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Koitus gefällig?

Eines Morgens lieferte der Postbote bei mir einen dicken Papierstapel ab. Es handelte sich um eine von gut zehntausend Männern unterschriebene Petition, wonach ich aufhören solle, so unverschämt attraktiv zu sein und mit meiner bloßen Existenz ihre Freundinnen und Traumfrauen wuschig zu machen. Ich kann diesem Wunsch kaum entsprechen, allerdings illustriert diese Begebenheit sehr gut die Schwierigkeit, die Männer haben, Frauen zu bezirzen. (Ich legte mich danach wieder schlafen, und als ich später aufwachte, war von dem Papierstapel nichts mehr zu sehen. Rätselhaft.)

Nun gibt es diverse Onlineplattformen, die sich zumindest dem hehren Ziel verschrieben haben, die dringendsten sexuellen Bedürfnisse von Männern und Frauen durch das Zusammenführen gleichgesinnter Partner zu befriedigen. Allerdings zeigt sich, dass ein Großteil der Männer, die diese Plattformen frequentieren, ungefähr den Charme und die Überzeugungskraft eines umgerührten Kuhfladens hat, wodurch sich zumindest bei ihnen erklären lässt, warum sie Schwierigkeiten dabei haben, ihren Lümmel mal in willigem Weiberfleisch zu versenken.

Angeregt durch die Erzählungen mehrerer Frauen aus meinem Freundeskreis beschloss ich, mich zu Testzwecken selbst einmal auf der Pimperplattform Poppen.de als Frau auszugeben, um zu schauen, wie die Männerwelt mich als reizende 22-jährige Blondine auf die Matte kriegen will. Obwohl ich nicht einmal ein Bild im Profil hatte, stellte sich schnell heraus, dass eine Frau auf der Seite vor allem eines hat: Auswahl. Durch bloßes Erscheinen in der Anwesenheitsliste kriegt man eine stattliche Anzahl von Nachrichten begattungswilliger Herren. Die meisten sind sich aber offenbar nicht einmal bewusst, dass man sich ein wenig Mühe geben sollte, um aus dieser Masse positiv herauszustechen.

Manche scheinen zu glauben, dass möglichst wenig Mühe erkennbar sein sollte. Vielleicht wollen sie lässiger wirken oder hoffen, ihr Profilbild würde zur spontanen Überflutung der Unterwäsche der Zielperson führen. Dennoch sind Mitteilungen, die nur aus drei Rosensmileys und einem Grinsmund bestehen, ebenso wenig anregend wie das simple „Rrrrrrrr“, was mir jemand immerhin ganze vier Mal schickte.

Ebenfalls nur minder begeisternd sind diejenigen, für die der Akt der Kontaktaufnahme bereits eine übermenschliche Anstrengung darstellt und die deswegen fordern, dass die angesprochene Frau die Kommunikation übernehmen solle. Einer schrieb mir: „Melde dich doch mal bei mir...“, und das war auch die ganze Nachricht. Ein anderer legte ein bisschen mehr Energie in seine Botschaft: „ich will mehr von dir wissen. melde dich bei mir wenn du Lusst hast“, was aber in den wenigsten Frauen genügend Neugier entfachen dürfte.

Daneben gibt es diejenigen, bei denen das Blut bereits mit der Versorgung anderer Körperteile ausgelastet ist und für das Hirn nichts mehr übrig bleibt, was die Nachrichten extrem kurz und prägnant werden lässt.

„ich würd dir gern meinen prallen schwanz zwischen die beine schieben und dich dabei filmen.“
„Das junge Fötzchen möchte ich gerne lecken jetzt!!!Bin mit einigen Bi-Girls in deinen Alter bei MSN!!hast auch Lust? cam habe ich! (wenn du möchtest)“ (Der Mann war 50.)
„na pussy soll ich dich mal geil abficken......“
„bin voll geil ich will gerne ficken“
„ficken ... bitte.. biggrin.gif
„hey alte lass ma zum pooppen streffen . am besten jetzt gerade ...!!“
„haste interesse mir deine drei löcher zum reinficken zur verfügung zu stellen?“

Na auf jeden Fall, wenn man so nett fragt. Alle Frauen stehen drauf, einfach nur als Ficklöcher mit Fleisch drum herum gesehen zu werden.

Die Grammatik leidet übrigens auch gerne mal: „willst du eine joint kiffen und gutem sex haben?,.“

Und wenn die Selbstbeherrschung mal groß genug sein sollte, um nicht in der ersten Nachricht wie ein triebgesteuerter Hodenhengst rüberzukommen, zerfällt diese Fassade schnell in der nächsten Botschaft, wie folgende Beispiele zeigen:

„lass uns jetzt bitte mal ficken ... biggrin.gif
„Lass uns beide doch endlich ficken... Mein Schwanz ist verrückt nach Dir.“

Gut zu wissen, dass es nur am Schwanz liegt und der Rest dieses Menschen vielleicht doch in der Lage ist, produktiv für die Gesellschaft nützlich zu sein. Ein bisschen zweifle ich allerdings schon noch.

Bei einem anderen war es schon eine kleine Herausforderung, überhaupt zu dechiffrieren, was er eigentlich will: „morgen hastdu msn adresse bitte gibt mir ich will zu zehen du darfs auch meiner kleiner“

Ich kann mir zudem vorstellen, dass selbst devote Frauen sich sorgfältig aussuchen, von wem sie dominiert werden wollen, und ein „lass mich dich erziehen!“ sich da wenig zielführend auswirkt.

Eher verwirrt hat mich folgendes Angebot:

„magste cam sb fick show sehen ?“

Es stellte sich dann heraus, dass ich ihm dabei zusehen sollte, wie er Schwimmflügel rammelt, die er auf dem Dachboden gefunden hatte. Immerhin war er in der Lage, auf meine Antwort gezielt zu reagieren, anders als folgendes Prachtexemplar.

Er: „magst du mein po lecken“

Ich: „Ist jetzt nicht so unbedingt der Traum meiner schlaflosen Nächte.“

Er: „lass einfach ficken süsse“

Ja, ist klar, nachdem wir uns schon so gut kennengelernt haben und auf unsere gegenseitigen Wünsche ideal eingehen können.

Ein anderer war vermutlich eher enttäuscht über den Gesprächsverlauf:

Er: „hallo ***, bock von mir deine pussy und dein arschloch lecken zu lassen bist du schön feucht bist und ich dir meinen schwengel einführen kann?“

Ich: „Du bist ja sooo romantisch! :-*“

Er: „ich besser auch dein taschengeld auf wenn es dich anmacht.“

Ich: „Du wirst ja immer romantischer! Das macht mich jetzt aber voll saftig! *applaus*“

Er: „danke.“

Er löschte alle meine Nachrichten. Schnüff. Interessanterweise gehen die finanziellen Angebote teilweise bis ins Surreale hinein. Einer bot kein Geld, sondern einen alten Laptop. Ist ja eigentlich ein toller Plan, mal so richtig einen wegstecken und noch seinen Elektroschrott loswerden. Vielleicht noch einen Blowjob vorher und die Olle nimmt den Gelben Sack mit, wenn sie wieder geht.

Den Vogel schoss aber ein anderer Kerl ab, der zuerst 4500 Euro, dann sogar 6000 Euro bot, wenn mein weibliches Alter Ego zu ihm nach Mecklenburg-Vorpommern fahren würde. Die Nutten in seinem Ort wären alle ausgelastet, er könne auch dank einer Steißverletzung nicht nach Berlin fahren, also möge man doch bitte vorbeikommen und ihm geschlechtliche Erfüllung schenken. Der Haken: Er hätte gerne eine kostenlose Kostprobe vorher. Klar, der Knabe wollte sich zehn Minuten blasen oder vögeln lassen und nach seiner Ejakulation sagen, dass er doch kein Interesse hätte, um die Dame dann wieder auf den Heimweg zu schicken. Woher ein 22-Jähriger (noch dazu aus MeckPomm) so viel Geld haben sollte, wollte er natürlich nicht beantworten, auch ein Bild von den Moneten war nicht aus ihm herauszukriegen. Die größte Frage in meinem Kopf war allerdings, ob tatsächlich Frauen so bescheuert sind, auf diese Masche hereinzufallen. Gut, der Volksmund weiß: Gier frisst Hirn, also hält sich mein Mitleid auch in Grenzen, falls es tatsächlich solche Frauen gibt.

Mal ganz abgesehen von finanziellen Angeboten, für die man quer durch die Republik fahren muss, sind einige Typen offenbar bereit, eine Frau, die sie noch nie zuvor gesehen haben, in ihr Domizil einzuladen und zu ertragen. So bot mir ein junger Mann an, ein Wochenende bei ihm in Wolfen zu verbringen. Ein 63-Jähriger hingegen war noch großzügiger: „Hallo, wenn du bist einverstanden ich will dich einladen zu mir Italien ,an mein kosten.“ Sorry, aber auch mit solchen Angeboten schafft ihr es nicht, dass wir euch die WM 2006 und euer Versagen im Zweiten Weltkrieg verzeihen.

Andere Männer überfallen die Frauen mit ihren Fantasien, die sie ausschweifend schildern und der Angeschriebenen eine Hauptrolle im Szenario zuweisen. Da giert die Frau schon mal verzweifelt nach dem Schwanz des Schreibers, nachdem sie im Café unter dem Tisch einige Minuten die Zehen des Poeten in ihrem Venusbergwerk genießen durfte, und dann darf sie (nach einer kurzen Fahrt in den Wald) das heiße Rohr auch nur kurze Zeit im Rachen spüren, weil es dem Schwanzbesitzer viel mehr gefallen würde, sein Ejakulat im Anus der Gespielin zu deponieren. Ebenfalls sehr beliebt ist offenbar die Vorstellung, beim Spaziergang durch die Häuserschluchten durch eine offene Terrassentür in ein Schlafzimmer einzusteigen und die schlummernde Frau heftigst zu begatten, natürlich stets zur größten Verzückung der so Geschändeten. Ein älterer Herr schrieb mir mehrere Geschichten, in denen mein Alter Ego die Rolle seiner blutjungen Stieftochter übernehmen sollte. Familiäre Zusammenkünfte müssen sehr entspannend für ihn sein.

In vielen Nachrichten zeigt sich, dass ein Großteil der Männer offenbar glaubt, für Frauen existiere nur ein Kriterium, um die Eignung eines Kerls als Sexualpartner festzustellen: ein Lümmel, der so riesig und hart ist, dass man damit Nashornschädel zertrümmern könnte. Mindestens ein Drittel der Kerle bei Poppen.de hat eine Penislänge von über 20 Zentimetern im Profil stehen, und nicht selten wird in den Botschaften an prominenter Stelle auf die geradezu elefantösen Ausmaße ihres Jadehammers hingewiesen. Ganz egal, dass den meisten Frauen so ein Grubenponypimmel eher Schmerzen als Vergnügen bereitet, insbesondere wenn er ohne besondere Finesse einfach in die kleine Schwester gerammelt wird, bis er kotzen muss. Ein Typ, auf dessen Mitteilungen ich nicht antwortete, konnte es sich daher nicht verkneifen, in einer letzten Nachricht zu diagnostizieren: „Offenbar ist dir mein 23x5-Schwanz nicht groß und hart genug.“ Genau, das ist auch der einzige Grund, weswegen eine Frau nicht den Koitus mit dir vollführen wollen würde.

Da lobe ich mir das Mitglied, welches einen ganz besonderen Fetisch hat: Dieser Mann spürt sexuelle Erregung, wenn sich eine Frau über seinen kleinen Schwanz lustig macht. (Ich möchte dazu anmerken, dass die von ihm angegebenen Penismaße nur knapp unter dem europäischen Durchschnitt liegen und daher eigentlich gar nicht so lächerlich waren.) Zur Steigerung seiner Lust könnte die Frau aber auch mit anderen, besser bestückten Männern schlafen und ihm anschließend davon erzählen. Meine Damen, dies ist ein Mensch, den vermutlich nichts mehr erschüttern kann.

Ein anderes Mitglied war bereit, teuer für die Erfüllung seiner sexuellen Wunschträume zu bezahlen. Er würde 1000 Euro für jede Stunde latzen, die eine Frau ohne Unterbrechung an seinen Nüssen lutscht. Leicht verdientes Geld ist das zwar nicht, aber für eine bessere stündliche Bezahlung ohne große Voraussetzungen müsste man vermutlich schon die Ärsche von Staatsmännern auslecken.

Andere Fetische rangieren zwischen „Bist du wahnsinnig?“ und „Nein ehrlich, bist du total irre!?“ So fragten mich mehrere Leute, ob ich nicht Bock hätte, mit ihnen gänzlich ohne Verhütungsmittel zu poppen. Kein Gummi, keine Pille. Manche lieben offenbar einfach das Risiko, einer wollte hingegen unbedingt so viele Kinder zeugen wie möglich und deutete das auch über seinen Nutzernamen an. (Er hatte was mit „züchten“ zu tun, so viel kann ich verraten.) Immerhin: Ein anderer fragte mich, ob ich mich von seinem Deckrüden besteigen lassen würde. Ich glaube, ich könnte nichts schreiben, was diesem Satz auf angemessene Weise folgen würde. Jemand wird geil, wenn Frauen sich von seinem Hund pimpern lassen. Was zur Hölle ist kaputt mit manchen Menschen!?

Es gab übrigens noch andere Spezialisten, die – wenn ihre Nachrichten an mich ein typisches Beispiel ihrer Bemühungen waren – bei Frauen eine Erfolgsquote auf subatomarer Ebene haben dürften, weil man ihnen anmerkte, wie wenig sie sich mit der Angesprochenen beschäftigt hatten. Einer kopierte die Nachricht, die er einer anderen geschickt hatte. An sich ja verzeihlich, aber dann sollte man in der Anrede auch die Nutzernamen austauschen. Andere komplimentierten mein Aussehen, obwohl ich überhaupt kein Profilbild hochgeladen hatte.

Sehr erschüttert hat mich auch derjenige, der mir schrieb, nachdem ich in meinem Profil erwähnte, dass ich momentan menstruiere. (Ich wollte wissen, wie die Herren darauf reagieren.)

Betreff: hi du kleines luder

ich hätte richtig lust dir beim MENSTRUIERE zuzusehen, gerne helfe ich dir auch dabei, hast du lust auf einen reifen handwerker der sich das nimmt was er will ?

Ich vermute mal fast, dass er „menstruieren“ und „masturbieren“ verwechselt hat, schließlich kann ich mir nicht vorstellen, wie ein Handwerker einer Frau bei ihrem monatlichen Glück helfen soll. (Einerseits bin ich ja positiv überrascht, dass ein Handwerker mal was tut, ohne dass man ihn dafür bezahlen soll, andererseits bin ich immer noch davon überzeugt, dass er wie alle seine Kollegen mindestens fünf Stunden zu spät kommt.) Eines kann ich aber mit Sicherheit sagen: Selbst wenn ich eine Vagina hätte – ihn würde ich genau wie alle anderen erwähnten Herren da nicht ranlassen.

Nichtsdestotrotz will ich nicht behaupten, dass meine Zeit bei Poppen.de keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hätte. Ein Mitglied hatte nämlich mit seinem Nutzernamen meine Aufmerksamkeit erregt, und so fragte ich spaßeshalber mal, ob es sich dabei um den Klopfer von Klopfers Web handeln würde. Und Tatsache, er gab es sofort zu! Insofern hat die Website mein Sexualleben sehr beeinflusst: Dank meiner Existenzkrise traue ich mich nicht einmal mehr zu masturbieren, weil ich Angst habe, dass es diesem Typen Spaß machen könnte.

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