaufenden Rotweiler...
Das hat die Dame nicht verdient. Sie hatte einfach Pech.
Ihr Gatte hat das Ganze sicherlich nicht verkraftet und möchte jemanden die Schuld geben.
Und der Richter gibt dann eben dem Bauern die Schuld, was für mich der größte Skandal ist. Schließlich hat der Bauer ja auch alles ausgeschildert und hat tausenden von Menschen erlaubt auf seiner Wiese zu wandern und die Natur zu genießen. Und nun wird er dafür bestraft und ruiniert, weil ein Zwischenfall tödlich endete.
Und um das klarzustellen, Kühe sind keine mordlüstigen Viecher. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass sie auch nicht gänzlich harmlos sind. Aber das ist auch ein Wald nicht! Wenn ich durch den Wald gehe und ein herabfallender Ast erschlägt mich, dann will ich nicht, dass meine Hinterbliebenen den Waldbesitzer verklagen, weil der Wald nicht anständig durchforstet ist. Weil das idiotisch ist. Ich bin mir ja bewusst, wenn ich in den Wald gehe, dass mir auch da was passieren kann.
Der größte Depp ist für mich der Richter. Ich hab das Urteil noch nicht gesehen, das würde mich nämlich im genauen Wortlaut interessieren.
Und jetzt kommen wieder die ganzen sinnigen Lösungsvorschläge: Komplett einzäunen, Versicherungen, Fonds anlegen für diese Fälle. Die Büchse der Pandorra wurde geöffnet. Und die Landwirte, speziell die Milchbauern, sollen noch mehr Kosten tragen. Die krachen doch zumeist eh schon wie a Kaisersemmel!

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Aglaija (Profil)
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https://files.orf.at/vietnam2/files/tir/201908/kuh_-attacke_pinnistal_651572.pdf

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Stone (Profil)
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Danke!

Das Urteil ist zwar nachvollziehbar, trotzdem falsch. Wer ist denn wirklich für die Errichtung eines Weidezauns verantwortlich? Der Bauer, dem die Weide auf einer Alm gehört? Der Bauer, der womöglich nur der Pächter dieser Alm ist? Der Gastwirt, der in einem Weidegebiet seinen Gasthof betreibt? Die Gemeinde, die scheinbar der Wegbesitzer ist? Wir sprechen hier doch von einer Alm Aglaija, oder? Deren primärer Zweck die Weideviehhaltung ist und nicht die touristische Nutzung.

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Rakshiir (Profil)
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Ich finde das schwierig.
Auf der einen Seite kann ich nachvollziehen, dass jemand nen schuldigen braucht für all den Schmerz den er durchmacht. Das ist menschlich. Vor Allem da sich das Opfer selbst ja scheinbar nicht falsch verhalten hat.
Auf der anderen Seite frage ich mich, wieviel ein Bauer tun sollte. Reichen nun Warnhinweise nicht? Ich sags mal so: bei einem Kind könnte ich nachvollziehen, weil das vielleicht mit lesen, verstehen und umsetzen von ner Warnung unter Umständen noch nicht so weit ist wie ein erwachsener Mensch. Aber bei nem Erwachsenem? Schwierig...

Am Ende hilft das auch nicht, wenn man ehrlich ist. Das Urteil (so es so bleibt) wird genausowenig wie das Geld dem Witwer helfen die Situation zu verarbeiten. Umgekehrt würde es allerdings den Bauern ruinieren. Wem ist da geholfen?
Zumal das dann zusätzliche Nachteile nach sich zieht, denn sind wir mal ehrlich: Wieviele Wiesen oder Flächen die nun zugänglich sind, aber mit Warnung fallen weg weil sich Leute lieber absichern? Die Kosten für weitere Zäune oder Absperrungen ist dann auch n Thema, wer zahlt das am Ende? Ist das dann sinnvoll?

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Anne Bonny (Profil)
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Ich frag mich auch, ob eine Versicherung dafür aufkommt (und wie hoch die Beiträge dafür dann sein müssen und wie sie dann in Zukunft ausfallen werden). Sollte es keine Versicherung dafür geben: Wer hat denn mal eben so viel Geld übrig? Neben der Einmalzahlung ist ja noch ne Rente für Witwer und Halbweisen zu zahlen und wenn der Witwer die 20 Jahre in Anspruch nehmen kann, sind das schon fast 300.000 Euro. Plus die Einmalzahlungen und die Waisenrente und dann ist die halbe Million voll.

Als Kuhbauer musst Du ne Menge Milch verkaufen um das wieder reinzukriegen. Super. Bauer kaputt. Ohne entsprechende Versicherung kriegt die Familie auch nichts.

Es ist in meinen Augen ein Unfall. Sind wir jetzt schon so weit, dass man alles verklagen kann, was einem das Leben kostet? Am Brot verschluckt: Bäcker verklagt. Über Stein gefallen, Grundstücksbesitzer verklagt. Im Forst von einem runterfallenden Ast getroffen, Waldbesitzer verklagt. Vom Hagel gesteinigt... hmmmm? Von Nestlé ausgetrocknet... hmmmm? Komisch, irgendwie funktioniert mein Gerechtigkeitssinn auf dieser Welt einfach nicht mehr.

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Stone (Profil)
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@Anne Bonny
Versicherung dafür wird eine betriebliche Haftpflichtversicherung. Das wäre noch am praktikabelsten.
Ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist, aber in Österreich hast du bei einer Haushaltversicherung auch immer eine private Haftpflicht dabei. Wäre die Familie über mein Grundstück gelatscht (was schon mal seltsam wäre, aber wurscht) und ich hätte die Dame beim Rückwärtsausparken über den Haufen gefahren. Und der Richter hätte mir die selbe Schuld gegeben wie dem Bauern, dann hätte meine Haftpflicht das gezahlt. Oh, in dem Beispiel sogar meine Kfz-Haftpflicht. Ja, dann hab ich ihr halt einen Blumentopf unabsichtlich an den Schädel geworfen. Jedenfalls worauf ich hinauswill. So eine Privathaftpflicht leistet zB bis 7,5 Mio. Euro für 15 bis 20 Euro im Jahr. Eine betriebliche Haftpflichtversicherung ist allerdings teurer und nach diesem Urteil könnte ich mir auch vorstellen, dass es sogar eigene Tarife für so eine Landwirthaftpflicht geben wird.
Allerdings kommt das für diesen Bauern zu spät. Der ist ruiniert und kann nicht einmal was dafür.

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simcity (Profil)
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Ich habe mal gehört, das Milchbauern wenig verdienen. Können die sich dann überhaupt Zäune leisten?

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bigbrother (Profil)
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In Zukunft wird das billiger als eine Scheidung.
"Schatz wir gehen wandern, hier hat du noch einen Hund."

Und statt verarmt verlassen noch ne halbe Million drauf.

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Stone (Profil)
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@simcity
Ich kann dir da ein Beispiel aus unserer Gegend sagen. Derzeit liegt der Milchpreis pro KG bei ungefähr 0,39 Euro. Wenn du einen - ich nenn ihn jetzt einmal - Biopreis erzielen kannst, dann kommst du auf so ca. 0,65 Euro pro KG. Je nach Vertragspartner (Zurück zum Ursprung, etc.). Damit du allerdings so ein Biozertifikat erhältst, musst du bereits über ein Jahr Bioqualität herstellen. Also anderes Futter etc. wodurch die Produktion leidet.
Zweite Einnahmequelle: Rindfleisch. Die meisten Stierkälber werden eben kein Zuchtbulle, sondern landen als Kalbsschnitzerl am Teller. Die ziehst auch eine zeitlang auf bevor sie zum Schlachter kommen. Wenn du da den Arbeitsaufwand zum Ertrag rechnest und weißt, welchen Arbeitsaufwand du hast, kommst du eigentlich drauf, wie verrückt du eigentlich sein musst.
Dritte Einnahmequelle: Viehhandel. Alles was deine Stallkapazitäten sprengt, verkaufst du eben. Wennst jetzt die Deckkosten den Verkaufserlös gegenüberstellst, dann verkaufst eben auch nur, weil du keine Kapazitäten mehr hast.
Also bist du auf die Förderungen angewiesen, damit sich das noch irgendwie ausgeht oder du erweiterst dein Geschäftsfeld (Urlaub am Bauernhof, Broterzeugung, Käsen, etc.), was noch mehr Arbeit bedeutet, oder du gehst nebenher noch einem anderen Job nach, oder du bist wirklich ein Großbauer, dass es sich wirklich zu lohnen beginnt.

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Geschrieben am

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