Klopfers Blog

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Nuff! Ich grüße das Volk. :hi:

Das Jahr 2018 steht kurz vor dem Ende, und wie im letzten Jahr nehme ich mir die Zeit für einen Blick zurück auf diese 365 Tage, die einerseits viel zu schnell herumgingen, aber andererseits für viele Leute (inklusive mir) insgesamt eher durchwachsen waren.

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Was würde man tun, wenn man nur noch wenige Minuten zu leben hätte? Die Bewohner Hawaiis hatten am 12. Januar Gelegenheit, sich darüber Gedanken zu machen, als eine offizielle Raketenwarnung (inklusive „Das ist keine Übung!“) auf ihren Mobiltelefonen auftauchte. Der Atomkrieg trat dann doch nicht ein, aber es stellte sich heraus, dass die Entwarnung durch den Gouverneur vielleicht eher die Öffentlichkeit erreicht hätte, wenn er nicht sein Twitter-Passwort vergessen hätte.

In Südafrika warb die Modekette H&M für einen grünen Hoodie mit der Aufschrift „Coolest Monkey in the Jungle“ – allerdings mit einem schwarzen Jungen. Während der Junge und seine Eltern das Kleidungsstück cool fanden, hatten andere Schwarze den Verdacht, mit Affen gleichgesetzt zu werden. Dummerweise benahmen sie sich dann in den H&M-Filialen wie Affen und zerstörten sie. Enorm überzeugend.

Rustikal ging es auch Ende des Monats in Frankreich zu, als die Intermarché-Supermarktkette Nutella zum Sonderpreis anbot und sich das naschsüchtige Volk in den Geschäften zünftige Keilereien um die italienische Süßware lieferte und einmal mehr den Eindruck verstärkte, dass die Franzosen wirklich jeden Vorwand nutzen, um einen Aufstand zu beginnen.

Tote des Monats: France Gall (französische Sängerin und als Teenager ein absoluter Süßkuchen)

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Auf dem Fliegerhorst Jagel wurde es ruhig im Februar: Die Tornados der Bundesluftwaffe durften nicht starten, weil aus irgendeinem Grund zu viel Biodiesel ins Kerosin gemischt wurde. Ungefähr zur gleichen Zeit kam heraus, dass für den Einsatz der Bundeswehr in der Schnellen Eingreiftruppe der Nato für 2019 sogar Winterkleidung und Zelte fehlen und wohl nicht rechtzeitig beschafft werden können. Da waren sich die vielen Millionen, die Flinten-Uschi für McKinsey-Berater ausgegeben hat, doch wirklich prima angelegt.

Die Unionsparteien und die SPD einigten sich (unter dem Vorbehalt eines Mitgliederentscheids bei der SPD) auf einen Koalitionsvertrag, lange nach der Bundestagswahl. Martin Schulz wollte in der Neuauflage der Großen Koalition Außenminister werden, aber nachdem alle kollektiv darauf hinwiesen, dass er vorher im Wahlkampf kategorisch ausgeschlossen hatte, einer Merkel-Regierung angehören zu wollen, erinnerte er sich schließlich selbst daran und verzichtete. Bei so viel Aufrichtigkeit wundert man sich schon, warum Politiker in Deutschland so wenig Vertrauen genießen.

Die XXIII. Olympischen Winterspiele in Pyeongchang beendeten die deutschen Athleten – nach schwachem Start – immerhin auf Platz 2 des Medaillenspiegels. In der Annäherung von Nord- und Südkorea ging es bei den Spielen ein wenig voran: Die Athleten der beiden Länder liefen bei der Eröffnungszeremonie gemeinsam ein und traten beim Frauen-Eishockey auch zusammen an.

Toter des Monats: Rolf Zacher (deutscher Schauspieler)

Bemerkenswerte Beiträge: No-Go-Typen, mit denen Mädchen trotzdem was anfangen sollten, Klopfers Bücherstunde - Teil 7
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Während die Sommerzeit-Umstellung im Verlauf des Jahres noch für Diskussionen sorgte, weichen Uhren unabhängig davon in ganz Europa von der richtigen Zeit ab, wie im März öffentlich wurde. Genauer gesagt: Es weichen die Uhren ab, die nicht von Radiosignalen einer Atomuhr gesteuert werden, sondern sich nach der Stromfrequenz richten (was zum Beispiel auch bei vielen Videorekordern der Fall ist/war). Diese Stromfrequenz ist zu niedrig, und das nicht wegen der Energiewende. Vielmehr sorgt der Streit zwischen Serbien und dem Kosovo dafür, dass aus dieser Region weniger Strom als erwartet ins europäische Stromnetz eingespeist wird. Nicht ganz „Wenn es dem Balkan juckt, kratzt sich ganz Europa“, aber in die Richtung geht es schon.

Schon die alten Griechen wussten, dass die Erde eine Kugel ist. Nun sind viele Leute heutzutage keine alten Griechen und glauben daran, dass die Erde flach sei. Einer davon ist „Mad“ Mike Hughes, der im März endlich beweisen wollte, dass seine Theorie stimmt. Er baute eine Dampfrakete und ließ sich damit in den kalifornischen Himmel schießen. Erstaunlicherweise ging er dabei nicht drauf, sondern hatte nach dem Flug in knapp 600 Meter Höhe und der Rückkehr an einem Fallschirm nur Rückenschmerzen. Der wissenschaftliche Wert seines Ausflugs war bescheiden; der Chauffeur plant bereits weitere Vehikel, die ihn in größere Höhen verfrachten, um die Scheibenform der Erde betrachten zu können.

Große Freude für alle Fans von Marios Bruder Luigi: Ein Promo-Bild von Nintendo zu Mario Tennis Aces zeigt eindeutig, dass er einen Penis hat.

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Toter des Monats: Stephen Hawking (britischer Astrophysiker)

Bemerkenswerte Beiträge: Das Internet der Illusionen, Foto-Lovestory: Rettung in letzter Sekunde!, Klopfer liest: Thump - The first bundred Days, Foto-Lovestory: Sex-Clip, Brennpunkt Geld
Premium: Foto-Lovestory: Mein erstes Mal, Foto-Lovestory: Was kostet die Liebe?

Die erste chinesische Raumstation Tiangong 1 stürzte Anfang April unkontrolliert zur Erde, nachdem bereits im März 2016 der Funkkontakt zur Station abgebrochen war. Die Überreste, die nicht verglühten, stürzten bei Tahiti in den Pazifik. Ein besonderer Verlust für das chinesische Raumfahrtprogramm war das nicht: Die Station war zuletzt 2013 bemannt, selbst die Nachfolgestation Tiangong 2 soll 2019 kontrolliert zum Absturz gebracht werden.

Ein dreister Diebstahl erschütterte die Kunstwelt: Bei einer interaktiven Ausstellung von Yoko Onos Kunststücken in Torontos Gardiner Museum steckte sich eine ältere Frau einfach einen ordinären Stein ein, auf dem mit schwarzem Filzstift „Love yourself“ geschrieben stand. Die Polizei taxierte den Wert des Steins zunächst auf 5.000 Dollar, korrigierte sich aber später auf 17.500 Dollar. Im Internet tauchten hilfreiche Angebote auf, den Stein viel billiger zu ersetzen.

Bei uns siechen sie langsam dahin, in Saudi-Arabien fing man im April erst wieder damit an: Das Land vergab zum ersten Mal seit 35 Jahren wieder eine Kino-Lizenz. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Twilight-Filme oder 50 Shades of Grey dort eher weniger laufen werden, und bin unschlüssig, ob das jetzt heißt, dass saudische Kinos besser wären als deutsche.

Toter des Monats: R. Lee Ermey (US-Marine-Ausbilder und Schauspieler)

Bemerkenswerte Beiträge: Das Lepus-Evangelium, Das Attentat auf Hitler, Die Leiden der jungen Bibi, Rubbel die Katz

Das Komitee für den Literaturnobelpreis beschloss, den Preis 2018 vorerst nicht zu vergeben, da es Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung und Korruption gab. Insgeheim habe ich allerdings auch den Verdacht, dass man gerade keinen gefunden hatte, dem man den Taler geben wollte. Schließlich war die Literaturwelt offenbar schon 2016 so abgegrast, dass man den Preis an Bob Dylan verlieh.

Im US-Bundesstaat Kansas wurde ein Mann unsanft beim Beischlaf von der Polizei gestört. Er lag gerade nackt unter seinem Partner, welcher ein Auto war, und versuchte, mit dem Auspuffrohr intim zu werden. Die Polizisten appellierten zunächst vergeblich an ihn, die Auslebung seiner Sexualität abzubrechen. Er kam der Aufforderung allerdings nicht nach, und anstatt noch fünf Minuten zu warten und sich vielleicht erst einmal ein paar Donuts und einen Kaffee zu holen, zogen die Ordnungshüter ihre Taser und sorgten so für einen elektrisierenden Coitus Interruptus. Verdammte Lustfeinde.

Für viel Kopfschmerzen rund um die Welt sorgte das Inkrafttreten der europäischen Datenschutzgrundverordnung, die in die Kategorie „Gut gemeint, schlecht gemacht“ fällt. Merklich wurde beim Verfassen der Regelungen besonders an die Internetgiganten wie Google und Facebook gedacht – ironischerweise sorgte der undifferenzierte Ansatz (ohne Rücksicht auf Größe und Wirtschaftskraft der Datenverarbeiter) dafür, dass gerade die Unternehmen mit großer Marktmacht relativ lässig mit der DSGVO umgehen können, während kleine Webseitenbetreiber und Firmen von der Bürokratie und den juristischen Fallstricken überfordert werden. Im Endeffekt sorgte die DSGVO eher noch für eine Konzentration der Marktmacht in den Händen der Internetriesen.

Toter des Monats: Wolfgang Völz (deutscher Schauspieler und Synchronsprecher)

Bemerkenswerte Beiträge: Warum analysiert man die Besucher seiner Website?, Goethe und seine Ferkelverse, Cosmopolitan hilft beim Sexting, Foto-Lovestory: Nichts als die Wahrheit...
Premium: Foto-Lovestory: Verbotene Liebe, Die Billig-Hure vom Kasernenstrich

Die Fußballweltmeisterschaft 2018 begann in Russland, und der deutschen Mannschaft hatte man offenbar nichts gesagt. Die Spieler der Mannschaft wirkten lustlos und gar nicht geil auf den Titel und flogen dann auch verdient schon in der Gruppenphase aus dem Turnier. Anschließend gab es viele Forderungen nach einem Rücktritt Jogi Löws, allerdings sehe ich auch jetzt immer noch keinen besseren Trainer, der für diesen Posten verfügbar wäre.

US-Präsident Trump setzte Strafzölle auf Aluminium- und Stahlimporte aus der EU, Kanada und Mexiko in Kraft, weil er das Gefühl hat, dass die anderen Länder die USA übervorteilen würden. Im gleichen Monat belegte er Importe aus China mit heftigen Strafzöllen. Offenbar hatte er noch nicht gemerkt, dass Zölle vom Käufer bezahlt werden, nicht vom Verkäufer, wodurch diese Maßnahme in erster Linie die US-Industrie ärgerte. Die betroffenen Länder beantworteten Trumps Vorgehen ihrerseits mit Strafzöllen für amerikanische Produkte.

Toter des Monats: Egon Hoegen (deutscher Schauspieler und Sprecher, insbesondere bekannt für die Verkehrssendung „Der 7. Sinn“)

Bemerkenswerte Beiträge: Wortgewalt, Das Anti-Schlappschwanz-Spray, Foto-Lovestory: Mein schwuler bester Freund
Premium: Foto-Lovestory: Das Vorstellungsgespräch, Blasmusik und Flötentöne

Nachdem im Monat zuvor eine Jugendfußballmannschaft in einer Höhle vom Regen überrascht und eingesperrt wurde, fieberte die ganze Welt mit. Im Juli konnten nach überragenden Anstrengungen die Jungs und ihr Trainer endlich gerettet werden – leider starb kurz zuvor ein Taucher. Auch Elon Musk gab an, helfen zu wollen, sein eilig konstruiertes Mini-U-Boot war allerdings für die Höhle überhaupt nicht zu gebrauchen und so wurde ihm ziemlich schnell gesagt, dass er sich bitte verpissen und die Experten ihre Arbeit machen lassen soll.

In Moskau gewann die französische Fußballnationalmannschaft das Finale der WM gegen Kroatien und wurde so Weltmeister. In Paris sammelten sich Franzosen, um zu feiern, aber fingen aus Gewohnheit an, die Innenstadt auseinanderzunehmen und brennende Barrikaden aufzustellen.

Eine Ära ging im Juli wohl für einen 82-jährigen Inder zu Ende. Als er 16 war, beschloss Shridhar Chillal, die Fingernägel seiner linken Hand wachsen zu lassen. Das taten sie 66 Jahre lang, bis er sie in New York für Ripleys Kuriositätenmuseum abschneiden ließ. Der Daumennagel war der längste mit 197,5 Zentimetern, aneinandergereiht erreichten die Nägel eine Länge von über neun Metern. Eine Nebenwirkung der langen Jahre ohne sinnvolle Benutzung der linken Hand ist übrigens, dass der Herr seine linke Hand nicht richtig schließen kann. Das heißt: Wenn man ihm eine knallen will, um ihn für seine dumme Idee zu züchtigen, wird er nur mit einer Faust zurückboxen können.

Toter des Monats: Naturalism (australisches Rennpferd)

Bemerkenswerte Beiträge: Fake Lego: Die DFB-Nationalmannschaft der Herren, Europa und der Plastikmüll

Eine Frau in Bristol hat einen besonderen Anspruch an ihre Liebhaber: Sie sollten nicht lebendig sein. Spiritistin Amethyst Realm will allerdings keine Leichen poppen, keineswegs. Sie entsagte vor 11 Jahren der Männerwelt, nachdem sie mit einem Geist Sex hatte. Inzwischen waren 20 Geister mit ihr intim, doch ein neuer Geister-Lover, den sie in Australien aufgabelte, weckte in ihr ein besonderes Bedürfnis: Wie sie im August der Welt mitteilte, möchte sie gerne von ihrem Geist schwanger werden. Jungfrau Maria nickt wissend.

Über Autobahnbrücken zu fahren, sorgte vermutlich im August bei so manchem Autofahrer für ein mulmiges Gefühl, nachdem in Genua ein Autobahnviadukt einstürzte. 43 Menschen kamen ums Leben, viele Bewohner der Häuser unter dem Viadukt wurden obdachlos. Bei allen hämischen Kommentaren über italienische Technik, die man so gerne ablässt, hatte wohl doch niemand so ein Unglück in einem derart modernen Land erwartet.

In Chemnitz stachen zwei Asylbewerber einen Deutschen kubanischer Herkunft ab, und im Nachhinein konnte man meinen, die Rechten wären es gewesen. Und nachdem man sich republikweit stritt, ob es wirklich eine Hetzjagd ist, wenn jemand zehn Meter hinter einem anderen herläuft und dann stehenbleibt, erlebten es manche Medien wohl fast als Erleichterung, dass tatsächlich einige Neonazis ein jüdisches Restaurant in Chemnitz angegriffen haben, weil das dann doch ein handfesteres Argument für die Gefahr von rechts war. Währenddessen wurde außerhalb der Regionalmedien kaum registriert, dass etwa zur gleichen Zeit in meiner Heimatstadt Frankfurt (Oder) eine Gruppe syrischer Flüchtlinge den Club „le Frosch“ mit Messern und Eisenstangen angriff. Vermutlich wäre aber auch da der erste Blick gleich nach rechts gegangen.

Toter des Monats: Neil Simon (amerikanischer Dramatiker und Drehbuchautor, Schöpfer von „Männerwirtschaft/Odd Couple“ und „Eine Leiche zum Dessert“)

Bemerkenswerte Beiträge: Gesinnungsethik und Verantwortungsethik, Foto-Lovestory: Lara in Love, Neue Karriere als Pornostar, Fake-Lego-Minifiguren: Star Trek
Premium: Foto-Lovestory: Flucht aus Liebe (Längste FLS im Blog), Foto-Lovestory: Alles negativ...

Die junge Naomi Osaka gewann das Finale der US Open gegen Serena Williams – aber dennoch verließ sie weinend das Feld, ausgepfiffen vom Publikum. Vorausgegangen war ein peinlicher Wutausbruch von ihrer Kontrahentin, die nicht nur schlechter spielte als früher, sondern sich auch noch gleich drei Strafen vom Schiedsrichter einhandelte. Die erste bekam sie, weil sie sich während des Spiels von ihrem Trainer coachen ließ (der das auch später zugab), die zweite, weil sie ihren Schläger wütend zerbrach (übrigens ein Vergehen, für das Männer häufiger bestraft werden), und die dritte, weil sie minutenlang den Schiri volllöffelte und ihn als Dieb und Sexist bezeichnete. Die Offiziellen stellten im Nachhinein fest, dass die Strafen regelkonform waren und der Schiedsrichter vollkommen korrekt gehandelt hatten, trotzdem schalteten wieder jede Menge Leute ihr Gehirn aus, als sie einen Sexismus-Vorwurf hörten, und bejammerten die angebliche Frauenfeindlichkeit des Schiedsrichters.

Daniel Küblböck schaffte es nach langer Zeit wieder in die Schlagzeilen – allerdings nicht mit positiven Nachrichten oder ebensolcher Energie: Auf einer Aida-Kreuzfahrt fiel er durch Wutausbrüche, Selbstgespräche und Crossdressing auf und schließlich um 4 Uhr morgens in die Labradorsee. Das Schiff zirkelte länger als normalerweise üblich um die Position herum, um den Sänger wiederzufinden, aber es war relativ schnell klar, dass in dem kalten Wasser niemand länger als einige Minuten überleben konnte. Im Nachhinein wurde spekuliert, ob ihn Mobbing in der von ihm besuchten Schauspielschule dazu getrieben haben könnte, allerdings waren einige Verhaltensweisen, die auf der Kreuzfahrt auffällig waren, schon zu DSDS-Zeiten und im Dschungelcamp offensichtlich geworden, etwa die unvermittelt auftretenden Wutausbrüche.

Den Hambacher Forst kannte bis 2018 außerhalb Nordrhein-Westfalens kaum jemand, aber dann dominierte er die Nachrichten. Der Energiekonzern RWE wollte den Großteil des Restwalds für den Braunkohle-Tagebau roden, was allerdings den Widerstand von Umweltschützern und Anwohnern zur Folge hatte. Mit Baumhäusern wurde der Forst schon vor fünf Jahren besetzt, um die Rodungen zu verhindern. Die Grünen, die als Teil der früheren Landesregierung die geplanten Grenzen des Tagebaus (die den Forst einschlossen) bestätigten, taten plötzlich so, als hätten sie schon immer dagegen gekämpft – und das Volk glaubte ihnen. In den Medien verschwamm wieder die Grenze zwischen Berichterstattung und Aktivismus. Viele Journalisten, die kurz vorher noch betonten, dass man sich unbedingt an Gerichtsentscheidungen halten müsste, als ein Islamist trotz Eilentscheidung eines Gerichts nach Tunesien abgeschoben wurde und unbedingt zurückgeholt werden sollte, waren nun der Meinung, dass man Gerichtsurteile eher als unverbindlich ansehen sollte, wenn sie dem eigenen Gerechtigkeitsempfinden widersprachen. Als ein Blogger/Journalist von einer abenteuerlich gezimmerten Hängebrücke im Hambacher Forst in den Tod stürzte, schob man die Schuld gerne auf RWE und die Polizei, nicht auf die Dämlichkeit des Bloggers und die schlechte Handwerksarbeit der Baumbewohner. Die Rodung wurde dann im Oktober durch eine Eilentscheidung eines Gerichts dann doch ausgesetzt – der Wald wurde allerdings vorher trotzdem geräumt.

Toter des Monats: Burt Reynolds (amerikanischer Schauspieler)

Bemerkenswerte Beiträge: Die Wahl zum Jugendwort des Jahres 2018, Foto-Lovestory: Feindliche Übernahme
Premium: Foto-Lovestory: Eifersucht nach Plan

Vor Ewigkeiten hatte jemand bei Google die Idee, Facebook herauszufordern, und das Ergebnis war 2011 Google+. Während es einige interessante Ansätze hatte, seine Kontakte zu ordnen, sahen die meisten Leute nicht wirklich ein, warum sie noch ein soziales Netzwerk brauchten, und Google polsterte die Nutzerzahlen künstlich auf, indem es für Dienste wie Youtube ein Google+-Konto zur Voraussetzung machte. Der ursprüngliche Initiator hat Google längst verlassen, sein Nachfolger wurde auch ersetzt – und im Oktober gab man dann nun endlich bekannt, Google+ im nächsten Jahr (zumindest für Verbraucher) den Gnadenstoß zu versetzen, zumal man eine Sicherheitslücke zugeben musste, die potentiell die Daten der Nutzer für alle öffentlich machte. Zunächst wurde der August 2019 als Abschaltdatum genannt, eine weitere im Dezember entdeckte Sicherheitslücke in der Google+-Programmierschnittstelle sorgte dann aber dafür, dass das Ende auf April 2019 vorverlegt wurde, da Google der Aufwand für die Pflege anscheinend immer lästiger ist.

In Illinois war der Wahlkampf um das Amt des Gouverneurs im Endspurt, als der demokratische Favorit J. B. Pritzker eine peinliche Steuervermeidung zugeben musste. Der Milliardär hatte einige Jahre zuvor eine zweite Villa (direkt neben seinem Hauptwohnsitz) gekauft und verfallen lassen. Das war allerdings nicht der Knackpunkt: Er ließ sämtliche Toiletten aus dem Haus entfernen, um es so als „unbewohnbar“ klassifizieren zu können. Unbewohnbare Häuser werden in Illinois nämlich für Steuerberechnungen nur mit einem Zehntel des Marktwerts bewertet, was für Pritzker deutliche Steuerrückerstattungen bedeutete. Pritzker kündigte an, das Geld zurückzuzahlen, und schimpfte über die fiese Veröffentlichung. Geschadet hat es ihm nicht: Im November gewann er die Wahl gegen den republikanischen Amtsinhaber Bruce Rauner.

Schnupfen ist doof, unter anderem, weil man mit verstopfter Nase so schlecht atmen kann. Dagegen kann man Nasenspray nehmen, aber ein Mann aus dem russischen Donezk wählte eine andere Methode zur Linderung seiner Atemnot. Polizisten fanden den Mann auf einem Feld – mit einem Messer im Kopf. Der Mann war ansprechbar und erklärte ruhig, er hätte ein zweites Loch in seinen Kopf gemacht, damit sein Hirn besser Luft bekäme. Der 41-jährige Fabrikarbeiter kam ins Krankenhaus, wo festgestellt wurde, dass die Klinge genau zwischen den Gehirnhälften steckte. Es mussten Spezialisten angefordert werden, um das Messer zu entfernen. Eine Woche nach dem Eingriff kam er in die Psychiatrie. Wie es seiner Nase geht, ist unbekannt.

Toter des Monats: Ingo Insterburg (deutscher Musiker)

Bemerkenswerte Beiträge: Foto-Lovestory: Der Nebenjob, Mohammed, der Unberührbare
Premium: Foto-Lovestory: Zu jung für die Liebe?

Referendum in Neukaledonien: Die Kanaken strebten nach Unabhängigkeit von Frankreich. Und da lass ich nicht den Rassisten raushängen, das Volk dort heißt so. Allerdings sind die Ureinwohner inzwischen in der Minderheit und die Mehrheit der Bevölkerung findet, dass all die Hilfsgelder aus dem fernen Mutterland besser sind als die Unabhängigkeit, weswegen das Ergebnis des Referendums recht eindeutig für den Status quo ausfiel.

Totgesagte leben länger, heißt ein Sprichwort, doch selten ist damit wirklich der Tod im wörtlichen Sinne gemeint. Für eine Familie in Kasachstan wurde der Spruch jedoch wahr: Der 63-jährige Bruder des Ehemanns stand nämlich plötzlich vor der Tür, obwohl man ihn doch zwei Monate zuvor beerdigt hatte. Aigali Supugaljew war allerdings lediglich vier Monate lang als Landarbeiter fort und hatte es nicht für nötig befunden, seine Angehörigen zu informieren. Nach seinem Verschwinden fand man in der Nähe eine vergammelte Leiche und befürchtete, es wäre seine. Nun war die Zersetzung zu weit fortgeschritten, um ihn optisch zu identifizieren, also machte man einen DNS-Test. Mit Erfolg: Der Test bescheinigte mit einer Sicherheit von 99,29 %, dass es sich hier um den Vermissten handeln würde. Der Tote wurde also beerdigt und betrauert. Wer jetzt wirklich in dem Grab liegt, bleibt indes vorerst ein Rätsel.

Totgesagte leben länger, heißt ein Sprichwort, doch selten… Moment, das hatten wir gerade. Egal: Auch ein Spanier in Irland musste erstaunt feststellen, dass er zumindest für andere tot war. Er hatte bis vor wenigen Monaten für den Amateur-Fußballverein Ballybrack FC in Dublin gespielt. Ballybrack spielt in der Leinster Senior League und hatte offenbar Schwierigkeiten, genug Spieler für ein Pflichtspiel zusammenzukriegen. Um das Dilemma zu lösen, verkündete man, dass ihr Spieler Fernando LaFuente auf dem Heimweg nach dem Training in einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sei. Natürlich war das Mitgefühl bei den anderen Fußballern groß, und so willigte auch der nächste Gegner von Ballybrack ein, das Spiel abzusagen. Der Dahingeschiedene selbst war nicht eingeweiht worden und dementsprechend überrascht, als Kollegen sich bei ihm erkundigten, ob er noch lebte. Die Lügengeschichte löste sich recht schnell auf: Der Club behauptete, dass der Leichnam von Fuentes bereits nach Spanien überführt worden wäre, was den Liga-Verantwortlichen spanisch vorkam. Ihre Überprüfungen ergaben, dass weder in den Krankenhäusern noch sonst irgendwo ein Patient oder Leichnam mit diesem Namen verzeichnet war. Der Spott der Ligakonkurrenten ist Ballybrack wohl noch über Jahre sicher.

Toter des Monats: Rolf Hoppe (deutscher Schauspieler)

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Premium: Der geheime Sex-Code der Frauen

Schon im November begannen in Frankreich die Gelbwesten-Proteste gegen die Regierung, zunächst um gegen eine höhere Besteuerung von fossilen Brennstoffen zu demonstrieren. Im Dezember setzte sich der Protest fort, und aus irgendeinem Grund fanden viele Teilnehmer in Paris, der beste Weg, gegen den Präsidenten zu demonstrieren, wäre der, private Läden zu plündern und Autos von Mitbürgern in Brand zu stecken. Da haben die Franzosen es der Obrigkeit aber mal so richtig gezeigt. Aber wir haben ja schon häufiger in diesem Rückblick gesehen, dass die Franzosen nichts hinkriegen, ohne dabei Bürgerkrieg zu spielen.

Kaum zu glauben, aber in Berlin wird doch mal was fertig: Nach zwölf Jahren Umbau im laufenden Betrieb wurden zumindest die bahnbetrieblichen Arbeiten am Bahnhof Ostkreuz abgeschlossen. Für den Bahnhof, der mehr oder weniger liebevoll den Spitznamen „Rostkreuz“ trug, wurden schon in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts Umbaupläne gewälzt, zu denen es dank des Krieges aber nicht mehr kam. Wesentliche Erneuerungen gab es allerdings danach sehr lange trotz immer neuer Planungen nicht, bis man die Sanierung und den Umbau nicht mehr wesentlich aufschieben konnte.

In Großbritannien wollte Theresa May den Entwurf für den Brexit-Vertrag mit der EU im Unterhaus zur Abstimmung vorlegen. Allerdings deutete sich recht schnell an, dass dieser Vertrag nie im Leben eine Mehrheit gefunden hätte (aufgrund einer Regelung, die die Grenze zwischen Nordirland und Irland betrifft), weswegen sie die Abstimmung auf unbestimmte Zeit vertagte. Immerhin überstand sie danach noch ein Misstrauensvotum und bleibt somit weiterhin Premierministerin des Vereinigten Königreichs. Warum auch immer. Da sich wohl keine Mehrheit mehr für den vorhandenen Vertragsentwurf finden lassen wird, die EU-Mitglieder allerdings auch klargestellt haben, dass der Deal für das Königreich nicht besser werden wird, steht im nächsten Jahr ein harter Brexit ohne mildernde Regelungen bevor. Für ein Referendum (zum Vertrag oder zum Brexit generell) bleibt realistisch gesehen gar keine Zeit mehr (das letzte Referendum wurde über ein Jahr lang vorbereitet). Der einzige Weg, den harten Brexit zu verhindern, wäre der, ihn ganz abzusagen – das allerdings wird sich wohl keine britische Regierung trauen.

Toter des Monats: Stefanie Tücking (deutsche Moderatorin)

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Premium: Die Bratwurstmillionäre von Miami

Und weil ich es im letzten Jahr auch gemacht habe, hier die Texte und Blogeinträge, die in diesem Jahr am meisten angeklickt wurden. :klarerfall:

Der meistgeklickte Text im Jahr 2018 war (wohl wenig überraschend) Die Abenteuer des Stefón Rudel, dicht gefolgt von der Lästerei zu 50 Shades of Grey - Geheimes Verlangen.

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Der erfolgreichste der neuen Texte war die Kolumne "Wortgewalt", die ich selbst auch noch nicht zum Kotzen finde, also muss sie gar nicht so übel sein. :D

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Hier ist etwas passiert, was (wie im letzten Jahr bei den Texten) eigentlich nicht normal erklärbar ist, sondern vermutlich nur auf Bots zurückzuführen ist: Über 72.000 Mal wurde ein Blogeintrag über Urkost-Guru Franz Konz in diesem Jahr angeklickt. Der realistischere Spitzenreiter So fällst du Jungs auf - (nicht ganz) 100 Tipps für eine Hammer-Ausstrahlung kam auf nicht mal 19.000 Klicks im Jahr 2018.

Der erfolgreichste Blogeintrag, der tatsächlich auch in diesem Jahr geschrieben wurde, ist Das Anti-Schlappschwanz-Spray mit über 9400 Klicks.

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Die erfolgreichste Foto-Lovestory des Jahres war gleich der Blogeintrag danach: Mein schwuler bester Freund hatte allerdings weniger als 5500 Klicks.

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Okay, damit ist die Geschichtsschreibung für das Jahr 2018 komplett :mwhaha: Ich werde mich jetzt um meine Neujahrsansprache kümmern. Bis dann! :bye:

Mehr zu lesen:

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Lehrerinnenreport - Was Schüler nie zu hoffen wagten

Veröffentlicht am 13. Dezember 2009 um 2:58 Uhr in der Kategorie "Meine Sicht der Welt"
Dieser Eintrag wurde bisher 15 Mal kommentiert.
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Wie kann man Klopfers Web unterstützen?

Text veröffentlicht im November 2017
Klopfer erzählt, wie man helfen kann, Klopfers Web zu erhalten und besser zu machen - sowohl ohne als auch mit Geldeinsatz. [mehr]

IdefixWindhund (Profil)
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Mal ein Jahresrückblick mit Witz, und Sinn.

Die deutschen TV Medien haben ja schon Weihnachten angefangen Jahresrückblicke raus zu hauen. Und zum Silvester, gab es nichts mehr.

0
Geschrieben am
qwzt (Profil)
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Danke für den Jahresrückblick. Ist der einzige, den ich dieses Jahr gelesen habe.

0
Geschrieben am
Nova (Profil)
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Danke für den unterhaltsamen und informativen Jahresrückblick, aber... du hast nicht ernsthaft einfach die Klickzahlen der Artikel für die Kür zum Beliebtesten als Bewertung genommen, oder? Damit wäre der Wert doch ziemlich verzerrend, weil ein Im Dezember veröffentlichter Artikel logischerweise viel weniger Zeit hat als einer, der im Januar veröffentlicht wurde, um Klicks zu sammeln.

0
Geschrieben am
Klopfer (Profil) (Website)
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@Nova: Ich wollte es nicht zu kompliziert machen und eine "Klicks pro Tag"-Berechnung anstellen, dann hätte ich es auch nicht mehr rechtzeitig geschafft, den Jahresrückblick vor Mitternacht fertigzukriegen.
Natürlich ist mir klar, dass es günstiger für einen Text ist, früher im Jahr veröffentlicht zu werden (weswegen ich auch den Hyperloop-Text nicht im letzten Monat fertiggemacht habe), aber dafür sind Texte, die nicht ganz neu sind, auch weniger deutlich sichtbar, insofern ist das eventuell ein gewisser Ausgleich. Abgesehen von den Lästereien ist es sowieso meist so, dass der Großteil der Klicks im ersten Monat der Veröffentlichung kommt, was danach reinkommt, macht von den gesamten Klickzahlen im Jahr in den meisten Fällen weniger als 20% aus.

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Geschrieben am
Stone (Profil)
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Was hat es mit Naturalism auf sich? Ich hab noch nie von dem Pferd gehört (bin aber auch kein großer Pferdesportfan).

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Geschrieben am
Klopfer (Profil) (Website)
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Ich auch nicht, aber mir ist das Tier im Wikipedia-Nekrolog aufgefallen, und sonst kannte ich von den "prominenten" Toten in diesem Monat auch niemanden. :D Da hab ich das Hottehü genommen.

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Geschrieben am
Stone (Profil)
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Seems legit. :lol:

0
Geschrieben am
Veria (Profil)
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Als der 82-jährige Inder vor 66 Jahren seine Fingernagelzucht begonnen hat, war er aber ein ziemlich junger 16-Jähriger, stelle ich fest.

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Geschrieben am
Klopfer (Profil) (Website)
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In Indien gehen die Uhren anders. :o

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Geschrieben am
MajinMolossus
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Geiler Beitrag....
aber kein Wort über Stan Lee? 🤔

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Geschrieben am
Klopfer (Profil) (Website)
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Na ja, um Stan Lee wurde ja schon vorher im Netz ne ganz schöne Welle gemacht. :tjanun: Ich hatte überlegt, ob ich ihn zum Toten des Monats machen sollte, allerdings lassen mich seine Schöpfungen relativ kalt, daher wurde es Rolf Hoppe, den ich in so einigen Filmen mochte.

0
Geschrieben am


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